dr-hanna-steffen.de https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/ Sat, 18 Jul 2026 05:40:59 +0000 de-DE hourly 1 Ein Atemzug Sommer: der süße Duft der Linde https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/ein-atemzug-sommer-der-suesse-duft-der-linde/ https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/ein-atemzug-sommer-der-suesse-duft-der-linde/#comments Sun, 28 Jun 2026 14:17:00 +0000 Wesensfragen Begabung im Flow https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/ein-atemzug-sommer-der-suesse-duft-der-linde/ Weiterlesen

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Ein Beitrag zur Blogparade von Dr. Jessica Maas: Welcher Duft riecht für Dich nach Sommer?

Es ist gerade einmal Ende Juni, und die Sonne sengt in diesem Jahr bereits unerbittlich. Wer jetzt um die Mittagszeit durch eine ältere Straße oder an einem Dorfrand entlanggeht, spürt die Hitze physisch als Last. Doch mitten in dieser Schwere zieht ein besonderer Duft meine Aufmerksamkeit in seinen Bann. Süß, zart und lieblich: die Linde blüht!

Es ist einer jener Momente, in denen ein einziger Atemzug genügt, um etwas im Innersten zu berühren. Der Duft der Lindenblüte strömt unverdrossen, mitten im frühen Hochsommer und lädt - selbst widrigen Umständen zum Trotz - zum Genießen ein.

Als Dr. Jessica Maas - Seifensiederin und erklärte Nasenmensch - zur Teilnahme an ihrer Blogparade einlädt und nach einem Sommerduft fragt, hat mich sofort der Duft der Lindenblüten gerufen. Denn was ist ein Sommer ohne diesen sinnlichen Duft?

1. Ein Duft, der die Zeit anhält

Düfte sind die ehrlichsten Zeitreisenden, die wir kennen. Sie umgehen alle Rationalisierungsversuche durch den Verstand und laden direkt zu Erinnerungen ein, präziser als jedes Bild. Der Lindenblütenduft hat für mich diese besondere Qualität: Er öffnet ein Gefühl des Daseins jenseits von Bildern, Worten oder einer physischen Berührung.

Das liegt vermutlich an der Biochemie, aber eben nicht nur daran. Die Linde, übrigens auch die Heilpflanze des Jahres 2025, enthält in ihren Blüten ätherische Öle, Flavonoide und Schleimstoffe, die das Nervensystem nachweislich beruhigen. Lindenblütentee wirkt bei innerer Unruhe, Schlafstörungen und nervösen Spannungen. Er beruhigt einen nervösen Magen, wirkt schweißtreibend und senkt nach alten Überlieferungen sogar Fieber. Wolf-Dieter Storl schreibt dazu treffend: „In der Begegnung mit der blühenden Linde wird das Seelische in uns heilend berührt, wir kommen in Resonanz."

2. Unter der Linde: wo Gemeinschaft und Freude lebten

Ich schließe beglückt die Augen und begebe mich auf eine Reise rückwärts in die Zeit. Die Linde war nicht zufällig jahrhundertelang das Zentrum des dörflichen Lebens in Deutschland und der Schweiz. Unter ihrer ausladenden Krone, die im Sommer ein ganzes Stück Gemeindeland beschatten kann, wurden Gerichte abgehalten, Hochzeiten gefeiert und getanzt.

Die sogenannten Tanzlinden - also Linden, in deren Kronenbereich eigens hölzerne Tanzplattformen eingebaut wurden – sind eine real dokumentierte Erscheinung in Deutschland. Die Limmersdorfer Tanzlinde in Franken gilt als die älteste ihrer Art und wurde 2014 als Immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt. Man tanzte buchstäblich im Baum. Hoch über dem Boden, getragen von diesem uralten Wesen, beim Klang von Musik, unter freiem Himmel.

Es gibt etwas zutiefst Sinnliches an dieser Vorstellung. Die Linde als Ort, wo Körper und Freude und Gemeinschaft zusammenkamen. In der nordischen Mythologie war sie Freya geweiht, der Göttin der Liebe und der Fruchtbarkeit. In der christlichen Tradition stand sie oft in der Nähe von Marienkapellen. Immer verkörperte sie dasselbe: Schutz, Wärme, das Herz, auch Geborgenheit. Ein altes Volkslied hat das so gefasst: „Kein schöner Land in dieser Zeit, als hier das uns're weit und breit, wo wir uns finden wohl unter Linden zur Abendzeit."

Auch der Name des Holzes gibt einen Hinweis: lignum sanctum, heiliges Holz, so im Lateinischen. Aus Lindenholz schnitzte Riemenschneider seine Madonnen. Es ist weich, geschmeidig, fasst Konturen auf wie kein anderes Material. Eine Linde, die trägt und formt. Vielleicht ist es kein Zufall, dass das Wort lindern – Schmerz lindern, Leiden lindern – derselben Wurzel entspringt wie der Baum. Die Linde trägt ihre Heilaufgabe schon in ihrem Namen.

Die Lindenallee Ludwigslust

Die Lindenallee von Ludwigslust – eine der eindrucksvollsten barocken Sichtachsen Norddeutschlands.

3. Die Linde und das Seelische

Die Linde ist nicht nur ein Heilbaum, sondern auch ein kraftvolles spirituelles Symbol. In vielen Kulturen wurde sie als Baum der Liebe, des Friedens und der weiblichen Weisheit verehrt. In der nordischen Mythologie war sie Freya geweiht, in der christlichen Tradition oft der Jungfrau Maria - immer stand sie für Schutz, Mitgefühl und Herzöffnung. Was gebrochen wurde, wird unter ihr wieder ganz.

Wolf-Dieter Storl beschreibt die Linde als lebende Präsenz, als Verkörperung eines göttlichen Wesens, das Liebe, Lebensfreude und Geborgenheit ausstrahlt. Und er beschreibt etwas Bedeutsames: Wenn wir uns Pflanzen wirklich zuwenden und sie mit allen Sinnen in ihrer Schönheit begreifen, dann stärken wir sie im Dasein. Unsere Aufmerksamkeit wirkt zurück und hochsensitive Menschen spüren das auch. Das Lateinische steckt darin: interesse bedeutet »dazwischen sein, zugegen sein«. Was uns interessiert, das bringen wir ins Dasein. Das ist keine romantische Metapher, sondern eine bedeutsame Information über die Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur.

„In der Begegnung mit der blühenden Linde wird das Seelische in uns heilend berührt, wir kommen in Resonanz. Bei der Linde ist es eine ekstatische Berührung."

Wolf-Dieter Storl

Pflanzen, so Storl weiter, hätten ihre Seele nicht im Inneren - keine Organe als verkörperte Seelenzentren. Ihre Seele befände sich außerhalb. Wenn die Linde blüht, dann weil ihr Geist sie von außen berühre. Der lebende Leib blühe dem Geist entgegen - und weil er in diesem Moment beseelt werde, dufte er. Der Duft der Lindenblüte sei der Augenblick, in dem das Seelische über die Sinne erfahren werde. 

In der griechischen Mythologie heißt die Tochter des Okeanos Philyra - ein altes Wort für Linde. Aus ihr geht Cheiron hervor, der Kentaur und erste Heiler der Menschen. Wenn wir diesen Gedanken vollenden, hat die Linde die Heilkunst selbst hervorgebracht. Sie ist nicht nur Mittel der Heilung, sondern deren Ursprung.

4. Die alte Linde in Daverden: wie aus Krisen neues Leben entspringt

Bei meinen Recherchen stoße ich auf eine Linde, die mich besonders fasziniert: Der Bremer Arzt und Maler Dr. Dirk Beckedorf hat sie vor einigen Jahren porträtiert - das großformatige Werk ist auf seiner Website zu sehen. Im März 2020 widmete er ihr sogar eine eigene Ausstellung, die er kurzerhand „Die alte Linde" nannte und welche im Küsterhaus vor Ort stattfand.

Die alte Linde in Daverden steht auf dem alten Kirchhof zwischen dem Küsterhaus und der Kirche St. Sigismund - und sie dürfte älter sein als der im 12. Jahrhundert erbaute Kirchturm daneben. Man sagt ihr über 1000 Jahre nach. Wahrscheinlich stammt sie noch aus heidnischer, germanischer Zeit: Bei den Germanen galten Linden als heilige Bäume, geweiht der Göttin Freya. Diese Linde war eine sogenannte Thinglinde - ein Versammlungsort, an dem Recht gesprochen wurde, und es galt als schwerer Frevel, unter ihr die Unwahrheit zu sagen. Ihr Stammumfang soll einmal über sechs Meter betragen haben. Mündlich überliefert ist, dass schon vor über 200 Jahren Kinder in ihrem hohlen Stamm gespielt haben - der Hohlraum maß damals 1,30 Meter im Durchmesser.

Heute steht vom alten Stamm nur noch ein Saum: mit einem tiefen Riss bis zum Boden, ausgehöhlt, gezeichnet von tausend Verletzungen. Und dennoch erheben sich aus diesem Saum kraftvolle Äste mit frischem Laub. Aus dem Wurzelstock wächst inzwischen ein neuer Baum, der sich längst zu einem eigenen jungen Lindenbaum entwickelt hat.

„There is a crack in everything - that's how the light gets in", schrieb Leonard Cohen in seinem Song „Anthem". Und weiter: „Ring the bells that still can ring / Forget your perfect offering." Läute, was noch läuten kann. Vergiss das perfekte Geschenk. Ich musste genau daran denken, als ich diesen Baum zum ersten Mal sah. Der Riss geht bis zum Boden. Der Stamm ist ausgehöhlt. Und trotzdem - oder vielleicht genau deshalb - treibt aus dem Wurzelstock ein neuer Lindenbaum. Das ist keine Metapher für trotziges Durchhalten, sondern eine starke Metapher dafür, dass Krisen das gebären können, was als Potential bereits in uns angelegt war. Sie erzeugen bisweilen Risse, durch die neues Licht einfällt, und manchmal, wenn der Stamm oder der Boden aufgebrochen ist, beginnt genau dort etwas Neues zu wachsen. 

Auch in der Nibelungensage spielt die Linde eine Rolle: Siegfried badete im Blut des erschlagenen Drachen und wurde unverwundbar - bis auf eine einzige Stelle auf seiner Schulter, auf die genau in diesem Moment ein Lindenblatt gefallen war. Das Lindenblatt als Zeichen der verbliebenen Menschlichkeit. Als wäre auch hier die Linde der Ort, wo das Weiche und das Verletzliche seinen Platz behält.

Lindenblueten - Nahaufnahme

5. Was Düfte für hochsensible Menschen tun

Ich begleite Menschen, die hochbegabt, vielbegabt oder hochsensibel sind - Menschen mit einem besonders fein kalibrierten Nervensystem, die die Welt intensiver wahrnehmen als andere es für möglich halten. Oft stehen sie unter einem Druck, der aus dieser Intensität selbst entsteht: die Wahrnehmung von sehr vielen Reizen zur gleichen Zeit, zu wenig eigener Raum zur Verarbeitung, zu wenig gesellschaftliche und innere Erlaubnis, authentisch zu sein.

In meiner Arbeit ist die Lenkung der Aufmerksamkeit auf das Ästhetische, Heilsame und Schöne kein Luxus, sondern ein Werkzeug. Was wir wahrnehmen und worauf wir bewusst unsere Aufmerksamkeit lenken, beeinflusst uns. Wer lernt, sich einer angenehmen Wahrnehmung, wie beispielsweise einem Duft und dessen sinnlichen Realität wirklich zuzuwenden, praktiziert etwas, das weit über das Riechen hinausgeht. Er übt Präsenz und kann verankern, dass es sich gut anfühlen kann, in diesem Körper hier auf der Erde zu sein.

Der Persönlichkeitsforscher und Entwicklungspsychologe Prof. Michael Pluess hat dafür den Begriff Vantage Sensitivity geprägt. Er beschreibt damit die Lichtseite der Hochsensibilität: Hochsensible Menschen reagieren nicht nur stärker auf Belastendes, sondern profitieren unter Umständen auch messbar stärker von positiven Einflüssen - von Schönheit, von Stille, von sensorischer Resonanz. Ihre erhöhte Umweltsensitivität ist kein Defizit, sondern ein Verstärker in beide Richtungen und sie können die bewusste Lenkung der Aufmerksamkeit konstruktiv nutzen. Diese innere Ausrichtung ist dann kein "sentimentales Extra", sondern wird zu einer gezielten Intervention.

Die Linde lehrt das auf besondere Weise. Sie duftet nicht penetrant und drängt sich nicht auf. Man muss beizeiten innehalten, um sie wirklich wahrzunehmen. Und wer diesen Duft wirklich einlässt, empfindet oft etwas, das weitet oder gar beglückt. Gerade in diesem Jahr, in dem die Sonne unsere Standhaftigkeit seit Tagen unabhängig von der Tages- und Nachtzeit auf die Probe stellt, entstehen so Momente, in denen wir kurz aufatmen können.

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen inzwischen, was die Volksweisheit schon lange wusste: Die ätherischen Öle, die Bäume in ihre Umgebung abgeben, wirken messbar beruhigend auf das Nervensystem, allein durch ihre Anwesenheit und die Verbindung mit unserem Atem. Für die blühende Linde gilt das in einem besonderen Maß. Wer unter ihr sitzt und tief einatmet, verändert seinen Zustand biochemisch und emotional. Das ist Physiologie jenseits - oder gerade verbunden mit der Poesie.

Aromatherapeutisch ist Lindenblüten-Absolue in Parfums und Seifen eine der kostbarsten Substanzen: feminin, süßlich-warm, mit einer leichten Vanillenote - ein Duft, der beruhigt, aufmuntert, bisweilen auch tröstet. In handgefertigten Seifen entfaltet er seine hautpflegende Wirkung und hinterlässt etwas von dieser Sanftheit auf der Haut.

Und dann wäre da noch der Honig. Lindenblütenhonig - würzig, leicht mentholartig, mit einem Hauch von Harz. Ein Tee aus Lindenblüten, darin ein Löffel dieser goldenen Substanz: das ist nicht nur Medizin, sondern Sommer, der trinkbar geworden ist.

Tränende Herzen - Nahaufnahme

6. Die Linde und das Herz als Zentrum unserer Präsenz

Der Duft der Linde verbreitet für mich das Flair des Sommer in seiner ursprünglichen Bedeutung: nicht als Jahreszeit der Rastlosigkeit und vollgepackter Urlaube, sondern als Zeit des Reifens, des Innehaltens an heißen Tagen, der Fülle.

Ein Baum, der tausend Jahre alt werden kann und dennoch immer wieder neu austreibt. Der Tanzböden in seinen Ästen trug. Der Duft kehr wieder, Jahr für Jahr, Ende Juni, verlässlich, unverdrossen, süß.

Was Storl das göttliche Wesen der Linde nennt - diese Qualität von Liebe, Lebensfreude und Geborgenheit - trifft, wenn wir wirklich einatmen, uns genau dort: im Herzen, im Zentrum unserer Präsenz.

Mehr braucht ein Sommer manchmal nicht.

Wenn du das Herz als Zentrum der eigenen Präsenz wiederentdecken oder stärken möchtest, bist du eingeladen zu einem Abend, in dem wir genau diesen Aspekt berühren möchten:

Am Mittwoch, 19. August 2026, 19 Uhr findet der kostenfreie Online-Erlebnisabend „Das Herz als Zentrum unserer Präsenz" statt - gemeinsam mit Jenny Sun. Wir erkunden, wie sich der Herzraum als Zentrum deiner Präsenz wieder spüren lässt, wie du über deinen Körper neues Vertrauen in deine feine Wahrnehmung findest, und wie du in Kontakt kommst mit dem feinstofflichen Feld, das dir als Ressource zur Seite steht.

Der Abend ist kostenfrei. Du kannst dich hier registrieren. 

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Warum blinde Flecken manchmal verborgene Stärken sind: mein persönlicher Erkenntnisweg über Hochbegabung, Vielbegabung und Hochsensibilität https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/warum-blinde-flecken-manchmal-verborgene-staerken-sind-mein-persoenlicher-erkenntnisweg-ueber-hochbegabung-vielbegabung-und-hochsensibilitaet/ https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/warum-blinde-flecken-manchmal-verborgene-staerken-sind-mein-persoenlicher-erkenntnisweg-ueber-hochbegabung-vielbegabung-und-hochsensibilitaet/#comments Fri, 26 Jun 2026 13:05:00 +0000 Begabung & ND Begabung im Flow https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/warum-blinde-flecken-manchmal-verborgene-staerken-sind-mein-persoenlicher-erkenntnisweg-ueber-hochbegabung-vielbegabung-und-hochsensibilitaet/ Weiterlesen

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„Das bin ja ich."

Ich erinnere mich noch genau, wie diese Erkenntnis mich getroffen hat. Es war während des internationalen Joseph-Joachim-Violinwettbewerbs hier in Hannover, den ich wie alle drei Jahre fasziniert live verfolgte.

Irgendwann in diesen Tagen hatte ich aus einer Art innerer Eingebung heraus die Begriffe „Hochbegabung und Hochsensibilität" gegoogelt und landete auf einer Webseite, auf der ich mich zu meiner Überraschung in fast allen beschriebenen Merkmalen wiedererkannte.

Da war unter anderem die Rede von einer feinen, hochdifferenzierten Wahrnehmung, die Reize intensiver verarbeitet, als bei den meisten anderen Menschen der Fall ist, von dem Bedürfnis, Phänomene nicht an der Oberfläche zu belassen, sondern so lange zu durchdringen, bis man wirklich auf den Grund gestoßen ist, von der Fähigkeit der schnellen Erfassung von komplexen und themenübergreifenden Mustern. Von Interessen, die schon in der Kindheit altersuntypisch waren und von dem Gefühl, irgendwie anders zu sein als andere, lange Zeit ohne benennen zu können, worin dieses Anders-Sein eigentlich begründet war.

Für mich war es kein dramatischer, aber doch ein einschneidender Moment, als dieser Groschen endlich gefallen war. Was mich im Nachhinein fast am meisten beschäftigt hat, war nicht nur die Erkenntnis selbst. Es war, wie lange sie ausgeblieben war.

Inhaltsverzeichnis

  1. Im Nachhinein betrachtet: wenn das Mosaik sich vervollständigt
  2. Was sich verändert, wenn der Schlüssel passt
  3. Ein blinder Fleck ist nicht dasselbe wie eine Schwäche
  4. Wenn Selbstakzeptanz bedeutet, einen Rahmen loszulassen
  5. Wie meine persönlichen Erkenntnisse meine Arbeit prägen
  6. Warum ich diese Blogparade ins Leben gerufen habe

1. Im Nachhinein betrachtet: wenn das Mosaik sich vervollständigt

Ich gehe den Dingen auf den Grund. Schon immer. Das steht nicht nur in meinem LinkedIn-Profil, das ist ein Wesenszug, der sich durch mein ganzes Leben zieht.

Ich bin als Kind allein durch Wiesen gestreift und habe Beeren gesammelt. Ich kannte mehr Pflanzennamen als mein Biologielehrer, bevor mir bewusst war, dass andere das nicht selbstverständlich fanden. Später habe ich zahlreiche Bücher über Gartenbau gelesen und mich auch von widrigen Umständen nicht abhalten lassen, den Gemüsegarten zu Hause zeitweise alleine zu bestellen.

Ich habe als einziges Kind schon in der Kindergartenzeit im Chor mitgesungen, mir das Flötespielen im Vorschulalter selber beigebracht und später viel Geige gespielt, obwohl ich es erst nicht sollte. Wenn ich noch nicht schlafen wollte, habe ich mit der Puppenstubenlampe heimlich unter der Bettdecke Bücher gelesen und Dinge so lange durchdacht und nachgefragt, bis ich das Gefühl hatte, wirklich auf den Grund gestoßen zu sein. Aber ein Baby, das aus einem Ei entsteht, das kleiner sein sollte als ein winziger Punkt auf einem Blatt Papier? Das hat mich lange beschäftigt, auch noch, als der Bauchumfang meiner Mutter schon beträchtlich war.

Meine Erinnerungen an die Vorschulzeit sind teilweise sehr detailliert, was übrigens bei Menschen, die kognitiv früh gereift sind, recht häufig vorkommt.

Gleichzeitig war mir vieles fremd in meiner Umgebung. Ich bin in einem ländlichen Umfeld aufgewachsen, in dem Gleichgesinnte selten waren. Die Interessen und die Art zu denken, die sich in mir zeigten, stießen nicht immer auf Resonanz, bisweilen auch auf Ablehnung. Das hat Spuren hinterlassen, wie es bei vielen hochbegabten und hochsensiblen Menschen der Fall ist, die früh lernen: Sei nicht anders. Pass dich an, sonst gehörst du nicht zu uns. So wurde ich auch Meisterin darin, insbesondere die Bedürfnisse und Erwartungen von Erwachsenen zu erspüren, auch wenn diese nicht explizit ausgesprochen wurden.

Später im Berufsleben tauchte dieses Gefühl, anders zu sein, zu denken und Phänomene aus einer anderen Perspektive zu betrachten als viele Kolleg:innen, ebenfalls wieder auf.

Was ich damals nicht wusste: Dass genau dieser Forscherdrang, diese Naturverbundenheit, diese Tiefe der Wahrnehmung, diese Gleichzeitigkeit von vielen Interessen, die Unfähigkeit, oberflächlich zu bleiben und die Vorliebe für das Entdecken von übergeordneten Zusammenhängen kein Makel war, sondern einfach meiner Wesensart entspricht.

2. Was sich verändert, wenn der Schlüssel passt

Der Begriff allein verändert noch nichts. Aber er öffnet eine Tür.

Hinter dieser Tür liegt keine Erklärung, die alles entschuldigt oder rechtfertigt. Dahinter liegt etwas anderes: die Möglichkeit, das eigene Erleben endlich folgerichtig einzuordnen und das eigene Leben künftig bewusst zu gestalten. Das Nicht-Passen nicht länger als persönliches Versagen zu lesen, sondern als Hinweis auf eine andere Art, die Welt zu verarbeiten. Und in diesem Raum kann etwas entstehen, was vorher noch nicht zugänglich war: echte Selbstakzeptanz.

Selbstakzeptanz ist kein Abschluss und kein Moment, nach dem alles leichter wird. Aber sie ist eine Verschiebung des inneren Maßstabs weg von dem, was andere als normal definieren, hin zu dem, was dem eigenen Nervensystem, dem eigenen Denken, dem eigenen Erleben tatsächlich entspricht.

Und wenn es an der Zeit ist, stellt sich Erleichterung ein und das Gefühl: Der Weg war nicht leicht; weder die Erkenntnis selbst noch das, was ihr folgte. Aber er leitete eine Wende ein, die tatsächlich eine Notwendigkeit war. Und am Ende hat es sich gelohnt.

Als Einstieg in das Thema spät erkannte Hochbegabung empfehle ich gerne das Buch von Andrea Brackmann: Ganz normal hochbegabt. Es enthält sehr authentische Schilderungen von Menschen, die ihre Hochbegabung spät erkannt haben und was es bei ihnen ausgelöst und in ihrem Leben verändert hat. Diese Fallvignetten sind jeweils von der Autorin aus einer fachlichen Perspektive kommentiert.

3. Ein blinder Fleck ist nicht dasselbe wie eine Schwäche

Wenn die Tür erst einmal offen ist, beginnt man zu sehen, was hinter dem blinden Fleck verborgen lag. Zunehmend nicht mehr als Defizit, sondern als Potenzial, das darauf gewartet hat, sich endlich in einem stimmigeren Rahmen entfalten zu können.

Der blinde Fleck schützt zunächst. Er gibt Stabilität und bindet an das Vertraute, solange der eigene Maßstab noch fehlt. Aber er verbirgt auch das, wo das größte Potenzial liegt. Wie bei der Raupe, die irgendwann spürt, dass die Hülle zu eng geworden ist. Nicht weil etwas mit ihr nicht stimmt, sondern weil das, was in ihr wartet, größer ist als der Raum, den sie bisher hatte. Der Schmetterling lebt nicht in der engen Hülle. Er entfaltet sich und entwickelt seine Kraft gerade auch gegen ihren Widerstand, bis der Moment gekommen ist, sie zu verlassen.

Und dieser blinde Fleck war nicht nur meiner, sondern er war auch ein systemischer. Ich hatte in meiner klinischen Arbeit rückblickend schon einige Menschen mit neurodivergenten Profilen, mit weit überdurchschnittlicher Begabung und ausgeprägter Hochsensibilität begleitet, ohne diese Perspektive explizit einzubeziehen. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil dieser Blick im Fach selbst lange kaum verankert war. Noch zu Beginn meiner klinischen Ausbildung galt ADHS als etwas, das sich im Erwachsenenalter verwächst und das Thema Hochbegabung stand im Ausbildungskatalog gar nicht auf der Agenda.

Hochbegabung, Hochsensibilität und transpersonale Aspekte des Menschseins kamen als eigenständige Themen in der Versorgung praktisch nicht vor. Ich stieß in diesem Rahmen immer wieder an Grenzen, die nicht meine eigenen waren, sondern die des Systems.

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4. Wenn Selbstakzeptanz bedeutet, einen Rahmen loszulassen

Die Entscheidung, meinen Kassensitz als ärztliche Psychotherapeutin abzugeben, kam nicht aus einer klaren Erkenntnis heraus. Den blinden Fleck hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig aufgelöst. Ich wusste nur: Ich konnte so nicht mehr weitermachen. Meinen Patientinnen und Patienten ging es in der Arbeit mit mir in der Regel zunehmend besser, und mir ging es im Laufe der Zeit immer schlechter. Lange habe ich das nicht verstanden, denn ich mochte meine Arbeit im Grunde genommen wirklich. Aber ich konnte dort nicht mehr wachsen. Die Haut war zu eng geworden, ohne dass ich damals schon hätte sagen können, was dahinter auf mich wartete.

Die Erkenntnis kam erst später, und mit ihr die Einsicht, dass ich in diesem Rahmen nicht nur meine eigenen Grenzen gespürt hatte, sondern auch die des Systems. Bestimmte Systeme sind strukturell nicht dazu angelegt, bestimmte Tiefen zu halten. Was mich schon zwei Jahrzehnte ebenfalls beschäftigte, die seelisch-geistige Dimension des Menschseins und transpersonale Aspekte des Erlebens, hatte in diesem Rahmen kaum einen Platz. Es bleibt dort randständig und kommt in den Leitlinien nicht vor. Und je klarer mir das wurde, desto deutlicher wurde auch: Was ich für möglich und notwendig halte, lässt sich in diesem Rahmen nicht leben.

Im Rückblick erkannte ich außerdem, wie viele der Menschen, die ich begleitet hatte, selbst neurodivergente Profile trugen, und dass ich ihnen in diesem Rahmen nicht die Tiefe der Begleitung anbieten konnte, die ich für sinnvoll erachtete. Das soll keine Kritik an der Arbeit selbst sein, sondern eine Erkenntnis über die Grenzen des Systems.

5. Wie meine persönlichen Erkenntnisse meine Arbeit prägen

Seit meiner eigenen Erkenntnis begleite ich als Coach und Mentorin noch bewusster als zuvor Menschen mit einer Hochbegabung, Vielbegabung und Hochsensibilität und Überschneidungen mit Merkmalen von ADHS und aus dem Autismus-Spektrum. Das sind in meiner Arbeit keine Randthemen mehr, sondern ich verstehe sie als Kernaspekte, die die eigene Identität und Lebensgestaltung erheblich prägen.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, die passende Entwicklungsbegleitung mühsam zusammensuchen zu müssen. Wenn man sich in einer Begleitung befindet und merkt: Das trifft mich nicht wirklich. Das passt nicht zu der Art, wie ich denke und fühle und die Welt verarbeite. Wenn das Gespräch an der Oberfläche bleibt, weil das Gegenüber die Tiefendimension nicht kennt oder vielleicht auch davor zurückschreckt. Für eine Begleitung braucht es in der Regel ein Gegenüber, das wenigstens ein paar Schritte voraus ist und den Raum für tiefgreifende Veränderungsprozesse wirklich halten kann, und einen Rahmen, der das zulässt.

6. Warum ich diese Blogparade ins Leben gerufen habe

Was dabei immer wieder entlastet, sind Erfahrungsberichte und der Austausch mit anderen Menschen, die teilweise ein ähnliches Erleben kennen. Die Gewissheit: Ich bin mit meinem Erleben nicht allein, und so wie ich die Welt erlebe und Erfahrungen verarbeite, bin ich in Ordnung.

Genau deshalb habe ich zu einer Blogparade eingeladen: Hochbegabt, vielbegabt, hochsensibel, ADHS oder Autismus-Spektrum? Der Schlüssel, der endlich die richtige Tür öffnet. Ich freue mich über jeden Beitrag, der dort eingeht, und über jeden Erkenntnisweg, der sichtbar wird.

Denn hinter blinden Flecken verbirgt sich manchmal auch das, was am kraftvollsten ist. Und es lohnt sich, hinzusehen.

Wie du teilnehmen kannst?
→ Zum Artikel mit dem Blogparaden-Aufruf geht es hier.

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Hochbegabt, vielbegabt, hochsensibel, ADHS oder Autismus-Spektrum? Der Schlüssel, der endlich die richtige Tür öffnete. https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/hochbegabt-vielbegabt-hochsensibel-adhs-oder-autismus-spektrum-blogparade-2026/ https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/hochbegabt-vielbegabt-hochsensibel-adhs-oder-autismus-spektrum-blogparade-2026/#comments Fri, 19 Jun 2026 22:44:00 +0000 Begabung & ND Begabung im Flow https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/hochbegabt-vielbegabt-hochsensibel-adhs-oder-autismus-spektrum-blogparade-2026/ Weiterlesen

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Eine Blogparade vom 16. Juni bis 2. August 2026

Die anderen Kinder waren dir manchmal zu laut. Du hast lieber alleine gespielt, nicht weil du niemanden mochtest, sondern weil du auch mal eine Pause gebraucht hast. In der Schule bist du irgendwann in deine Fantasiewelten abgedriftet, weil der Unterricht dich längst nicht mehr erreicht hat. Hausaufgaben haben keinen Sinn ergeben, weil du das entweder schon verstanden hattest oder manche Dinge dir wie böhmische Dörfer vorkamen, egal wie oft du es versucht hast.

Und im Laufe der Zeit, ohne dass jemand anderes es bemerkt hat, wurde aus der Summe dieser Momente die einsame Frage: Was stimmt mit mir nicht? Warum kann ich nicht einfach so sein wie die anderen?

Manche haben dieses Gefühl vielleicht zunächst auch spirituell eingeordnet: als Zeichen einer bestimmten Seelenqualität, einer besonderen inneren Tiefe, einer Verbindung zu Konzepten, die über das Alltägliche hinausweisen, oder noch ganz anders... Es gibt viele Perspektiven und Zugänge um zu versuchen, sich selbst zu verstehen.

Und dann kam vielleicht noch ein anderer Aspekt hinzu: ein Begriff, ein Halbsatz aus einem Gespräch aufgeschnappt, oder ein Artikel, der elektrisiert hat, und plötzlich hat sich etwas neu sortiert. Hochbegabung, Vielbegabung, Hochsensibilität, ADHS oder Autismus-Spektrum… Im Einzelfall sehr individuell geprägte Varianten dessen, was heute auch unter dem Begriff der Neurodivergenz zusammenfindet. Nicht als ein beliebiges Etikett, sondern wie ein Schlüssel, der endlich eine Tür öffnet, die vorher verschlossen war. Und dahinter liegt nicht nur eine Erklärung oder eine Diagnose, sondern ein Raum, in dem man zum ersten Mal das Gefühl hat: Hier erkenne ich mich wieder.

1. Die Einladung

Ich rufe zu einer Blogparade auf und ich lade dich ein, auf deinem eigenen Blog über deinen Erkenntnisweg zu schreiben; ein authentischer Bericht darüber, welcher Begriff oder welche Erkenntnis bei dir den Schlüssel gedreht hat - und was sich seitdem in deinem Leben verändert hat.

2. Was ist eine Blogparade?

Wenn du Lust hast, über deinen Weg zu berichten und einen eigenen Blog hast, bist du herzlich eingeladen, mitzuschreiben. Du verfasst deinen Artikel auf deiner eigenen Website und verlinkst in der Einleitung auf diesen Beitrag hier, den du gerade liest.

Davon profitieren wir alle: Du schreibst einen Beitrag, den deine Zielgruppe gerne liest. Mehr Menschen finden über deinen Artikel auch zu deinem Blog - und können von den Inhalten auf ihrem eigenen Weg profitieren. Und ich freue mich darauf zu sehen, wie unterschiedlich jede und jeder dieses Thema für sich interpretiert. Der Blogartikel über meinen eigenen Erkenntnisweg findest du hier.

Du hast (noch) keinen Blog? Macht nichts, dann schreibe gerne etwas in den Kommentaren über deinen Weg.

3. Noch keine oder zu viele Ideen?

Ein paar Fragen zur Orientierung, falls du sie brauchst:

  • Wann hast du zum ersten Mal gespürt, dass du nicht ganz in den Rahmen passt, den die Familie oder die Gesellschaft für dich vorgesehen hatten - und den sie offenbar für sich nicht infrage stellen?
  • Auf welche Art und Weise hast du versucht zu verstehen, was da los ist oder wie du mit bestimmten Herausforderungen dein Leben meistern kannst?
  • Welcher Begriff, welche Diagnose oder welches Konzept hat bei dir schließlich etwas erklärt, was du vorher nur gespürt und erahnt hast, aber nie so richtig greifen konntest?
  • Und vor allem: Wie hat diese Einordnung dein Leben seitdem verändert - in deinen Entscheidungen, deinen Beziehungen, deinem Alltag?
  • Was magst du anderen, die gerade an dieser Schwelle stehen, die du schon überschritten hast, vielleicht als Empfehlung mit auf den Weg geben?
  • Welche Form und welche Eigenschaften hat dein Schlüssel - und welche "Vibes" hat der Raum hinter dem Schloss, in dem du dich mittlerweile befindest?

Du musst nicht offiziell diagnostiziert sein und keinen linearen Erkenntnisweg vorweisen. Du bist eingeladen, dein Erleben und deine Erfahrungen zu teilen, wenn du dich wiedererkannt und das Gefühl hast, mehr bei dir selbst angekommen zu sein.

4. So kannst du teilnehmen

  • Schreibe einen Beitrag über das Thema „Hochbegabt, vielbegabt, hochsensibel, ADHS, Autismus-Spektrum? - Der Schlüssel, der endlich die richtige Tür öffnete."
  • Verlinke diesen Aufruf mit der URL dieses Blogartikels in deiner Einleitung.
  • Sobald dein Artikel online ist: Kommentiere hier unter dem Beitrag mit einem kurzen Text und dem Link zu deinem Artikel.
  • Die Blogparade endet am Sonntag, 02.08.2026. Bis dahin kannst du deinen Beitrag hier im Kommentarbereich hinterlassen.
  • Ich lese jeden Beitrag und veröffentliche nach dem 2. August eine Zusammenfassung mit einer Verlinkung aller eingereichten Artikel.

Ich bin neugierig, welche Tür sich bei dir geöffnet hat und wie diese Einsichten dein Leben verändert haben. Schreib es in deinem eigenen Artikel und hinterlasse den Link in den Kommentaren.

Hashtag für Social Media: #SchluesselundSchloss
Laufzeit: 19. Juni bis 2. August 2026.

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So kannst du 2026 mit mir als Coach und Mentorin zusammenarbeiten https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/so-kannst-du-2026-mit-mir-als-coach-und-mentorin-zusammenarbeiten/ https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/so-kannst-du-2026-mit-mir-als-coach-und-mentorin-zusammenarbeiten/#comments Tue, 09 Jun 2026 22:17:00 +0000 Begabung im Flow Begabung & ND https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/so-kannst-du-2026-mit-mir-als-coach-und-mentorin-zusammenarbeiten/ Weiterlesen

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Aktualisiert im Juni 2026

Dieser Artikel ist für alle, die sich fragen: Gibt es da jemanden, der wirklich versteht, wie ich denke, fühle, wahrnehme und der mir Orientierung gibt bei dem, was gerade ansteht? Du bekommst einen Überblick, wie du 2026 mit mir arbeiten kannst: im 1:1, im Gruppenprogramm „Begabung im Flow" oder in einer passenden Kombination aus beidem.

Ich begleite hochbegabte, vielbegabte, hochsensible und neurodivergente Erwachsene dabei, ihre Selbstführung zu stärken, ihre eigene Wahrnehmungs- und Verarbeitungsweise besser zu verstehen und ein Leben zu gestalten, das ihrer Wesensart entspricht.

  • Manche Menschen kommen mit einem konkreten beruflichen Thema. Andere spüren vor allem, dass sie sich selbst neu einordnen möchten. Wieder andere haben schon viel verstanden und merken, dass Verstehen allein noch keine gelebte Veränderung schafft. Was auch immer dich bewegt: Hier findest du, was in 2026 möglich ist.


1. Einzelbegleitung: 1:1-Coaching und Mentoring

Manchmal ist das Gruppenformat (noch) nicht das Richtige: weil das Thema sehr persönlich ist, weil der Rhythmus nicht passt oder weil du lieber im geschützten 1:1-Rahmen arbeitest. Dafür gibt es die Einzelbegleitung.

Wir arbeiten direkt an dem, was dich beschäftigt: Selbstführung, berufliche Orientierung, innere Erschöpfung, der Umgang mit deiner Neurodivergenz in einem Alltag, der dich mehr kostet als er sollte.
Ich arbeite integrativ: Wir beziehen nicht nur den Verstand ein, sondern auch den Körper, die Emotionen, das Nervensystem und die seelisch-geistige Ausrichtung. Weil tiefgreifende Veränderung nur dann nachhaltig wird, wenn sie auf allen Ebenen ankommt.

Rhythmus und Umfang vereinbaren wir passend zu deiner Lebenssituation - online oder in Hannover.

Den Einstieg klären wir im kostenfreien Orientierungsgespräch (siehe unter Punkt 4).
Je nach Anliegen und Bedarf kombiniere ich die Gespräche mit Selbstreflexionsmodulen, die ich individuell für dich zusammenstelle: so entsteht zwischen den Sitzungen ein roter Faden, mit dem du selbständig weiterarbeiten kannst.


2. „Begabung im Flow": das Gruppenprogramm

Das 👉 Gruppenprogramm startet wieder im August 2026. Wenn du schon länger spürst, dass du ein Leben führst, in dem du mehr funktionierst als wirklich lebst,  dann ist dieses Programm für dich.

In 6 Wochen entwickelst du ein inneres Navigationssystem: du lernst, dich zwischen äußeren Anforderungen und deinen eigenen Bedürfnissen verlässlicher zu orientieren, deine Begabungen bewusst einzusetzen und deine nächsten Schritte klarer zu sehen: im Privaten wie im Beruf.

Was dieses Programm von vielen anderen unterscheidet: Es beginnt nicht bei deinen Defiziten, sondern bei deiner Begabung. Die Schwierigkeiten entstehen nicht, weil du zu viel bist,  sondern weil deine Begabung in unpassenden Systemen lebt. Und wenn du wieder spürst, was dir im Innersten entspricht, verändert sich auch dein Weg!

Das Programm ist traumasensibel gestaltet und richtet sich an Menschen mit Hoch- und Vielbegabung, Hochsensibilität und Überschneidungen mit weiteren neurodivergenten Profilen wie ADHS oder dem Autismusspektrum. 

Erkenntnis allein verändert noch nichts. Erleben schon.

Warum in der Gruppe?

Vielbegabte und neurodivergente Menschen erleben im Alltag selten, dass sie mit ihrer Wahrnehmungstiefe, ihrer Geschwindigkeit und ihrer Intensität einfach sein dürfen, ohne sich zu erklären oder sich zurückzunehmen. In der kleinen Gruppe begegnest du Menschen, die ähnlich wahrnehmen und ähnliche Erfahrungen mitbringen. Du erlebst Resonanz statt Rechtfertigung, und Zugehörigkeit, die sich nicht anstrengend anfühlt.

Das ist mehr als ein gutes Gefühl; denn was du in der Gruppe übst: dich zeigen, Grenzen setzen, bei dir bleiben, verändert auch, wie du dich im Alltag und im Beruf bewegst. Die Gruppe wird klar moderiert und du bestimmst selbst, wie viel du teilst.

Die Teilnehmerzahl ist auf 8 Personen begrenzt. Plätze werden in der Reihenfolge verbindlicher Anmeldungen vergeben.

Klingt das wie das, wonach du gesucht hast?

Dann buche dir gerne ein unverbindliches Orientierungsgespräch.

👉 „Begabung im Flow - Ankommen in dir selbst" 


3. Kombination aus Gruppe und Einzelbegleitung

Für manche Menschen ist eine Kombination besonders sinnvoll: Das Gruppenprogramm mit den begleitenden Modulen gibt Struktur, Resonanz und einen gemeinsamen Entwicklungsraum. Einzeltermine ermöglichen zusätzlich, persönliche Themen genauer anzuschauen und konkrete Situationen aus Beruf, Beziehung oder Alltag zu bearbeiten. 

So kann ein Weg entstehen, der sowohl geführt und strukturiert als auch individuell genug ist.


4. So finden wir heraus, ob mein Angebot zu dir passt

Ich arbeite in diesem Angebot als Coach und Mentorin. Ich führe keine Diagnostik und keine Therapie durch. Wenn sich im Orientierungsgespräch oder in der Einstiegssitzung zeigt, dass eine fachärztliche, psychotherapeutische oder testpsychologische Abklärung sinnvoll wäre, kann das ein wichtiger nächster Schritt außerhalb meines Angebots sein. 


4.1. Der erste Schritt: das kostenfreie Orientierungsgespräch

Wenn du noch nicht sicher bist, welches Format im Moment zu dir passt, ist ein Gespräch zum Kennenlernen der sinnvollste erste Schritt. Dieses Gespräch dauert 15 Minuten und dient der Orientierung.

Wir klären kurz, mit welchem Anliegen du kommst, ob mein Coaching- und Mentoringangebot grundsätzlich zu deiner aktuellen Situation passt und welcher nächste Schritt sinnvoll sein könnte.

Dieses Gespräch ersetzt keine ausführliche Beratung und keine Coaching-Sitzung. Eine differenzierte Einordnung deiner persönlichen Situation braucht mehr Raum und findet in einer Einstiegssitzung statt.

👉 Zum kostenfreien Orientierungsgespräch


4.2. Der zweite Schritt: eine Einstiegssitzung

Wenn sich im Orientierungsgespräch zeigt, dass mein Angebot grundsätzlich passen könnte, vereinbaren wir eine Einstiegssitzung.

In dieser Sitzung nehmen wir uns Zeit für eine erste differenzierte Einordnung deiner aktuellen Situation. Wir schauen, welche Themen im Moment im Vordergrund stehen, welche Art von Klärung du brauchst und welcher Rahmen dafür passend wäre.

Es geht dabei noch nicht darum, alles zu lösen oder vollständig zu bearbeiten. Die Einstiegssitzung dient dazu, den roten Faden zu erkennen und eine gute Grundlage für die nächsten Schritte zu schaffen.

Am Ende der Sitzung hast du mehr Klarheit darüber, ob Einzelbegleitung, die Arbeit mit Modulen, eine Gruppe, eine Diagnostik oder ein anderer Weg für dich sinnvoll erscheint.


5. Offene Gruppe „Begabung und Neurodivergenz" in Hannover

Aus der Pilotgruppe des vergangenen Jahres ist ein kleiner Resonanzraum entstanden, der sich weiterhin alle 6 bis 8 Wochen regelmäßig vor Ort in Hannover trifft. Inzwischen ist diese Gruppe auch für Menschen geöffnet, die noch nicht durch das Gruppenprogramm gegangen sind.

Die offene Begabungsgruppe ist kein Ersatz für das strukturierte Programm „Begabung im Flow" und keine Therapiegruppe. Sie bietet einen geschützten Rahmen für Austausch, Resonanz und Begegnung mit anderen hochbegabten, vielbegabten, hochsensiblen oder neurodivergenten Erwachsenen.

Manchmal ist es bereits entlastend, nicht alles erklären zu müssen, sondern auf Menschen zu treffen, die ähnliche Fragen, Wahrnehmungsweisen und berufliche oder persönliche Übergänge kennen.

Wenn du Interesse hast, einmal dazuzukommen, sprich mich gerne im Orientierungsgespräch darauf an.

Ich schreibe regelmäßig über Neurodivergenz, Selbstführung, innere Orientierung und das, was hochbegabte, hochsensible und vielbegabte Menschen wirklich bewegt: als Einladung, dir selbst neu zu begegnen.

Wenn du meine Gedanken und Impulse weiter verfolgen möchtest, kannst du dich gerne in meinen 👉Newsletter eintragen. Dort teile ich Texte, Hinweise zu neuen Angeboten und Einblicke in meine Arbeit rund um Begabung, Neurodivergenz und bewusste Selbstführung.


Titelbild: Sarah Gewecke


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Inhaltsverzeichnis

1. Eine Geschichte, die ich dir schon lange erzählen wollte

2. Synchronizität: ein Konzept, das mehr verdient als ein Lächeln

3. Warum hochsensible Menschen die Risse in der Wirklichkeit sehen

4. Deine innere Ausrichtung: das einzige, worüber wir tatsächlich die Kontrolle haben

5. Geistiges Muskeltraining

6. Und was treibt dich an?


1. Eine Geschichte, die ich dir schon lange erzählen wollte:

Vor zwei Jahren saß ich an einem ganz gewöhnlichen frühen Abend im Wohnzimmer und nahm online an einem Feldenkrais-Webinar teil. Unter Anleitung erkundete ich meinen Hals-Kehlkopf-Bereich, jenen Ort, an dem Stimme entsteht, an dem Ausdruck Form annimmt, an dem so vieles darauf wartet, hörbar und lesbar in die Welt hinausgetragen zu werden. 

Mitten in der Übung tat es neben mir einen dumpfen Schlag. In meiner unmittelbaren Nähe schien etwas umgefallen zu sein. Ich konnte mir keinen Reim darauf machen und schenkte der kleinen Irritation keine weitere Beachtung.

Ich hatte gerade begonnen, meinen eigenen Weg ins Schreiben und in eine neue berufliche Ausrichtung zu finden. In meiner bisherigen Rolle als fachärztliche Psychotherapeutin war mir die Haut zu eng geworden, und ich spürte, dass etwas Neues Raum einforderte, auch wenn ich noch nicht sagen konnte, welche Form es einmal annehmen würde.

Erst spät am Abend stolperte ich im Dunkeln über ein Buch, das vor dem Bücherschrank auf dem Boden lag, genau an jener Stelle, an der zuvor der „Poltergeist” am Werk gewesen war. Es war offenbar im Schrank nach vorne gekippt und irgendwann heruntergefallen. Der Titel: „A Woman’s Voice Is a Revolution.”

Ein Buch über Frauen, die ihre Stimme erheben. Gefallen in dem Moment, in dem ich meinen Kehlkopf erkundete und mit meinem eigenen Ausdruck experimentierte.

Plötzlich wieder glockenhellwach schlug ich es interessiert auf einer beliebigen Seite auf und las die Geschichte einer Frau, die angesichts einer schweren Erkrankung ihr Leben neu zum Erblühen brachte und den Mut fand, sich zu zeigen. Ich schmunzelte. Denn das war nicht der einzige „Hinweis” in dieser Zeit. Wenige Tage zuvor hatte ich erwogen, mir vorübergehend einen Nebenjob als Lektorin zu suchen, und war stattdessen auf der Webseite einer Bestsellerautorin gelandet, die Schreibcoachings anbietet. Ein paar Tage später lernte ich tatsächlich eine Lektorin kennen, die mittlerweile eine Freundin geworden ist. Ich schrieb die Geschichte auf und nahm mir vor, sie zu gegebener Zeit zu teilen. 

Jetzt ist ihre Zeit gekommen: Ich beginne, meine Stimme öffentlich zu erheben, mit dem ersten Newsletter, mit dem Auftakt dieser Blog-Serie, mit dem, was ich seit Jahren in mir trage und bisher nur im geschützten Raum meiner Praxis und meiner Programme gedacht oder gesagt habe. 

Was an diesem Abend geschah, ist eigentlich Teil einer viel größeren Geschichte, die zwei der scharfsinnigsten Forscher des zwanzigsten Jahrhunderts über Jahrzehnte umtrieb...


2. Synchronizität: ein Konzept, das mehr verdient als ein Lächeln

Zürich, 1948. In einem ehrwürdigen Saal versammelten sich an diesem Tag die Gäste zur Gründungsfeier des C.G. Jung Instituts. Es herrschte gedämpftes Stimmengewirr, akademische Würde, das Klingen von Gläsern. In dem Augenblick, in dem ein bestimmter Mann den Saal betrat, fiel eine Porzellanvase neben dem Eingang von ihrem Sockel und zerbrach am Boden, ohne dass jemand sie berührt hatte.

Der Mann hieß Wolfgang Pauli. Nicht weniger als ein Nobelpreisträger der Physik und einer der bedeutendsten theoretischen Physiker des zwanzigsten Jahrhunderts. Sein Lehrer, Albert Einstein, hatte ihn ehrfürchtig seinen „geistigen Erben” genannt. Max Born sagte über ihn, er sei „nur mit Einstein vergleichbar, vielleicht sogar größer”.

Wenn die Sache mit der Vase nun ein Einzelfall gewesen wäre... Doch in Paulis Gegenwart fielen regelmäßig und ohne erkennbare Ursache technische Geräte aus, brachen Maschinen zusammen, gingen Apparate mitten im Experiment kaputt. Unter Physikern war das Phänomen halb amüsiert, halb ehrfürchtig als „Pauli-Effekt” bekannt. Es heißt, der Experimentalphysiker Otto Stern habe Pauli aus diesem Grund irgendwann nicht mehr in sein Labor gelassen, um sicherzustellen, dass die Geräte das Experiment überleben.

An einem anderen Tag saß Pauli im Café Odéon in Zürich am Fenster und blickte hinaus auf die Straße. Sein Blick fiel auf einen geparkten roten Wagen. Im selben Augenblick schlug Feuer aus dem Lack, und das Auto stand in Flammen. Eine Ursache wurde nie festgestellt.

Für Wolfgang Pauli waren das keine Zufälle. Er führte nach außen das Leben des scharfsinnigsten Kritikers seiner Zunft, jenes Mannes, dessen Urteil seine Kollegen fürchteten. Im Verborgenen aber befand er sich nach dem Suizid seiner Mutter und einer gescheiterten Ehe seit Jahren in Analyse bei Carl Gustav Jung. Im Lauf der Zeit übergab er Jung mehr als 1.300 seiner Träume. Jung verwendete dieses Material in mehreren seiner Hauptwerke, ohne die Quelle jemals zu nennen. Generationen von Leserinnen und Lesern studierten daraufhin das Unbewusste, ohne zu ahnen, dass sie in die innere Welt eines Nobelpreisträgers der Physik blickten.

1952 veröffentlichten Jung und Pauli gemeinsam das Buch "Naturerklärung und Psyche". Darin entfaltete Jung seinen Begriff der Synchronizität: das sinnhafte Zusammentreffen eines inneren psychischen Zustands mit einem äußeren Ereignis, ohne dass zwischen beiden eine offenkundige kausale Verbindung besteht. Schon 1930 hatte Jung den Begriff „synchronistisches Prinzip” geprägt, und mehr als zwei Jahrzehnte arbeitete er im engen Austausch mit Pauliweiter daran: Dessen Träume und Einsichten wurden zur stillen Quelle eines ganzen Forschungsfeldes.

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Jungs berühmtestes Beispiel stammt aus seiner therapeutischen Praxis. Eine Patientin erzählte ihm von einem Traum, in dem sie einen goldenen Skarabäus geschenkt bekam. Während sie sprach, klopfte ein Rosenkäfer an das Fenster des Behandlungsraums und drang in das Zimmer. Jung fing das Tier mit der Hand und reichte es der Frau mit den Worten: „Hier ist ihr Skarabäus.” Für ihn war das kein amüsanter Zufall, sondern ein Moment, in dem das Innere und das Äußere in eine bedeutsame Resonanz traten.

Als mein Buch aus dem Regal fiel, kannte ich zwar den Begriff der Synchronizität, aber noch nicht die Entstehungsgeschichten dahinter. Auch bei mir fiel etwas, ohne dass eine äußere Ursache erkennbar gewesen wäre, und es geschah in einem Moment der intensiven, inneren Auseinandersetzung. Was Pauli in Zürich erlebte und was Jung an seinem Schreibtisch beobachtete, scheint sich in kleineren Maßstäben überall zu wiederholen, wo Menschen ihre Aufmerksamkeit bewusst oder unbewusst bündeln.

Doch ohne eine besonders gewichtige Stimme verliert  der ganze Stoff seinen entscheidenden Kontrast: Albert Einstein. Wenige Jahre vor Naturerklärung und Psyche, am 3. März 1947, schrieb Einstein aus Princeton an seinen Kollegen Max Born einen viel zitierten Brief. Darin wischte er die Quantenmechanik in ihrer damals neuen, statistischen Form mit einer berühmt gewordenen Wendung beiseite:

„Ich kann aber deshalb nicht ernsthaft daran glauben, weil die Theorie mit dem Grundsatz unvereinbar ist, daß die Physik eine Wirklichkeit in Zeit und Raum darstellen soll, ohne spukhafte Fernwirkungen.” Mit dem volkstümlichen Wort "spukhaft" verwarf Einstein eine Wirklichkeit, in der zwei Teilchen über große Entfernungen hinweg miteinander verbunden bleiben. 

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Und genau jene Form von Wirklichkeit, die er als Spuk ablehnte, nahm sein erklärter „geistiger Erbe” Pauli mit größter Ernsthaftigkeit zur Kenntnis. Während der Lehrer öffentlich nach einer Welt ohne Geister suchte, beschäftigte sich der Schüler im Verborgenen mit Astrologie und Numerologie, mit der Beziehung zwischen Zahl und Psyche, mit jenen akausalen Zusammenhängen, die heute seinen Namen in den Geschichtsbüchern der Quantenphysik tragen.

Pauli wusste, was er riskierte. Seine Träume drängten ihn, mit seinen Einsichten an die Öffentlichkeit zu gehen. Im Wachzustand wusste er, dass seine Kollegen ihn dafür verspotten würden. Er starb mit nur 58 Jahren, ohne diesen Schritt je gewagt zu haben. Was ihn in seinen letzten Lebensjahren wirklich beschäftigte, davon werde ich in einem späteren Beitrag dieser Serie erzählen, denn es ist eine der berührendsten Geschichten, die ich aus der Wissenschaftsgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts kenne.

Was Jung Synchronizität nannte, hatte für ihn nichts mit magischem Denken zu tun. Er grenzte das Phänomen ausdrücklich von bloßen Koinzidenzen ab, also von kuriosen Häufungen ohne erkennbare tiefere Bedeutung. Was eine Synchronizität ausmacht, ist ihre Verbindung zu einem inneren Prozess, also zu einem Traum, einer Emotion, einer Absicht, einer Phase des Wandels. Die äußere Entsprechung wird dann zum Spiegel, zur Bestätigung, manchmal auch zum Weckruf.

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3. Warum hochsensible Menschen die Risse in der Wirklichkeit sehen

Paulis Geschichte zeigt ein Muster, das mir aus meiner Arbeit mit hochbegabten, vielbegabten und hochsensiblen Menschen sehr vertraut ist: sie nehmen tief wahr,  erspüren Zusammenhänge, die andere nicht sehen, und man traut sich oft nicht, darüber zu sprechen. Pioniere, die es trotzdem taten, wurden durch die Jahrhunderte angegriffen, manche haben mit ihrem Leben bezahlt. Heute geht es eher um den sozialen Tod, um den Verlust von Reputation und Zugehörigkeit, auch das ist schlimm genug. Kein Wunder, dass viele vorsichtig bleiben...

Vermutlich kennst du diese Momente auch. Du denkst an einen Menschen, und kurz darauf meldet er sich. Du ringst mit einer Herausforderung, und eine unerwartete Begegnung bringt genau den Impuls, der gefehlt hat. Viele Menschen quittieren das mit einem erstaunten „Was für ein Zufall” und gehen zur Tagesordnung über. Wenn ich in meiner Arbeit darüber spreche, begegnet mir dagegen fast immer ein Wiedererkennen.

Eine Forschergruppe um Bianca Acevedo und Elaine Aron hat 2025 im Fachjournal Trends in Cognitive Sciences eine Erklärung dafür angeboten. Unser Gehirn sagt in jedem Moment voraus, was als Nächstes kommt, und gleicht diese Vorhersage mit dem ab, was tatsächlich eintrifft. Wenn etwas anders ist als erwartet, entsteht ein Signal, das die Hirnforschung „Vorhersagefehler” nennt. Es ist genau jener Moment, in dem wir stutzen und genauer hinsehen. Hochsensible Gehirne, so die These der Forschergruppe, nehmen diese Signale durchgängig ernster als andere. Was bei den meisten Menschen als Hintergrundrauschen weggefiltert wird, dringt bei ihnen tiefer in die Verarbeitung vor und verbindet sich dort mit Bedeutung. Das ist keine Mystik, sondern Hirnphysiologie.

Und doch haben viele gelernt, genau diese Wahrnehmung zu entwerten. „Du bildest dir das ein.” „Das ist doch bloß Zufall.” „Du interpretierst da etwas hinein.” Wer solche Sätze oft genug gehört hat, beginnt irgendwann, den eigenen feineren Sinnen zu misstrauen. Die Folge ist ein schleichender Verlust an Vertrauen in die eigene Wahrnehmung. Und damit geht etwas verloren, das für die eigene Orientierung im Leben von großem Wert ist.

Wie hartnäckig sich solche Vorannahmen halten, zeigt ausgerechnet Albert Einstein selbst. An seiner Überzeugung, dass es eine spukhafte Fernwirkung nicht geben dürfe, hielt er bis ans Ende seines Lebens fest. Drei Jahrzehnte nach seinem Tod begannen die Experimente von Alain Aspect, John Clauser und Anton Zeilinger ein eindeutiges Ergebnis zu liefern, für das die drei 2022 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurden: Die spukhafte Fernwirkung ist real.


4. Eine bewusste Ausrichtung: das einzige, worüber wir tatsächlich die Kontrolle haben

Ich sage häufig, dass wir über vieles im Leben keine Kontrolle haben, wo wir sie gerne hätten. Aber was wir immer beeinflussen können, ist unsere bewusste Ausrichtung.

Was meine ich damit? Innere Ausrichtung bedeutet, den Blick nach innen zu wenden: zu den Botschaften des Körpers, zum eigenen Erleben und Empfinden, zu den feinen Signalen jenseits der Gedanken. Will ich das wirklich? Fühlt sich das stimmig an? Passt das zu mir?

Es bedeutet, das eigene „Ja” und „Nein” wieder ernst zu nehmen, nicht als willkürlichen Impuls, sondern als Ausdruck einer inneren Klarheit, die Früchte trägt, wenn nach und nach in unserem Leben Form annimmt, was wirklich zu uns passt.

Doch der Beobachter empfängt nicht nur, er sendet auch. In Paulis Gegenwart fielen so regelmäßig Geräte aus, dass das Phänomen unter Physikern einen eigenen Namen bekam, den „Pauli-Effekt”. Pauli selbst war überzeugt, dass dieser Effekt real war. In einem Brief an Niels Bohr formulierte Pauli 1955 dieselbe Überzeugung in der Sprache seiner eigenen Disziplin: Der Beobachter in der Quantenphysik ist kein bloßer Zuschauer mehr, sondern steht in einer aktiven Beziehung zu den Ereignissen um ihn herum. 

Aus der hawaiianischen Huna-Tradition stammt ein Satz, der dieselbe Einsicht in eine ganz alltägliche Sprache fasst: Energy flows where attention goes. Wo die Aufmerksamkeit hinwandert, fließt die Energie.

Beides zusammen, das feinere Empfangen und das gerichtete Senden, entscheidet darüber, ob Synchronizität im eigenen Leben spürbar wird. Selbst Menschen mit feiner Wahrnehmung erleben diese Momente nicht automatisch. Wer im Dauerstress lebt, in innerer Zerrissenheit, im permanenten Grübeln, kann tausend feine Signale empfangen und seine Aufmerksamkeit ist so zersplittert, dass sie nichts mehr bündelt. Empfang und Ausstrahlung sind nicht harmonisch.

Sich bewusst auszurichten bedeutet, zu wissen und zu spüren, wo wir im Leben hinwollen.

Diese Klarheit entsteht selten allein durch Denken. Sie wird über den Körper zugänglich: über bewusste Entschleunigung, über den Atem als Anker, über das Hineinspüren in das, was gerade ist. Deshalb arbeite ich in meiner Begleitung nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit dem Körper und dem Nervensystem. Denn Verstehen allein reicht meistens nicht aus, damit günstige Fügungen entstehen. Klarheit und die Sicherheit in Entscheidungen entstehen erst, wenn sie von innen heraus erspürt werden. Sonst bleibt ein unterschwelliges Gefühl von Unsicherheit, das lähmt, und der Kopf dreht sich im Kreis, statt Orientierung zu finden.

Meine persönliche Erfahrung zeigt, was passieren kann, wenn diese Ausrichtung zwischen innen und außen stimmt. Ich hatte eine klare Absicht: Schreiben, meine Stimme finden, eine neue berufliche Richtung einschlagen. Ich war in der Feldenkreissitzung innerlich aufgeräumt genug, um klare Signale auszusenden und die Antworten wahrzunehmen, statt sie wegzurationalisieren.

Das ist natürlich noch kein harter Beweis im naturwissenschaftlichen Sinn. Aber es ist eine gelebte Erfahrung, die Jung vermutlich als Synchronizität beschrieben hätte: ein innerer Prozess, der mit äußeren Ereignissen in eine sinnhafte Resonanz tritt. Nicht weil man es sich einfach „herbeiwünscht”, sondern weil die innere Ausrichtung mit der eigenen energetischen Signatur einen Raum öffnet, in dem solche Resonanzen überhaupt erst entstehen, wahrgenommen und genutzt werden können.

5. Geistiges Muskeltraining

Sich mit der eigenen inneren Ausrichtung zu verbinden, ist nichts, was man einmal macht und dann abhaken kann. Es ist eher wie ein Muskeltraining: sich mit bestimmten, möglichst spielerischen Werkzeugen immer wieder bewusst in die eigene Spur zurückbringen, statt sich im Grübeln oder Zweifeln zu verlieren.

Das braucht anfangs Anleitung und später regelmäßiges Üben. Auch ich ertappe mich noch immer wieder dabei, wie alte Muster mich von meiner Spur abbringen wollen. Genau das ist auch ein Teil der Arbeit, die ich in meinen Programmen tue: die eigene Vision klarer spüren, die eigene Bestimmung und Berufung ernst nehmen, statt sich an fremden Maßstäben zu messen.

Und aus dieser inneren Klarheit heraus wird dann oft ganz organisch spürbar, was die nächsten Schritte sind, beruflich und persönlich, ohne dass man sich dazu zwingen muss.

Napoleon Hill, der vor knapp hundert Jahren die Gesetzmäßigkeiten des Erfolges erforschte, brachte es auf den Punkt:

„Gewöhnlich macht die Welt Platz für Menschen, deren Worte und Taten zeigen, wo sie hinwollen.”

6. Und was treibt dich an?

Lebst du dein Leben schon so, wie du es möchtest? Was willst du in die Welt hinaustragen, und wofür wünschst du dir Rückenwind?

Ist dir beim Lesen  eine eigene Geschichte eingefallen? Ein Moment, in dem sich etwas auf eine Weise gefügt hat, die du nicht erklären konntest, die sich aber zutiefst stimmig angefühlt hat. Hast du das Ereignis damals als Zufall abgetan, oder erinnerst du ihn noch dankbar und würdigst es als Geschenk und als etwas, was du Kraft deiner inneren Ausrichtung selber in Bewegung gebracht hast?

Die Phänomene, welche die Wirklichkeit größer erscheinen lassen, als es unser Alltagsbewusstsein für möglich hält, brauchen Menschen, die ihnen Gehör schenken und ihnen eine Stimme leihen, statt sie als Spuk abzutun. 

Vertraue diesen Hinweisen! Nicht blind, aber mit der gleichen Ernsthaftigkeit, mit der Jung und Pauli sich diesem Phänomen gewidmet haben. Denn die Kraft deiner Ausrichtung und deine feine Wahrnehmung sind kein Fehler, sondern eine Ressource.

Wenn du magst, freue ich mich  sehr, wenn du auch eine solche magische Erfahrung gemacht hast und sie hier in den Kommentaren teilst!

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Flow, Hyperfocus und Selbstvergessenheit: Warum ihre Unterscheidung für neurodivergente Menschen entscheidend ist https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/flow-hyperfocus-und-selbstvergessenheit-warum-ihre-unterscheidung-fuer-neurodivergente-menschen-entscheidend-ist/ https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/flow-hyperfocus-und-selbstvergessenheit-warum-ihre-unterscheidung-fuer-neurodivergente-menschen-entscheidend-ist/#comments Mon, 30 Mar 2026 12:23:00 +0000 Begabung & ND Praxiswissen https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/flow-hyperfocus-und-selbstvergessenheit-warum-ihre-unterscheidung-fuer-neurodivergente-menschen-entscheidend-ist/ Weiterlesen

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Die Uhrzeit wird unwichtig, das Selbst-Bewusstsein tritt zurück, und für eine Weile gibt es nur noch das, was gerade geschieht: die meisten Menschen und natürlich auch hochbegabte, vielbegabte, sehr kreative, hochsensible und neurodivergente Menschen kennen die Erfahrung, in einer Tätigkeit so aufzugehen, dass die Außenwelt vorübergehend verschwindet.

Dieses Erleben wird je nach Kontext unterschiedlich benannt: als Flow, als Hyperfocus oder - in der Persönlichkeitspsychologie - als Phänomen der Selbstvergessenheit. Auf der Oberfläche scheinen diese Zustände einander zum Verwechseln ähnlich. Darunter aber unterscheiden sie sich jedoch grundlegend: in ihrem Ursprung, in ihrer Steuerbarkeit und in ihrer Auswirkung auf das eigene Leben.

Wer diese Unterschiede nicht kennt, kann schwer einordnen, was gerade passiert: Bin ich im Flow - oder bin ich im Hyperfocus gefangen? Ist das, was ich erlebe, eine Stärke, die ich nutzen kann oder ein Muster, das mich erschöpft? Und was hat das alles mit meiner Persönlichkeit zu tun?

Dieser Artikel beschreibt die drei Phänomene, ordnet sie wissenschaftlich ein und zeigt, warum ihre Unterscheidung gerade für neurodivergente Menschen ein Schlüssel zur Selbstführung sein kann.

1. Flow: Die mühelose Kontrolle

Der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi beschrieb Flow erstmals 1975 als einen Zustand optimalen Erlebens, in dem eine Person so in eine Tätigkeit vertieft ist, dass alles andere zurücktritt. Er befragte in seinen frühen Studien unter anderem Felsenkletterer, Schachspieler, Tänzer und Komponisten und fand in ihren Berichten ein wiederkehrendes Muster.  Konzentration, ein verändertes Zeiterleben, das Verschmelzen von Handlung und Bewusstsein und das Zurücktreten des Selbst-Bewusstseins. In späteren Arbeiten erweiterte er die Untersuchung auf Chirurgen, Wissenschaftler, Musiker und weitere Berufsgruppen und bestätigte dabei dieselben Kernmerkmale.

Im Laufe der Forschung wurden neun Merkmale des Flow-Zustands identifiziert: klare Ziele, unmittelbares Feedback, eine Balance zwischen den Anforderungen der Aufgabe und den eigenen Fähigkeiten, das Verschmelzen von Handlung und Bewusstsein, vollständige Konzentration auf die aktuelle Tätigkeit, ein Gefühl müheloser Kontrolle, das Zurücktreten des Selbstbewusstseins, ein verändertes Zeiterleben und die sogenannte autotelische Qualität, was bedeutet, dass die Tätigkeit um ihrer selbst willen ausgeübt wird und nicht primär der Erfüllung eines äußeren Zwecks dient. Die ersten drei Merkmale werden in der Forschung häufig als Vorbedingungen für Flow diskutiert, die übrigen sechs als erfahrungsbezogene Dimensionen des Zustands selbst.

Flow ist nicht willentlich herbeiführbar. Er entsteht, wenn bestimmte Bedingungen zusammenkommen: eine Expertise, ein passendes Anforderungsniveau und die Bereitschaft, die bewusste Kontrolle loszulassen. Eine Neuroimaging-Studie von Rosen und Kounios aus dem Jahr 2024 zeigte im Kontext der Untersuchung von Musikern während einer Jazz-Improvisation, dass ein kreativer Flow mit einer Reduktion der Aktivität in den Gyri frontales superiores einhergeht, einer exekutiven Kontrollregion im Frontallappen. Dieses Phänomen wird als transiente Hypofrontalität bezeichnet. Bei erfahrenen Musikern zeigte sich zusätzlich eine reduzierte Aktivität in posterioren Knoten des sogenannten Default-Mode-Netzwerks, was darauf hindeutet, dass auch die innere Selbstreferenz im Flow zurücktritt. Ein Flowzustand fühlt sich also kontrolliert an, entsteht aber paradoxerweise gerade dann, wenn die bewusste Steuerung nachlässt und ein durch Übung aufgebautes neuronales Netzwerk die Führung übernimmt.

Trotz ihrer breiten Akzeptanz ist die Flow-Forschung mit erheblichen methodischen Herausforderungen konfrontiert. In einem Review wurde festgestellt, dass Flow in 42 untersuchten Studien auf 24 verschiedene Weisen operationalisiert wurde. Das bedeutet, dass es noch keine einheitliche Definition dessen gibt, was genau gemessen wird. 

Swann und Kollegen haben argumentiert, dass Csikszentmihalyis Originalarbeit besser als deskriptives Modell denn als erklärende Theorie zu charakterisieren ist: Die neun Dimensionen beschreiben, wie sich Flow anfühlt und unter welchen Bedingungen er auftritt, aber sie erklären nicht den Mechanismus, durch den beispielsweise eine bestimmte Balance zwischen Anforderung und Kompetenz dazu führt, dass Handlung und Bewusstsein verschmelzen oder das Selbst-Bewusstsein zurücktritt. Das Modell ist phänomenologisch überzeugend, aber mechanistisch noch nicht untermauert. Für die Praxis bedeutet das: Flow ist ein reales und gut dokumentiertes Phänomen, aber die populäre Vorstellung, man könne ihn einfach „anschalten", ist ein Mythos.

2. Hyperfocus: Die Aufmerksamkeit, die einen nicht loslässt

Hyperfocus beschreibt einen Zustand intensiver, anhaltender Konzentration auf eine Aufgabe oder ein Interesse, bei dem äußere Reize ausgeblendet werden und das Zeitgefühl verloren geht. Man könnte also meinen, es handele sich ebenfalls um einen Zustand im Flow. Und tatsächlich teilen die beiden Zustände phänomenologische Merkmale. Unter der Oberfläche aber unterscheiden sie sich in einem entscheidenden Punkt: der Steuerbarkeit.

Im Flow wird das Erleben als mühelose Kontrolle beschrieben; d.h. die Person fühlt sich in der Tätigkeit aufgehoben, aber nicht unwillentlich eingenommen. Im Hyperfocus hingegen wird die Aufmerksamkeit eher vom Reiz gelenkt als bewusst gerichtet. Viele Betroffene beschreiben das Gefühl, „gefangen" zu sein: sie können nicht so einfach aufhören, obwohl sie wissen, dass sie etwas anderes tun sollten. Der Ausstieg ist deutlich erschwert, und nach dem Hyperfocus folgt häufig ein Einbruch in Energie und Stimmung.

Ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass der Hyperfocus ein ADHS-spezifisches Phänomen sei. Die Forschungslage zeigt ein differenzierteres Bild. Groen und Kollegen konnten 2020 in einer kontrollierten Studie keine höhere Häufigkeit von Hyperfocus bei Erwachsenen mit ADHS im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen nachweisen! Hyperfocus ist zwar  positiv mit ADHS-Merkmalen korreliert und wird bei ADHS, Autismus und Schizophrenie häufig berichtet, ist aber kein diagnostisches Kriterium und tritt auch in der Allgemeinbevölkerung auf. Eine der führenden Übersichtsarbeiten zu diesem Thema (Ashinoff und Abu-Akel, 2021), trägt den bezeichnenden Titel „Hyperfocus: The Forgotten Frontier of Attention”, was unterstreicht, wie wenig systematisch erforscht dieses Phänomen noch ist.

Was den zugrunde liegenden Mechanismus betrifft, wird der Hyperfocus häufig mit einer veränderten Dopaminregulation in Verbindung gebracht. Die Hypothese ist plausibel: Dopamin reguliert die Motivation und das Belohnungserleben, und bei ADHS gibt es Hinweise auf eine veränderte Dopaminverfügbarkeit. Allerdings ist dieser Zusammenhang nicht direkt für Hyperfocus-Episoden experimentell belegt, und eine umfassende Bewertung der Dopamin-Hypothese für ADHS insgesamt zeigt nach über 40 Jahren Forschung sowohl stützende als auch widersprechende Befunde.

In ihrer operationalen Definition schlagen die Autoren vier Kriterien für Hyperfocus vor: 

1. Die Aufgabe muss interessant und motivierend sein.

2. Die Fokussierung der Aufmerksamkeit ist intensiv und anhaltend.

3. Von der Aufgabe unabhängige Reize werden nicht bewusst wahrgenommen.

4. Die Aufgabenleistung verbessert sich. 

Bemerkenswert ist, dass die in der klinischen Literatur häufig beschriebene Schwierigkeit, den Zustand zu beenden, nicht zu diesen Kriterien gehört. Ashinoff und Abu-Akel gehen sogar so weit, Flow und Hyperfocus als möglicherweise identische Phänomene zu betrachten. Die klinische Erfahrung, insbesondere im Kontext von ADHS, zeichnet jedoch ein anderes Bild: Das, was viele Betroffene als das Gefühl beschreiben, „eingenommen” zu sein und nicht aufhören zu können, obwohl sie es wollen, ist ein zentrales Unterscheidungsmerkmal, das in Laborstudien schwer abzubilden ist, für die Selbstführung aber entscheidend.

Cortese und Kollegen haben 2025 in World Psychiatry vorgeschlagen, ADHS besser als Aufmerksamkeits-Dysregulationsstörung zu verstehen und nicht als Aufmerksamkeitsdefizit. Aus dieser Perspektive ist der Hyperfocus nicht das Gegenteil der ADHS-Symptomatik, sondern ein Ausdruck derselben zugrunde liegenden Regulationsschwierigkeit: Die Person kann Aufmerksamkeit nicht flexibel einsetzen, sondern wird von besonders stimulierenden Reizen angezogen und kann sich von denen nur schwer lösen.

3. Selbstvergessenheit: Ein Persönlichkeitszug, kein Zustand

Während Flow und Hyperfocus situative Zustände beschreiben: zeitlich begrenzte Erfahrungen, die unter bestimmten Bedingungen auftreten, beschreibt Selbstvergessenheit (Self-Forgetfulness) etwas anderes: einen stabilen Persönlichkeitszug.

C. Robert Cloninger hat Selbstvergessenheit als erste Subdimension der Selbsttranszendenz in sein psychobiologisches Persönlichkeitsmodell aufgenommen, das im Temperament and Character Inventory (TCI) erhoben wird. Sie beschreibt die Fähigkeit, im Erleben so aufzugehen, dass die Grenze zwischen Selbst und Erfahrung vorübergehend durchlässig wird: ein Zustand absorbierter Gegenwärtigkeit, der über gewöhnliche Konzentration hinausgeht.

In Cloningers Modell ist Selbstvergessenheit die Grundlage, auf der die beiden weitergehenden Subdimensionen der Selbsttranszendenz aufbauen: die transpersonale Identifikation (das Erleben von Verbundenheit mit der Natur, der Menschheit oder dem Universum) und die spirituelle Akzeptanz (die Offenheit für Phänomene, die sich nicht vollständig rational erklären lassen).

Der entscheidende Unterschied zu Flow und Hyperfocus: Selbstvergessenheit beschreibt nicht das Auftreten eines bestimmten Zustands, sondern die Disposition: wie leicht jemand die Schwelle zu solchen Absorptionszuständen überschreitet. Forschungen haben gezeigt, dass Menschen mit einer hohen Fähigkeit zur Selbsttranszendenz leichter in Flow-Zustände, meditative Erfahrungen und in die Identifikation mit anderen Menschen, der Natur und in sakrale Phänomene eintreten.

Das macht Selbstvergessenheit zu einer Art Zugangsdimension: Sie bestimmt nicht, wohin die Absorption führt, sondern wie leicht der Zugang dorthin ist. Ob das Ergebnis ein produktiver Flow, ein erschöpfender Hyperfocus oder eine tiefe kontemplative Erfahrung wird, hängt von anderen Faktoren ab.

4. Wo die drei Phänomene sich überschneiden und worin sie sich unterscheiden

Alle drei Phänomene teilen als Kernmerkmal das vorübergehende Zurücktreten der gewohnten Selbstreferenz. Ob im Flow, im Hyperfocus oder bei dem Merkmal der erleichterten Selbstvergessenheit: die Ich-Grenze wird für eine gewisse Zeit durchlässig, die übliche Selbstbeobachtung tritt in den Hintergrund, und die Person geht in ihrem Erleben auf.

Flow Hyperfokus und Selbstvergessenheit 2

Dennoch sind die Unterschiede sind erheblich:

Flow entsteht unter spezifischen Bedingungen (Anforderungs-Kompetenz-Balance, Expertise, Loslassen bewusster Kontrolle), wird als mühelose Kontrolle erlebt und ist intrinsisch belohnend. Er ist nicht willentlich herbeiführbar, aber die Bedingungen, unter denen er entsteht, lassen sich gestalten.

Der Hyperfocus wird eher von einem Reiz ausgelöst als bewusst gewählt, ist schwer zu unterbrechen und ist nicht an eine Balance von Anforderung und Kompetenz gebunden. Er ist nicht ADHS-spezifisch, tritt aber häufig bei neurodivergenten Profilen auf und korreliert mit ADHS-Traits. Die zugrunde liegenden Mechanismen sind noch nicht abschließend geklärt.

Selbstvergessenheit ist kein Zustand, sondern ein stabiler Persönlichkeitszug, der die Schwelle zu Absorptionszuständen insgesamt senkt. Sie ist die erste Subdimension der Selbsttranszendenz nach Cloninger und bildet die Grundlage für weitergehende transpersonale und spirituelle Erfahrungen.

5. Kommt Selbsttranszendenz bei neurodivergenten Menschen häufiger vor?

Eine naheliegende Frage ist, ob hochbegabte, hochsensible und neurodivergente Menschen tatsächlich höhere Selbsttranszendenz-Werte aufweisen als die Allgemeinbevölkerung. Die Forschungslage dazu ist interessant, aber uneinheitlich.

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Für ADHS gibt es einzelne TCI*-Studien, die erhöhte Selbsttranszendenz-Werte fanden - etwa Faraone und Kollegen, die bei Erwachsenen mit ADHS neben einem hohem Novelty Seeking auch höhere Werte bezüglich der Selbsttranszendenz beobachteten, wobei diese mit hyperaktiven Symptomen korrelierten. Andere Studien hingegen fanden keinen signifikanten Unterschied in der Selbsttranszendenz zwischen ADHS-Betroffenen und Kontrollen. Die Ergebnisse sind also nicht konsistent.

Für Autismus zeigen mehrere TCI-Studien ebenfalls erhöhte Selbsttranszendenz-Werte. Allerdings wird in der Fachliteratur diskutiert, ob diese hohen Werte tatsächlich ein transpersonales Erleben abbilden oder eher die Tendenz zu ungewöhnlichen, idiosynkratischen Antwortmustern widerspiegeln, die bei Menschen mit ASS vorkommen können. Die Interpretation ist also nicht eindeutig.

Für Hochbegabung gibt es nach aktuellem Stand keine Studie, die spezifisch TCI-Selbsttranszendenz bei hochbegabten Erwachsenen untersucht hat. Allerdings ist anerkannt, dass Offenheit für neue Erfahrungen (Openness to Experience) die einzige der fünf großen Persönlichkeitsdimensionen ist, in der sich hochbegabte Menschen signifikant von der Allgemeinbevölkerung unterscheiden. Das zeigte eine Metaanalyse von Ogurlu und Özbey (2021). In keiner der anderen vier Dimensionen zeigten sich konsistente Unterschiede. Und Selbsttranszendenz nach Cloninger korreliert ihrerseits positiv mit Openness, so dass eine Verbindung plausibel, aber empirisch noch nicht direkt belegt ist.

Für Hochsensibilität (Sensory Processing Sensitivity nach Aron) existiert ebenfalls keine direkte Korrelation mit dem TCI-Selbsttranszendenz-Wert. Auch hier zeigt sich jedoch eine positive Korrelation mit Openness,  insbesondere in der ästhetischen Sensitivitätskomponente der Hochsensibilität (Lionetti et al., 2018; Smolewska et al., 2006). Daneben korreliert Hochsensibilität anders als die Hochbegabung noch stärker und konsistenter mit Neurotizismus, was zeigt, dass die erhöhte Verarbeitungstiefe sowohl eine Ressource als auch eine Vulnerabilität darstellen kann. Experimentelle Studien zeigen zudem, dass hochsensible Menschen häufiger mystische und veränderte Bewusstseinszustände erleben. Auch hier ist die Verbindung zur Selbsttranszendenz plausibel, aber indirekt.

Interessanterweise ergibt sich damit ein gemeinsames Muster: Sowohl bei Hochbegabung als auch bei Hochsensibilität ist Openness die Persönlichkeitsdimension, die am deutlichsten hervortritt, und Openness korreliert positiv mit Selbsttranszendenz nach Cloninger. Openness könnte damit der gemeinsame Nenner sein, auf dem sowohl Flow-Zustände als auch die Fähigkeit zur Selbstvergessenheit leichter entstehen, auch wenn die direkten empirischen Verbindungen noch ausstehen.

Was ich in meiner Praxis beobachte, deckt sich mit diesen Hinweisen, geht aber über das hinaus, was die Forschung bisher belegen kann: Viele hochbegabte, hochsensible und neurodivergente Erwachsene bringen eine ausgeprägte Fähigkeit zur tiefen Absorption und zum Aufgehen in Erfahrungen mit, eine Disposition, die Cloninger als Selbstvergessenheit beschreiben würde. Ob sie in diesen Gruppen tatsächlich systematisch häufiger vorkommt, bleibt eine offene Forschungsfrage.​​​​​​​​​​​​​​​​

*Temperament-und-Charakter-Inventar

6. Warum diese Unterscheidung für die Selbstführung relevant ist

Was sich hingegen klar sagen lässt: Wer diese Absorptionsfähigkeit in sich trägt, profitiert davon, die drei Phänomene unterscheiden zu können.  Ob jemand gerade im Flow ist, im Hyperfocus gefangen oder aus einer hohen Selbstvergessenheit heraus in einer Erfahrung aufgeht, macht einen erheblichen Unterschied für den Umgang damit.

Wer erkennt, dass der erschöpfende Zustand, aus dem man abends nicht herausfindet, ein eher einem Hyperfocus entspricht  und keinem Flow, kann beginnen, anders damit umzugehen. Wer versteht, dass die eigene Fähigkeit, tief in Erfahrungen einzutauchen, ein messbarer Persönlichkeitszug im Sinne der Selbstvergessenheit nach Cloninger ist, kann aufhören, sich dafür zu schämen, und anfangen, sie als Ressource zu begreifen. 

Flow-Zustände lassen sich nicht erzwingen, aber die Bedingungen, unter denen sie entstehen, lassen sich bewusst gestalten. Aus der Forschung wissen wir, dass drei der neun Flow-Merkmale als Vorbedingungen fungieren: klare Ziele, unmittelbares Feedback und eine angemessene Balance zwischen der Anforderung und den eigenen Fähigkeiten. Wer diese drei Faktoren in einer Tätigkeit gezielt herstellt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Flow sich einstellt.

Beispielsweise hat der Psychologe und professionelle Geiger Andreas Burzik für Musiker und Musikpädagogen eine Methode entwickelt, die er “Üben im Flow” nennt. Sie verbindet vier Prinzipien: einen bewussten Körperkontakt zum Instrument, das Erzeugen eines als wohltuend empfundenen Klangs, das Bewahren von Anstrengungslosigkeit und einen spielerischen Umgang mit dem musikalischen Material. Der Musiker wartet dabei nicht darauf, dass sich ein Flow-Zustand zufällig einstellt. Vielmehr werden zu Beginn jeder Übungssequenz bewusst die sensorischen Bedingungen geschaffen, unter denen die bewusste Steuerung zurücktreten und das implizite Körperwissen die Führung übernehmen kann. Das Üben und das Musizieren sind dann nicht mehr getrennt, sondern verschmelzen in einer von den Sinnen geleiteten Entdeckungsreise.

Die Methode illustriert damit auf praktischer Ebene genau den Mechanismus, den Rosen und Kounios (2024) neurobiologisch beschrieben haben: Durch umfangreiche Übung baut das Gehirn ein spezialisiertes Netzwerk auf, das die gewünschte Art von Handlungen automatisch erzeugen kann. Erst wenn dieses Netzwerk hinreichend ausgebildet ist und die bewusste Kontrolle zurücktritt, wird der Weg in den Flow frei.

Während sich die Bedingungen für Flow gestalten lassen, stellt sich beim Hyperfocus eine andere Frage: Wie findet man wieder heraus, wenn man darin gefangen ist? Weil der Hyperfocus die Selbstwahrnehmung einschränkt, setzen die wirksamsten Strategien nicht auf Willenskraft, sondern auf externe Signale und vorher getroffene Vereinbarungen. Timer, Vibrationsalarme oder automatische Bildschirmpausen können den Zustand so weit unterbrechen, dass ein bewusster Entscheidungspunkt entsteht. Ebenso hilfreich ist die Verabredung mit einer anderen Person, die zu einem vereinbarten Zeitpunkt eingreift, wenn der eigene Ausstieg nicht gelingt.

Mindestens ebenso wichtig ist die Prävention: Wer die eigenen Hyperfocus-Muster kennt, also weiß, zu welchen Tageszeiten und durch welche Reize sie typischerweise ausgelöst werden, kann im Voraus Grenzen setzen, statt sie im Zustand selbst durchsetzen zu müssen. Viele Menschen, die zum Hyperfocus neigen, berichten zudem von einer verminderten interozeptiven Wahrnehmung während dieser Phasen: Hunger, Durst und Müdigkeit werden nicht registriert, bis der Zustand zusammenbricht und die Erschöpfung plötzlich da ist. Auch deshalb ist es sinnvoll, körperliche Grundversorgung wie Mahlzeiten und Pausen als feste Struktur in den Tag einzubauen und nicht davon abhängig zu machen, ob man gerade „daran denkt”.

Cloningers Forschung zur Selbsttranszendenz zeigt dabei einen entscheidenden Zusammenhang: Selbsttranszendenz und damit auch Selbstvergessenheit wird erst in Kombination mit einer guten Selbstführung (Self-Directedness) zu einer Ressource für Resilienz und Wohlbefinden. Eine hohe Transzendenzfähigkeit und entsprechende spirituelle Praktiken ohne eine reife Selbstführung und Erdung kann auch destabilisierende Auswirkungen haben und dazu führen, nicht fest im Leben zu stehen. Erst das Zusammenspiel beider Dimensionen macht die Intensität tragfähig.

Genau an dieser Schnittstelle setzt meine Arbeit an: die Verbindung zwischen dem, was in einem Menschen an Absorptions- und Transzendenzfähigkeit angelegt ist, und einer reifen Selbstführung, die es ermöglicht, diese Anlagen als Ressourcen bewusst zu nutzen, statt ihnen ausgeliefert zu sein. Das Ankommen bei sich selbst, das Anknüpfen an die eigenen Fähigkeiten und die unverwechselbare Wesensart sind eine Voraussetzung dafür, sich selber passende Rahmenbedingungen für ein erfülltes Leben zu schaffen.

Am 16. April 2026 startet das 6-wöchige Gruppenprogramm „Begabung im Flow - Ankommen in dir selbst" mit acht Plätzen. Anmeldung bis zum 15. April.

Quellenverzeichnis

Ashinoff, B. K. & Abu-Akel, A. (2021). Hyperfocus: The Forgotten Frontier of Attention. Psychological Research, 85(1), 1–19.

Cloninger, C. R., Svrakic, D. M. & Przybeck, T. R. (1993). A Psychobiological Model of Temperament and Character. Archives of General Psychiatry, 50, 975–990.

Cortese, S. et al. (2025). Attention-deficit/hyperactivity disorder (ADHD) in adults: evidence base, uncertainties and controversies. World Psychiatry, doi: 10.1002/wps.21374.

Csikszentmihalyi, M. (1975). Beyond Boredom and Anxiety. San Francisco: Jossey-Bass.

Faraone, S. V. et al. (2009). Personality traits among ADHD adults: implications of late-onset and subthreshold diagnoses. Psychological Medicine, 39(4), 685–693.

Farrokh, D. et al. (2024). Why isn't flow flowing? Metatheoretical issues in explanations of flow. Consciousness and Cognition, doi: 10.1177/09593543241237492.

Garcia, D., Rosenberg, P., Lester, N., Cloninger, K. M. & Cloninger, C. R. (2020). Self-Transcendence. In: V. Zeigler-Hill & T. K. Shackelford (Eds.), Encyclopedia of Personality and Individual Differences. Springer.

Groen, Y. et al. (2020). Testing the relation between ADHD and hyperfocus experiences. Research in Developmental Disabilities, 107, 103789.

Hupfeld, K. E. et al. (2024). Validation of the dispositional adult hyperfocus questionnaire (AHQ-D). Scientific Reports, 14, 19460.

Kerekes, N. et al. (2022). Autism spectrum disorder and personality disorders: Comorbidity and differential diagnosis. World Journal of Psychiatry, 12(1), 24–43.

Lojak, M. et al. (2022). High Sensitivity: Factor structure of the highly sensitive person scale and personality traits in a high and low sensitivity group. Scandinavian Journal of Psychology, 63(6), 571–581.

MacDonald, H. J. et al. (2024). The dopamine hypothesis for ADHD: An evaluation of evidence accumulated from human studies and animal models. Frontiers in Psychiatry, 15, 1492126.

Parvizi-Wayne, D. et al. (2024). Forgetting ourselves in flow: An active inference account of flow states and how we experience ourselves within them. Frontiers in Psychology, 15, 1354719.

Rosen, D. et al. (2024). Creative flow as optimized processing: Evidence from brain oscillations during jazz improvisations by expert and non-expert musicians. Neuropsychologia, doi: 10.1016/j.neuropsychologia.2024.108833.

Swann, C. et al. (2018). A systematic review of the experience, occurrence, and controllability of flow states in elite sport. Psychology of Sport and Exercise, 35, 1–13.

Titelbild: Sarah Gewecke


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„Was hinter uns liegt und was vor uns liegt, sind Kleinigkeiten im Vergleich zu dem, was in uns liegt.” (Ralph Waldo Emerson)

Du ahnst, dass auch in dir etwas anklopft, das gesehen und gestaltet werden möchte? Am 16.04.26 startet "Begabung im Flow - Ankommen in dir selbst". Hier findest du alle Infos.







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1. Die Midlife-Krise: ein ungeliebtes Tal in der Lebensmitte

Es gibt eine Lebensphase, die sich meistens nicht dramatisch ankündigt. Ohne ein großes Ereignis oder Pauken und Trompeten, sondern eher schleichend: Du machst weiter wie gewohnt, bist verlässlich, hast vieles im Griff und wirkst nach außen hin stark– und trotzdem spürst du, dass sich etwas verändert. Das ständige Funktionieren kostet mehr Energie als früher. Entscheidungen werden zäher, Freude und Lebendigkeit haben ihren Glanz verloren. Und irgendwo darunter beginnt sie sich zu melden: die Frage nach Erfüllung und dem Sinn – nicht als ein luxuriöses Gedankenspiel, sondern erst leise und später zunehmend hartnäckiger.

Wenn du hochbegabt bist und neurodivergent lebst, kann diese Schwelle besonders deutlich werden, weil du viel wahrnimmst, schnell Zusammenhänge erkennst und oft über Jahre Wege gefunden hast, dich an suboptimale Gegebenheiten anzupassen. Du hast dich eingerichtet in einem Leben, das tragfähig wirkt, und das hat Kraft gekostet. Und dann wächst eine Sehnsucht, die sich nicht mehr mit „eigentlich ist doch alles ganz gut“ beruhigen lässt: Sehnsucht nach Stimmigkeit, nach einem Leben, in welchem du nicht nur funktionierst oder viel für andere trägst, sondern dem du innerlich wirklich zustimmen kannst und in dem du dich selber wiederfindest.

Und in dieser Phase kommt noch etwas dazu, was häufig doch unterschätzt wird: der körperliche Umbau in den Wechseljahren – eben nicht nur als „hormonales Randthema“, das sich mit einer Substitution abspeisen lässt, sondern als eine reale Veränderung im eigenen Energiehaushalt.

Was früher oft über den Antrieb der Stressachse (HPA-Achse: die Hypothalamus–Hypophysen–Nebennierenrinden–Achse ist der zentrale neuroendokrine Regelkreis für die Stressantwort) abrufbar war: etwas „noch schnell erledigen“, „durchhalten“, „ich schaffe das schon“, „nur noch diese Woche“, trägt plötzlich weniger zuverlässig. Denn der Körper arbeitet parallel in tiefen Regulations- und Veränderungsprozessen: u. a. durch das Abfallen des Progesteronspiegels wird zudem der Schlaf fragiler, der Stresspuffer kleiner und die Reizverarbeitung empfindlicher.

In einer aktuellen Preprint-Studie (Weinmar et al., 2026) zeigte sich: In der Perimenopause verändert sich die Verschaltung eines Emotionsregulations-Netzwerks im Gehirn messbar: das System wird neu abgestimmt. Die Kompetenz zur Regulierung der Gefühle bleibt bei gesunden Frauen grundsätzlich erhalten, während das Gehirn sich in dieser Übergangsphase anders oder neu organisiert. Und diese innere Umorganisation kann sich als Unruhe, Reizbarkeit oder emotionale Erschöpfung bemerkbar machen.

Viele Frauen merken, dass das System, welches dich jahrelang stabil gehalten hat, nicht mehr so belastbar ist. Und hier gilt: Gerade bei Hochbegabung und Neurodivergenz kann das schon früher passieren, weil die Kompensationskräfte durch lebenslanges Masking, Überanpassung und eine hohe Daueranspannung schon früher verbraucht sind.

In der Autismus-Forschung gibt es für diese Konstellation eine metaphorische Umschreibung: „perfect storm“ – einen „perfekten Sturm“ aus gleichzeitig wirkenden Faktoren: hormonelle Veränderungen, Abnahme der sensorischen Belastbarkeit, soziale Rollenwechsel, die kumulativen Folgen der chronischen Anpassungsleistung, d. h. oft ein langes Leben über die eigenen Kräfte hinweg gehaushaltet zu haben, treffen zusammen.

Viele Autistinnen beschreiben, dass genau in dieser Lebensphase Fähigkeiten, die lange mehr oder weniger funktionierten, plötzlich wegfallen: Reizfilter, soziale Toleranz, Multitasking, Erholung über Nacht. Das wirkt von außen wie ein „Einbruch“ und ein Versagen, ist aber viel mehr eine späte, logische Folge davon, dass das System lange mehr getragen hat, als es eigentlich sollte.


Eine Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihm nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen. Max Frisch 4 tinified

"Eine Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihm nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen." Max Frisch zugeschrieben

2. Zwischen ungelebtem Potenzial und mangelnden Spielräumen im Alltag: wenn die alte Haut zu eng wird

Hochbegabte, neurodivergente Frauen besitzen oft einen überdurchschnittlich großen inneren Möglichkeitsraum: viele Ideen, Kreativität, Interessen, Begabungen, Perspektiven. Du siehst Varianten, Abzweigungen, Potenziale. Das kann inspirieren und gleichzeitig erschöpfen, wenn die Lebensumstände dafür keinen Raum lassen und übermäßig viel Zeit und Energie beanspruchen: viel Verantwortung auch für andere, die Zeitfenster lassen kaum Luft zum Atmen, Pflegeaufgaben und Verpflichtungsgefühle, Familienorganisation, ein Job, der zunehmend langweilt oder weniger Gestaltungsspielraum bietet als früher.

Interessanterweise entsteht eine Midlife-Krise nicht zwangsläufig nur aus einer Überlastung heraus, sondern manchmal gerade dann, wenn die Entlastung einsetzt: wenn Kinder aus dem Haus gehen, wenn jahrelange Pflegeverantwortung endet, wenn Eltern sterben oder ein großer Dauerauftrag plötzlich wegfällt.

Was vorher von Aufgaben überlagert war, wird dann spürbar: Erschöpfung, innere Leere, unterschwellige Trauer, eine lange verdrängte Sehnsucht.

Dann entsteht eine Spannung, die eine innere Unruhe verursachen kann, die eigentlich schon länger zu einem neuen Aufbruch auffordert: du erahnst und spürst, was auch noch möglich wäre oder andere sich vielleicht schon erlauben, und zugleich, was gerade in deinem Leben zu kurz kommt. Häufig liegt darunter kein Mangel an Mut, sondern zunächst ein innerer Abgleich: „Wofür reicht die Energie wirklich – und wofür reicht sie nicht mehr? Und dieser Zweifel ist zunächst verständlich. Er wird dann schmerzhaft, wenn er dauerhaft gegen die Sehnsucht anarbeiten muss.

Eine kleine Reflextion:

• Welche Möglichkeiten fühlen sich innerlich weit an, und welche Gedanken engen spürbar ein?

• In welchen Augenblicken spürst du Lebendigkeit, bevor der Verstand die Sehnsucht zur Räson ruft?

3. Funktionieren als Anpassungs- oder Hochleistungsmodus

„Funktionieren“ ist mehr als Routine. Es ist ein innerer Modus, der zuverlässig liefert: Termine, Organisieren und Jonglieren von vielen Bällen zugleich, Verantwortung, Entscheidungen, Fürsorge, Qualität… Viele Frauen haben diesen Modus früh perfektioniert: aus Pflichtgefühl, aus Loyalität, bei hoher Begabung auch aus der Erfahrung, dass Anpassung Sicherheit schafft.

Der Psychoanalytiker Donald Winnicott hat für diese Muster den Begriff des „Falschen Selbst“ eingeführt: eine innere Organisationsform, die entsteht, wenn Anpassung notwendig wird, um Beziehung und Zugehörigkeit zu sichern. Das „Falsche Selbst“ ist dabei nicht schlecht, sondern entspricht einem Schutzmechanismus, der lange dem emotionalen Überleben diente: Es stellt sicher, dass du funktionierst, passend bist, nicht „zu viel“ bist, nicht „zu unbequem“ oder „zu kompliziert“.

In Abhängigkeit von ihrer Sozialisation haben sich einige hochbegabte und neurodivergente Frauen aufgrund ihrer hohen Empathie und ihrer frühen kognitiven Reife und der Fähigkeit, auch die Überforderung von Bezugspersonen zu erspüren, so ein „falsches Selbst“ zugelegt. Zunächst erscheint es nach außen hin wie eine hohe Kompetenz und Stärke; und es ist ja im Grunde genommen auch ein hochintelligenter Schutzmechanismus gewesen, um ein instabiles System stabil zu halten und sich die überlebensnotwendige Zuwendung wichtiger Bezugspersonen zu sichern: verlässlich sein, mitdenken, vorausplanen, sich zusammenreißen, Konflikte entschärfen, die Bedürfnisse anderer spüren, bevor sie ausgesprochen werden…

Das sind Strategien von klugen Köpfen, mit denen du Herausforderungen lange überbrückt hast: zum Beispiel, indem du dich stärker strukturierst, dich zusammenreißt, mehr vorbereitest, länger durchhältst. Kompensation war lange notwendig. Sie wird anstrengend, wenn sie zur Dauerstrategie wird. Dann fühlt sich das Leben irgendwann an wie eine Wanderung in einem dunklen Tal: ein unendliches Pflichtprogramm ohne Ausweg.

Aus der Traumaperspektive passt dazu die sog. Fawn-Response (das „vierte F“ neben den Überlebensstrategien Fight/Flight/Freeze): Absichern durch Gefallen, Harmonie herstellen, sich selbst zurückstellen, um eine Situation stabil zu halten. Lange ist das eine Überlebens- und Bindungsstrategie. Spätestens in der Lebensmitte wird sie häufig teuer, weil sie innerlich erschöpft und dem „wahren“ oder „höheren“ Selbst, das um Wachstum und Entfaltung ringt, keinen Raum lässt.

Für dein Umfeld erscheinst du lange „stabil“. Innen jedoch schwinden die letzten Reserven. Schlaf erholt weniger. Reizverarbeitung wird empfindlicher. Die Geduld sinkt und es zeigt sich eine Gereiztheit, welche sich fremd anfühlt. Der Körper sendet deutlichere Signale und hinzu kommen Selbstzweifel und Versagensgefühle: „die anderen schaffen das doch auch...“ Dabei meldet dein System im Grunde genommen nur: du bist schon zu lange über deine Grenzen gegangen und hast dich und deinen Körper überstrapaziert.

Viele Frauen und auch Männer (ja, auch die gehen durch Wechseljahre, wie man inzwischen weiß, nur anders…) beginnen damit zu hadern, dass sie versagt haben und „schwach“ sind. Wenn ich ihnen dann vermittle, dass sie nicht von ihrer Anlage her schwach, sondern durch ihre Prägung und ungünstige Rahmenbedingungen geschwächt sind, kehrt in der Regel schon einmal etwas Erleichterung ein und Schritt für Schritt wächst die innere Erlaubnis, sich mehr Erholung und Zeit für das Erspüren der eigenen wahren Bedürfnisse zu nehmen und sich selbst im eigenen Leben mehr Raum zu geben.

Noch ein kleiner Impuls:

  • Wo hältst du dich noch über Leistung stabil, obwohl du eigentlich längst eine Kurskorrektur brauchst?
  • Woran merkst du als Erstes, dass dein System übersteuert: durch Körpersignale, Erschöpfung, deine Stimmung, Konzentrationseinbußen, ein Rückzugsbedürfnis, Reizbarkeit…?

4. Die Sehnsucht nach Sinnhaftigkeit: wie es nach einer Talfahrt wieder bergauf gehen kann

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„Und es kam der Tag, da das Risiko, in der Knospe zu verharren, schmerzlicher wurde als das Risiko, zu blühen.“ Anais Nin zugeschrieben

Die Lebensmitte bringt häufig eine besondere Klarheit: Manche noch ungelebten Lebensentwürfe, die unsere Seele für uns vorgesehen hat, lassen sich zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr aufschieben. Manche Kompromisse sind verständlich, doch wenn sie dauerhaft faul sind, ist der Preits für ihre Aufrechterhaltung hoch. Genau hier wird die Frage nach dem Sinn lauter. Nicht, weil das bisherige Leben wertlos wäre, sondern weil es sein kann, dass du zu lange in deinem eigenen Leben nur eine Nebenrolle gespielt hast.

Der Psychoanalytiker Erik H. Erikson beschreibt diese Lebensphase auch als Spannung zwischen Generativität (Gestalten, Wirken, Weitergeben) und Stagnation (das Empfinden von Stillstand und innerer Enge). Er skizziert eine Reifungsbewegung: weg von äußerer Bestätigung hin zu mehr innerer Stimmigkeit. „Generativität“ kann bedeuten, etwas weiterzugeben: Erfahrung, Haltung, Sinn, Wissen, Fürsorge; aber auch, das eigene Leben so zu gestalten, dass es sich von innen heraus stimmig anfühlt.

Für viele begabte, neurodivergente Frauen bedeutet Generativität nicht nur „mehr leisten“, sondern anders zu leben: weniger getrieben und mehr an eigenen Werten, Bedürfnissen und Vorlieben orientiert. Dann wird Sehnsucht zu einer präzisen Kraft und sie deutet als ein Teil des inneren Kompasses auf etwas hin: ein Leben im Einklang mit der eigenen seelischen Bestimmung.

Stagnation bedeutet in diesem Modell nicht zwangsläufig Faulheit oder Bequemlichkeit, sondern ist vielmehr ein seelisches Signal: wenn das Leben zu eng geworden ist, wenn Wachstum nur über „noch mehr vom Gleichen“ geschieht, dann meldet sich die Frage nach dem Sinn als Möglichkeit, den Kurs zu korrigieren. Genau dort beginnt häufig der Wendepunkt.

Erinnerst du dich?

  • In welchen Momenten oder bei welcher Vorstellung/ Vision fühlst du dich motiviert und im Einklang – auch wenn es zunächst nur eine Ahnung ist?
  • Welche Tätigkeit fühlt sich stimmig und sinnstiftend an oder lockt dich, auch wenn du noch nicht weißt, wie?

Wenn du dich in diesen Dynamiken wiedererkennst, dann geht es selten darum, sofort alles zu ändern. Häufig geht es darum, die innere Navigation zu erneuern: weg von einer Selbstverleugnung und hin zu Entscheidungen, die deine Energie respektieren und deine Sehnsucht ernst nehmen.

Eine Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihm nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen. Max Frisch 2

„Caring for myself is not self-indulgence, it is self-preservation, and that is an act of political warfare.“ Audre Lorde

Die US-amerikanische Lyrikerin, Essayistin und Aktivistin Audre Lorde schrieb diesen Satz in einem existenziellen Moment, nachdem sie erfahren hatte, dass ihr Brustkrebs in die Leber metastasiert war. In "A Burst of Light" (1988), einer Sammlung aus Essays und tagebuchnahen Texten beschreibt sie sehr konkret, wie sie die Folgen von Überspannung und Überbeanspruchung nicht nur seelisch, sondern auch körperlich wahrnahm und wie sie lernen musste, Überbeanspruchung von Entwicklung zu unterscheiden.

Selbstfürsorge ist Selbsterhalt: ein entschiedenes Nein zu einem „Ich halte das schon aus“, wenn der Preis dafür die eigene Lebendigkeit und Gesundheit ist. "Political warfare" bedeutet, dass dieses „Nein“ für Menschen, die dauerhaft mit Erwartungen, Zuschreibungen und strukturelle Belastungen konfrontiert sind, mehr ist als ein privater Luxus: Es ist eine Form von Selbstachtung, die Handlungsspielraum zurückholt. Es richtet sich gegen die Erwartung, dauerhaft mehr auszuhalten, als ein Mensch auf Dauer tragen kann.

In meinem begleiteten Onlinekurs arbeiten wir genau an dieser Schnittstelle: Wir ordnen, was dich erschöpft, wir klären, wofür du wirklich stehen willst, und wir übersetzen die Frage nach dem Sinn in konkrete, alltagstaugliche nächste Schritte. Du bekommst Struktur, Orientierung und einen Rahmen, der deinen Möglichkeitsraum würdigt, ohne dich darin zu verlieren.

Wenn du beim Launch dabei sein möchtest, melde dich gerne über das Kontaktformular bei mir persönlich und trage dich für den Newsletter ein. Dann erhältst du die Informationen zum Start, zum Ablauf und zu den Inhalten als Erste.


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Die Debatte rund um die Begriffe der Neurodiversität und Neurodivergenz ist lebendig und zugleich voller Missverständnisse. Begriffe werden vermischt, Vielfalt wird manchmal idealisiert oder vorschnell pathologisiert. Dieser Artikel klärt die zentralen Begriffe und zeigt, wie sie zusammenhängen: Neurodiversität als Vielfalt, Neurodivergenz als individuelle Ausprägung und Neuroplastizität als Hinweis darauf, dass Entwicklung möglich bleibt, wenn Bedingungen passen.

Die wichtigsten Begriffe auf einen Blick

Neurodiversität: Vielfalt der menschlichen Gehirn- und Informationsverarbeitung auf Bevölkerungsebene.

Neurodivergenz: individuelle Ausprägung, die deutlich von der statistischen Mehrheit („neurotypisch“) abweicht.

Neuroplastizität: Fähigkeit des Nervensystems, sich durch Erfahrung, Lernen und Übung zu verändern.

Neurodiversität beschreibt Vielfalt – Neurodivergenz Profile – Neuroplastizität Veränderbarkeit.

1. Was ist Neurodiversität?

Das Konzept der Neurodiversität basiert auf der Annahme, dass Unterschiede in der kognitiven Gehirnfunktion ebenso natürlich sind wie Unterschiede bei Hautfarbe oder Körpergröße: nicht besser oder schlechter, sondern anders – ähnlich der Biodiversität in der Natur. Jeder Mensch denkt anders, nimmt anders wahr, verarbeitet Informationen individuell. Statt neurologische Unterschiede als Störungen oder Defizite zu sehen, hinterfragt das Modell der Neurodiversität die Pathologisierung von Neurodivergenzen und versteht sich als inklusives Konzept mit einer anderen Perspektive auf die menschliche Vielfalt.

Der Begriff wurde in den 1990er Jahren geprägt. Genau genommen entstand die Neurodiversitäts-Idee in enger Verbindung mit der autistischen Selbstvertretungsbewegung (Self-advocacy) und frühen Online-Debatten: Autist:innen organisierten sich in eigenen Netzwerken, etwa im Autism Network International, die 1992 gegründet wurde und Begriffe ebenso wie die Beschreibung von Phänomenen hervorgebrachte, die das Thema anders charakterisieren als das rein medizinische Vokabular. 

In diesem Umfeld schrieb die Soziologin Dr. Judy Singer ihre Honours-Arbeit (1998), und Harvey Blume machte den Begriff in September 1998 in The Atlantic einem größeren Publikum bekannt. Das  Konzept der Neurodiversität im weiteren Sinne wurde dann auf dem “National Symposium of Neurodiversity” von 2012 in New beschrieben.

Die Bewegung strebt also einen Paradigmenwechsel weg von dem klassischen medizinischen Modell an, das von einem „normalen“ oder idealen Fähigkeitsniveau ausgeht und Behinderungen als Folge biologischer Beschaffenheit betrachtet. Doch was ist eigentlich ideal?

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2. Was bedeutet Neurodivergenz?

Der Begriff der Neurodivergenz bezeichnet Menschen, die sich hinsichtlich der neurologischen Gegebenheiten deutlich von der sogenannten neurotypischen Norm (Normotype) unterscheiden. Diese Norm ist kein Maßstab für Gesundheit oder „Korrektheit“: Sie beschreibt lediglich die statistische Mehrheit.

Neurodivergente Menschen verarbeiten Reize, Informationen und Emotionen anders als Normotype, und sowohl das Spektrum als auch die Überschneidungen in den Merkmalen sind groß. Das stellt insbesondere dann, wenn aufgrund der Eigenschaften ein Leidensdruck besteht und zur Einleitung angemessener Maßnahmen eine sorgfältige Diagnostik erforderlich ist, eine erhebliche Herausforderung dar. 

2.1 Verschiedene Neurodivergenzprofile

An dieser Stelle ein erster kurzer Überblick – mit einem Akzent auf den Stärken:

  • Hoch- und Höchstbegabung (IQ ab 130) bezeichnen eine deutlich überdurchschnittliche intellektuelle Leistungsfähigkeit, meist operationalisiert über Intelligenztests, wobei nicht nur Geschwindigkeit, sondern vor allem komplexe Informationsverarbeitung, Abstraktionsfähigkeit und eine starke Vernetzung kennzeichnend sind. Höchstbegabung (IQ ab 145) beschreibt eine nochmals ausgeprägtere Form mit sehr hoher kognitiver Spannweite und Tiefe. Hoch- und Höchstbegabte denken schneller, vernetzter und somit komplexer.
  • Vielbegabung und die Scanner-Persönlichkeit beschreibt das Vorliegen mehrerer ausgeprägter Begabungen und oder Interessen in unterschiedlichen Bereichen. Der Begriff "Scanner" wird häufig für Menschen verwendet, die sich für viele Themen interessieren, schnell Zusammenhänge erfassen und sich im Gegensatz zu den Vielbegabten, die gerne tief in Themen eintauchen, weniger über Spezialisierung als über Vielfalt definieren. Charakteristisch ist ein hohes Bedürfnis nach geistiger Stimulation und Abwechslung. Vielbegabte und sogenannte Scanner sind oft interdisziplinär interessiert und somit auch häufig kreative Innovatoren und langweilen sich angesichts von Wiederholungen und Routinen besonders schnell.
  • Der Begriff der Hochkreativität wurde kürzlich insbesondere von Dr. Birgit Wegerich-Bauer im Kontext des sog. Underachievement bei einer Hochbegabung und Neurodivergenz charakterisiert. Das Buch dazu: Wenn Denken aus der Reihe tanzt.
  • Hochbewusstsein (sehr hohes Bewusstsein) ist kein wissenschaftlicher oder medizinischer Diagnosebegriff. Er wird vor allem in transpersonalen und bewusstseinspsychologischen Kontexten verwendet und im deutschsprachigen Raum im Kontext der Neurodiversität unter anderem durch Autorinnen und Vermittlerinnen wie Anne Heintze bekannt gemacht. Er beschreibt eine ausgeprägte Fähigkeit zur Meta-Wahrnehmung: Gedanken, Emotionen und Sinneseindrücke werden nicht nur erlebt, sondern zugleich beobachtet und reflektiert. Diese Form von Bewusstheit geht häufig mit intensiver Selbstreflexion, Sinnfragen und einer differenzierten inneren Wahrnehmung einher. Erlebtes und Beobachtetes wird in transpersonalen Dimensionen reflektiert.
  • Hochsensibilität beschreibt eine erhöhte sensorische und emotionale Reizverarbeitung. Reize werden tiefer, differenzierter und mit geringerer Filterung verarbeitet, was zu intensiver Wahrnehmung, aber auch zu schnellerer Überstimulation führen kann. Es handelt sich um eine neurobiologische Verarbeitungsvariante, nicht um eine Störung. Es besteht jedoch eine erhebliche Verwechselungsgefahr mit dem Begriff der Hypervigilanz (übermäßige Wachheitsamkeit als Traumafolge). Hochsensible Menschen sind häufig sehr empathisch veranlagt.
  • Hochsensitivität (intuitive / feinstoffliche Wahrnehmung) wird begrifflich verwendet, um eine besonders feine Wahrnehmung innerer und äußerer Signale zu beschreiben, die über klassische Sinnesreize hinausgeht. Gemeint ist eine ausgeprägte Fähigkeit zur intuitiven, emotionalen und häufig auch spirituell verstandenen Wahrnehmung von Stimmungen, Bedeutungen und Zusammenhängen. Diese Ausprägung ist wissenschaftlich schwerer zu operationalisieren, wird jedoch in vielen Erfahrungsberichten konsistent beschrieben. Hochsensitive Personen haben eine besonders ausgeprägte intuitive Wahrnehmung und/oder Wahrnehmung im feinstofflichen/spirituellen Bereich.
  • Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) ist eine neuroentwicklungsbedingte Besonderheit der Aufmerksamkeits-, Impuls- und Emotionsregulation. Charakteristisch ist keine generelle „Aufmerksamkeitsarmut“, wie oft noch unterstellt wird, sondern eine Aufmerksamkeit, die stark interessengeleitet ist. Neurobiologisch zeigen sich Unterschiede u. a. in dopaminergen Regulationsprozessen. Beim Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) arbeitet das Gehirn sehr assoziativ, vernetzt und hochaktiv – dadurch kreativ, zugleich nicht so leicht steuerbar. Ist das Interesse geweckt, können Betroffene sich lange konzentrieren und in ein Thema eintauchen (Hyperfokus).
  • Autismus-Spektrum (ASS) umfasst neuroentwicklungsbedingte Ausprägungen, die insbesondere Wahrnehmung, soziale Interaktion, Kommunikation und Reizverarbeitung betreffen. Autistische Informationsverarbeitung ist häufig geprägt durch hohe Systematik, Mustererkennung und Detailgenauigkeit. Die Ausprägungen sind sehr heterogen. Menschen mit Merkmalen aus dem Autismus-Spektrum verfügen oft über eine außergewöhnliche Detailwahrnehmung, Klarheit und logisches Denken. Manche haben eine hohe Begabung in einem umschriebenen Bereich.
Med. NG Profile

2.2 Weitere Abweichungen, die der Neurodivergenz zugeordnet werden sind:

  • Synästhesie bezeichnet ein neurologisches Wahrnehmungsphänomen, bei dem Sinneseindrücke automatisch und stabil miteinander gekoppelt sind. Ein Reiz in einem Sinneskanal löst zusätzlich eine Wahrnehmung in einem anderen Sinnesbereich aus, etwa wenn Töne Farben hervorrufen oder Buchstaben eine feste räumliche oder farbliche Qualität haben. Synästhesie ist keine Störung, sondern eine besondere Form der Wahrnehmungsverarbeitung, die häufig mit hoher Kreativität und differenzierter Wahrnehmung einhergeht.
  • Dyslexie auch Legasthenie genannt, betrifft  das Erlernen des Lesens und Schreiben. Sie zeigt sich in anhaltenden Schwierigkeiten beim korrekten und flüssigen Lesen, Schreiben und Rechtschreiben, trotz altersgemäßer Intelligenz und ausreichender Beschulung. Ursache ist eine besondere Art der sprachlichen Informationsverarbeitung im Gehirn; Dyslexie sagt nichts über Begabung, Denkfähigkeit oder Kreativität aus.

  • Dyskalkulie ("Rechenstörung") bezeichnet eine spezifische Herausforderung im Bereich des Rechnens und des mathematischen Verständnisses. Betroffene haben Schwierigkeiten, Mengen, Zahlenbeziehungen und Rechenoperationen zuverlässig zu erfassen und anzuwenden. Die Problematik liegt nicht im fehlenden Üben, sondern in einer anderen neuronalen Verarbeitung numerischer Informationen. Auch hier besteht keine Verbindung zu verminderter Intelligenz
  • Sensorische Modulationsstörung (SMS) beschreibt Schwierigkeiten bei der Regulation sensorischer Reize. Das Nervensystem reagiert dabei entweder überempfindlich, unterempfindlich oder wechselhaft auf Sinnesreize wie Geräusche, Berührungen, Licht oder Bewegung. Reize werden nicht angemessen gefiltert oder eingeordnet, was zu Überforderung, Rückzug oder intensiver Reizsuche führen kann. SMS tritt häufig im Zusammenhang mit Neurodivergenz auf, etwa bei Autismus, ADHS oder Hochsensibilität.

  • Dyspraxie (Entwicklungsstörung der motorischen Funktionen) medizinisch als Entwicklungsstörung der motorischen Funktionen bezeichnet, betrifft die Planung, Koordination und Ausführung von Bewegungen. Betroffene wissen, was sie tun möchten, haben jedoch Schwierigkeiten, Bewegungsabläufe automatisiert und flüssig umzusetzen. Dies kann Fein- und Grobmotorik, Körperschema, räumliche Orientierung und Alltagsfertigkeiten betreffen. Dyspraxie ist keine Folge mangelnder Übung und steht nicht im Zusammenhang mit einer Intelligenzminderung.

  • Das Tourette-Syndrom ist eine neuroentwicklungsbedingte Besonderheit, die durch wiederholte motorische und vokale Tics gekennzeichnet ist. Tics sind unwillkürliche, plötzlich auftretende Bewegungen oder Lautäußerungen, deren Intensität und Häufigkeit variieren können. Das Tourette-Syndrom tritt häufig gemeinsam mit anderen neurodivergenten Ausprägungen wie ADHS, Zwangstendenzen oder Autismus-Merkmalen auf. Die kognitive Leistungsfähigkeit ist in der Regel unbeeinträchtigt.

2.3 Neurodivergenz im Verhältnis zu medizinischen Klassifikationssystemen

Einige Formen der Neurodiversität (ADHS, Autismus-Spektrum, Legasthenie, Dyskalkulie, Tourette-Syndrom) werden in den medizinischen Klassifikationssystemen als neuroentwicklungsbezogene Störungen eingeordnet. Zugleich fordern Befürworter des Neurodiversitäts-Konzeptes, die Vielfalt der Unterschiede in Gehirnentwicklung und Neurokognition als normale, gesunde und wertvolle biologische Variante und als Teil menschlicher Vielfalt anzuerkennen.

Kritiker hingegen warnen davor, dass Neurodiversität zu einer Art „Identitätsfalle“ werden könnte, in der Menschen sich primär über neurologische Andersartigkeit definieren und sich eventuell gegenüber sinnvollen Angeboten zur Bewältigung verschließen.

Für mich fühlt es sich stimmig an, Neurodiversität mit all ihren verschiedenen Facetten dann als Störung zu bezeichnen, wenn damit ein Leidensdruck einhergeht. Denn der Lebensalltag geht für viele Betroffene mit erheblichen Herausforderungen einher – insbesondere, weil sie sich in einer Welt zurechtfinden müssen, die in vielen Aspekten nicht auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ist.

Ansonsten betrachte ich Neurodiversität als Ausdruck einer unterschiedlichen neurologischen Veranlagung: eine andere Art, vernetzt zu sein – weder besser noch schlechter, sondern schlicht anders. Hochsensibilität, Hochbegabung, ADHS und hochfunktionaler Autismus treten häufig in Kombination auf und prägen eine besondere Art, die Welt wahrzunehmen. Diese Menschen besitzen viele bedeutende Stärken, die wir als Gesellschaft in unserer Welt dringend brauchen.

Med. ND Profile

2.4. Twice-Exceptional (2e): Neurodivergenzprofile gemeinsam denken

Was bedeutet Twice-Exceptional (2e) oder sogar 3e?

Es liegen mehrere Neurodivergenzprofile zugleich vor: Eine Person zeigt z. B. eine hohe Begabung oder Hochsensibilität (also Merkmale, die nicht als psychische Störung klassifiziert sind) und zugleich neurodivergente Ausprägungen, die als psychische Störungen diagnostiziert wurden oder mehrere neurodivergente Ausprägungen, die als psychische Störungen diagnostiziert wurden.

Das Besondere ist, dass sich beides gegenseitig auch verstärken oder verdecken kann: Durch eine sehr hohe oder Hochbegabung können evtl. ein ADHS oder eine ASS unerkannt bleiben; umgekehrt können diagnostische Etiketten (z. B. ADHS) Ressourcen (z. B. eine unerkannte Hochbegabung) verdecken, wenn die Umgebung vor allem auf Defizite schaut.

Herausforderungen im Rahmen einer unerkannten oder nicht adäquat geförderten/integrierten Hochbegabung können beizeiten als Pseudo-ADHS impionieren- ein fataler Irrtum! Bei Erwachsenen werden im Rahmen einer ADHS- Abklärung noch viel zu selten Intelligenztests zur Differenzialdiagnose durchgeführt, um Fehldiagnosen zu vermeiden. Für eine stimmige Einordnung ist deshalb eine sorgfältige Diagnostik unerlässlich!

3. Was bedeutet Neuroplastizität?

Während Neurodiversität die natürliche Vielfalt menschlicher Gehirne beschreibt, meint der Begriff der Neuroplastizität die wegweisende Erkenntnis, dass sich unser Nervensystem ein Leben lang verändern, anpassen und weiterentwickeln kann. Während man früher eher von stabilen Verhältnissen ausging, zeigt die Forschung heute differenzierter: Neuronale Netzwerke können sich bis ins hohe Alter durch Übung, Wiederholung, Bedeutungsgebung, Kontext und Umwelteinflüsse verändern. Der Begriff der Neuroplastizität beschreibt also ein biologisches Lernprinzip mit einem hohen Potenzial. Veränderungen werden wahrscheinlicher, wenn Lernbedingungen bewusst gestaltet, sinnvoll, dosiert und in den Alltag integrierbar sind.

4. Umwelt-Sensitivität und Vantage-Sensitivität: 

Wann und weshalb eine gute Passung die Entwicklung begünstigt

Umwelt-Sensitivität: Menschen unterscheiden sich darin, wie stark sie auf Umweltbedingungen (Sinnesreize, Emotionen wie bei der HSP) oder auf Fremdstoffe aus der Umwelt reagieren – auf Belastendes ebenso wie auf Förderliches.

Vantage Sensitivity (Vorteils-Sensitivität): Das Phänomen wurde von Prof. Pluess beforscht, der auch den Begriff einführte. Manche Menschen profitieren von unterstützenden Bedingungen, Interventionen oder Lernumwelten besonders deutlich, andere weniger. 

Es gibt Hinweise darauf, dass Sensitivität unter ungünstigen Bedingungen eine Verwundbarkeit nach sich ziehen kann und deren Erleben das Befinden dominiert. Anderenfalls können unter unterstützenden Bedingungen und bei entsprechender Veranlagung sensitive Menschen Veränderungen konstruktiv und nachhaltig verankern. Das ist keine Garantie, zugleich jedoch eine hoffnungsvolle Perspektive: Du bist nicht festgelegt; du trägst jenseits deiner Prägungen ein großes Entwicklungspotenzial in dir!

Das macht den Zusammenhang zwischen Neurodiversität und Neuroplastizität im Alltag greifbar: Entwicklung hängt nicht allein von „Wollen“ ab, sondern auch von der persönlichen Veranlagung und davon ab, ob die Umgebungsbedingungen und eine Begleitung zum jeweiligen Menschen passen.

Begabungen

So viele Begabungen...Und alle brauchen einen Raum, in dem sie sich entfalten können. 

5.  Neurodivergenz im gesellschaftlichen Kontext:

5.1 Neurodivergenz im Alltag

Im Alltag und in der Praxis ist eine zusätzliche Perspektive von Bedeutung: es geht nicht nur darum, ob eine Neurodivergenz mit daraus resultierenden Potentialen oder Beeinträchtigungen vorliegt: sondern um die Frage nach der Passung zwischen dem persönlichen Potential und den Anforderungen, dem Umfeld und verfügbaren oder fehlenden unterstützenden Ressourcen. 

Dafür stellt die ICF der World Health Organization (WHO) einen brauchbaren Referenzrahmen zur Verfügung. ICF steht für International Classification of Functioning, Disability and Health und beschreibt die Funktionsfähigkeit nicht als Eigenschaft „im Menschen allein“, sondern als Ergebnis eines Zusammenspiels: Körperfunktionen und -strukturen, Aktivitäten (was jemand praktisch tun kann), Teilhabe (Einbindung in Lebensbereiche wie Arbeit, Beziehungen, Alltag) und Kontextfaktoren (Umwelt und persönliche Faktoren) wirken miteinander. 

Dadurch wird nachvollziehbar, warum ein und dieselbe neurodivergente Ausprägung je nach Setting kaum auffällt oder massiv belastet – und warum Unterstützung nicht nur „Symptome reduziert“, sondern vor allem Teilhabe ermöglicht.

Übersetzt in alltagstaugliche Praxisfragen lässt sich das folgendermaßen anwenden: 

1. Welche Situationen fordern neurodivergente Menschen besonders – sind es Reize (Geräusche, Licht, soziale Dichte), Tempo, Komplexität, wechselnde Prioritäten, zu hohe oder zu niedrige Anforderungen oder unausgesprochene soziale Codes? 

2. Welche Bedingungen erleichtern den Alltag – zum Beispiel klare Strukturen, ein stimmiger Rhythmus, transparente Kommunikation, verlässliche Absprachen und Rückzugsmöglichkeiten? 

3. Welche Stärken tragen genau in diesem Kontext – etwa eine hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit, Mustererkennung, Detailblick, Kreativität, Fähigkeit zur Fokussierung oder hohe Verarbeitungstiefe? 

Dank dieser Perspektive rückt Neurodivergenz automatisch aus der reinen Defizitlogik heraus, ohne Leidensdruck und – sofern erforderlich – Diagnostik und Diagnosen zu negieren: Der Blick berücksichtigt  persönliche Belastungen, Umweltbedingungen und Ressourcen gleichermaßen.

5.2 Das "Double Empathy Problem": 

Missverständnisse als wechselseitige "Übersetzungsarbeit": Verständigungs-Schwierigkeiten insbesondere zwischen autistischen und nicht-autistischen Menschen entstehen häufig wechselseitig, weil Erfahrungswelten, Kommunikationsstile und implizite Regeln sehr unterschiedlich sein können. 

Das verschiebt den Blick: weg von einseitiger Zuschreibung, hin zu der Frage, welche Rahmenbedingungen Verständigung erleichtern – zum Beispiel eine klare Sprache, Kommunikation von Bedürfnissen und Erwartungen, weniger unausgesprochene Regeln und mehr explizite Absprachen.

5.3 Anpassungsstrategien, die erschöpfen können

Masking (auch Camouflaging) bezeichnet bewusste oder unbewusste Anpassungsstrategien, mit denen neurodivergente Menschen ihre Eigenheiten im sozialen, beruflichen oder schulischen Kontext verbergen oder kompensieren. Dazu gehören zum Beispiel das Unterdrücken von Stimming, das bewusste Nachahmen sozialer Regeln, das Überanpassen an Erwartungen oder ein dauerhaft erhöhter kognitiver Kontrollaufwand.

Masking kann kurzfristig soziale Teilhabe erleichtern, ist jedoch langfristig oft mit erheblicher Erschöpfung, innerer Anspannung und dem Gefühl verbunden, nicht authentisch sein zu können. Es trägt wesentlich dazu bei, dass neurodivergente Profile spät erkannt oder diagnostisch schwer einzuordnen sind.

6. Eine erweiterte Perspektive: Neurodivergenz als Spektrum

Überschneidungen in den Profilen sind sind häufig. Viele Merkmale treten nicht in Reinform auf, sondern kombiniert:  sie können sich gegenseitig verstärken, verdecken oder durch Kompensation lange unauffällig bleiben. 

6.1. Neurodivergenz als Spektrum betrachtet

Im Kern lassen sich viele neurodivergente Ausprägungen dimensional verstehen: manche Merkmale sind je nach Profil unterschiedlich stark ausgeprägt, die Übergänge sind teilweise fließend, und sie zeigen sich je nach Lebensphase und Kontext verschieden. Deshalb kann eine klare Abgrenzung im Alltag und auch diagnostisch oft sehr schwierig sein – insbesondere dann, wenn zusätzlich eine sehr hohe Begabung, hohe Sensibilität, Sensitivität oder ausgeprägtes Masking das Bild mitprägen.

Ueberlappende Merkmale ND

 Neurodivergente Profile unterscheiden sich in ihrer Ausprägung, teilen jedoch viele grundlegende Muster. Für Begleitung, Therapie und Coaching ist deshalb neben der Zuordnung zu einer Kategorie auch das Verständnis dieser gemeinsamen Prinzipien und der Überschneidungen in den Profilen von Bedeutung.

6.2 Ausblick

Aus meiner Perspektive ist es vor diesem Hintergrund auch für Therapie und Coaching wenig sinnvoll, sich zu stark auf einzelne Diagnosen oder Profile zu spezialisieren. Gerade weil Überschneidungen häufig sind und viele grundlegende Muster geteilt werden, braucht es übergreifende Fachkenntnisse und ein integratives Verständnis neurodivergenter Informationsverarbeitung. Eine zu enge Fokussierung auf einzelne Kategorien läuft Gefahr, zentrale Zusammenhänge zu übersehen – etwa zwischen Reizverarbeitung, Selbstregulation, Anpassungsleistung und Erschöpfung. Wirksame Begleitung profitiert daher sowohl von Detailwissen als auch von der Fähigkeit, übergreifende Prinzipien zu erkennen und dem Individuum mit dem ganz individuellen Profil zu begegnen.

Stärken stärken Stärken und schwächen Schwächen. Das ist nicht nur eine akrobatische Wortspielerei, sondern ein Prinzip, das insbesondere bei einer adäquaten Unterstützung von Menschen mit Neurodivergenz beachtet werden sollte – und dann tatsächlich Früchte tragen kann.

Wenn Neurodiversität Vielfalt beschreibt, Neurodivergenz Profile sichtbar macht und Neuroplastizität Entwicklung erklärt, entsteht ein roter Faden: Es geht um Passung. Nicht jede Besonderheit braucht Behandlung; es braucht vor allem einen Rahmen, in dem Stärken entfaltet werden können und Herausforderungen handhabbar werden. Gleichzeitig ist es notwendig, dort sorgfältig zu diagnostizieren und zu unterstützen, wo Leidensdruck besteht und Teilhabe eingeschränkt ist.

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Meine Selbstorganisation als neurodivergente Unternehmerin 2026 https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/meine-selbstorganisation-als-neurodivergente-unternehmerin-2026/ https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/meine-selbstorganisation-als-neurodivergente-unternehmerin-2026/#comments Mon, 26 Jan 2026 00:00:00 +0000 Begabung im Flow Begabung & ND https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/meine-selbstorganisation-als-neurodivergente-unternehmerin-2026/ Weiterlesen

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2026 wird für mich ein Jahr, in dem ich meinen Alltag als Unternehmerin bewusster gestalte.

Nicht, weil ich plötzlich anders sein oder funktionieren muss, sondern weil ich gemerkt habe: An Ideen mangelt es nie; aber sie brauchen einen Rahmen, damit daraus auch etwas Reales wird und ich nicht irgendwann von ihrer Fülle erschlagen werde. So behalte ich den Überblick, wo ich anfangen soll und was jetzt gerade wirklich Sinn macht. Insofern bezieht sich diese Struktur auf das Backoffice: Planung, Konzeptentwicklung, Content, Nachbereitung, Organisation, Technik, Kommunikation,Finanzen – kurz: die unsichtbare Grundlage, damit meine Kernaufgabe und Berufung ihren Platz behält: Begabte und neurodivergente Menschen in ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben zu begleiten.

Und schätze einmal, wie viel Zeit dafür anteilig einkalkuliert werden muss: Die Auflösung verrate ich dir später!

2026: Klare Strukturen als Entlastung – damit aus vielen Möglichkeiten konkrete Schritte werden. Hier sind meine Entscheidungen für eine neurodivergenzfreundliche Selbstorganisation, die ich erproben und konsequenter leben werde.

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Die Fotos zum Auflockern dieses Blogartikels sind übrigens alle tagesaktuell: meine Mittagspause im Garten...

1) Weniger Eisen gleichzeitig im Feuer: klare Prioritäten statt Ideenstapel

Ich werde 2026 bewusster auswählen, was jetzt dran ist. Der Ideenreichtum darf natürlich bleiben – nur eben nicht alle zur selben Zeit vorne auf der Bühne.

Dafür arbeite ich mit einer einfachen Regel: maximal drei aktive Hauptthemen pro Zeitraum (zum Beispiel pro Monat oder Quartal). Alles andere kommt auf meine Schöpferliste (eine gepflegte Ideensammlung, die nichts verliert, und wo die Dinge im Hintergrund schon einmal weiter reifen dürfen).

Das ist keine Bremse, sondern eine Fokussierung auf das, was gerade wirklich entstehen soll.

2) Feste Zeitfenster am Tag – damit Kleinkram nicht zu Ablenkungsmanövern wird

Ich plane Aufgaben künftig stärker in möglichst festen Tages-Zeitfenstern, statt Tätigkeiten „irgendwo“ unterzubringen oder spontan zu erledigen. Das betrifft auch kleinere und eher ungeliebte organisatorische Aufgaben: Die werde ich noch konsequenter morgens als erste tun, weil ich sie dann nicht als latentes Unbehagen mit durch den ganzen Tag schleppe. Das ist erstaunlich entlastend.

Für Kommunikation setze ich zusätzlich auf gebündelte Kommunikationsfenster (Instagram, Linkedin, E-Mails/DMs zu klaren Zeiten statt verteilt über den Tag). Das schafft mehr Ruhe im Kopf und mehr Präsenz in der Arbeit.

Konzeptarbeit und Content-Erstellung bekommen längere feste Zeitfenster: je einen Block vormittags (90–150 Minuten). Und: Niht vergessen – zwischendurch aufstehen, in den verschneiten Garten schauen, kurz frische Luft schnappen oder einen Tee kochen. Wir haben auch noch einen Körper!

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Der Rosmarin trotzt noch der Kälte: ob er wohl bald wieder blüht?

3) Wiederkehrende Wochenblöcke – weniger Entscheidungsballast, mehr Verlässlichkeit

Zusätzlich bekommen bestimmte Tätigkeiten einen festen Platz in der Woche – zum Beispiel montags Blogartikel schreiben (ich kann den Zoom-Call am Montag um 10.00 Uhr immer kaum erwarten, denn dann gibt es in The Content Society mit Judith Peters den Themenvorschlag der Woche!); an einem Tag Termine mit Kund:innen/Calls; an einem weiteren Tag Konzeptarbeit; wenn nötig, dazugehörige Technik/Tools – und freitags nachmittags Nachbereitung und die Planung der kommenden Woche.

Der Vorteil: Der Kopf muss weniger „neu entscheiden“, und die Umsetzung wird verlässlicher. Das ist mehr als ein Gefühl: Entscheidungen kosten Energie, und nach vielen kleinen Wahlhandlungen sinkt bei vielen Menschen die Qualität von Entscheidungen oder die Selbststeuerung wird anstrengender – dieser Effekt wird unter dem Begriff Decision Fatigue (Entscheidungsmüdigkeit) diskutiert. (PNAS)

Wie viele Entscheidungen treffen wir eigentlich pro Tag? Es gibt populäre Schätzungen (teilweise sehr hohe Zahlen), aber seriös messbar ist das kaum, weil schon die Definition einer „Entscheidung“ schwierig ist. In verwandten Bereichen wurden einzelne oft zitierte Entscheidungszahlen später als methodisch fragwürdig eingeordnet. Ich nehme daraus vor allem eins mit: Es lohnt sich, alltägliche Entscheidungsarbeit zu reduzieren – durch Routinen, Blöcke und klare Standards.

Dazu kommt ein zweiter Aspekt: Unterbrechungen sind teurer, als sie wirken. In Forschungsarbeiten zu Arbeitsunterbrechungen wird beschrieben, dass Menschen nach einer Unterbrechung im Schnitt deutlich Zeit brauchen, bis sie wieder „richtig drin“ sind – häufig nicht nur wenige Minuten, sondern eher im Bereich von rund 20 Minuten oder mehr (je nach Aufgabe und Unterbrechung). 

Das bedeutet für mich ganz praktisch: Wenn ich in einem Zeitblock konsequent thematisch arbeite, dann gilt auch: Handy aus. Nicht aus Prinzip, sondern als Schutzraum für Konzentration und Tiefe.

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Zauberhüte wie Zuckerwatte...

4) Themenwochen: Tieftauchen statt Flattern

Die Wochen bekommen einen klaren Schwerpunkt: Wenn ein Thema groß ist, bekommt es eine ganze Woche oder eventuell auch einen Monat. So kann ich mich einarbeiten, entscheiden, umsetzen – und danach sauber abschließen oder das Vorhaben in die nächste Phase überführen.

Beispiele, die ich im ersten Quartal 2026 konkret einplane:

  • Businessplan-Woche: Überarbeiten, vertiefen, nächste Schritte festlegen.
  • Vorbereitungswoche fürs Seminar im März auf Langeoog: Abstimmung mit dem Hauptreferenten zum Ablaufplan, Wünsche der Teilnehmer:innen sichten, Unterlagen vorbereiten.
  • Einarbeitungswoche Onlinekongress (im Sommer): Überblick, Aufgaben, Etappen definieren, Zeitplan erstellen, Brainstorming.
  • Chimpify-Woche: Chimpify (All-in-one-Plattform für Website, Blog, E-Mail und Automationen) strukturiert aufsetzen und Kenntnisse vertiefen. (Chimpify.de)
  • Content-Woche Blog und Social Media: Themen auswählen, schreiben, redigieren, veröffentlichen.
  • Konzept-Woche: Überarbeitung großer Begleitkurs (Neurodivergenz): Struktur, Module, Inhalte priorisieren.
  • Digitale-Büro-Woche: Auch das digitale Büro will aufgeräumt und neu strukturiert werden – gerade sieht es dort aus wie auf einem kreativen Schlachtfeld.
  • Steuer-Woche: Und dann noch die Steuer-Woche. Positive Ausrichtung bei ungeliebter Tätigkeit: Was, wenn endlich auch Investitionsgelder zurückfließen?

5) Wöchentlicher Review-Termin am Freitagnachmittag

Freitagnachmittag wird zum festen Anker:

  • Pufferzeit: Liegengebliebenes wird erledigt oder bekommt einen neuen Platz.
  • Review (Rückblick): 30–45 Minuten für Rückblick, Zahlen/Resonanz, Prioritäten und Wochenplanung.

So entsteht ein Abschlussgefühl – und die kommende Woche startet klarer.

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Im Winter imponieren die Misteln besonders...

6) Kapazitätsgrenzen sichtbar machen und eine „Definition of Done“ einführen

Ich setze mir eine einfache Wochenkapazität (z. B. X Stunden Kund:innenbegleitung) als Leitplanke für alle weiteren Zusagen. Das schützt mich vor dem Klassiker: zu viel versprechen, zu viel parallel, zu wenig Luft.

Und ich führe eine Definition of Done (klare Fertig-Kriterien) ein: für Blogartikel, Newsletter, Kursmodule. Damit weiß ich, wann etwas „fertig genug“ ist.

Gerade im neurodivergenten Arbeiten kann das ein wirksames Mittel gegen Perfektionismus-Schleifen sein: Wenn „fertig“ diffus bleibt, bleibt der Kopf im Endlos-Optimieren – und das kann Prokrastination verstärken. In der Forschung werden Zusammenhänge zwischen Perfektionismus und Aufschieben wiederholt beschrieben.

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Heute ist es still hier, sonst speist hier meistens der Buntspecht!

7) Leere Zeitfenster für Unvorhergesehenes – als echte Strategie

Ich plane bewusst freie Fenster ein. Nicht als „Luxus“, sondern als Realismus.

Warum? Weil Kalender ohne Puffer bei kleinsten Verschiebungen kippen. Und weil Übergänge Zeit brauchen: zum Runterfahren, Notieren, Sortieren, Einsteigen. Zusätzlich zeigen Erkenntnisse aus der Arbeitsforschung, dass Pausen zwischen Meetings dem Gehirn helfen, sich zu „resetten“, und Stress sich sonst aufschaukeln kann.

Eine praxistaugliche Faustregel, die ich 2026 ernster nehmen werde:

  • 10–15 Minuten Übergang zwischen Terminen, besonders wenn es um unterschiedliche Themen geht.
  • ein größeres Pufferfenster am Tag oder zumindest mehrere kleine, damit der Tag nicht zu einer Domino-Kette wird.

Das hat einen überraschenden Nebeneffekt: Wenn Puffer eingeplant ist, wird Planen realistischer – und genau das ist eine gute Medizin gegen die bekannte Planungsfalle: denn wir unterschätzen Zeitaufwand systematisch. 

8) Vorlagen und Checklisten pflegen – damit Qualität nicht jedes Mal neu erfunden wird

Wiederholbares wird standardisiert: Vorlagen für E-Mails, Onboarding, Angebotsseite, Launch-Ablauf, Seminar-Checkliste...

Der Vorteil: weniger Mikroentscheidungen, weniger Vergessen, mehr gleichbleibende Qualität – und mehr Kapazität für das, was wirklich Kreativität braucht. Checklisten sind nicht zufällig in sicherheitskritischen Bereichen so wirksam: Sie entlasten das Arbeitsgedächtnis und stabilisieren Abläufe. 

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Schon wieder leer: Das Meisenhäuschen.

9) Mein Jahresmotto wird zur Messlatte: 

„Ich bin wie ich bin. Irgendwann kommt es sowieso raus.“

Dieses Jahresmotto 2026 ist für mich mehr als ein schöner Satz. Es ist ein Kriterium für meine Authentizität und für Entscheidungen .

Ich möchte 2026 noch ernster nehmen, wie sich meine Worte, meine Angebote und meine Inhalte aus meiner Perspektive anfühlen – nicht nur, wie sie „ankommen könnten“. Das bedeutet auch: Ich formuliere noch klarer, wofür ich stehe. Und ich reduziere Dinge und Inhalte, die zwar an der Oberfläche zunächst „gut ankommen“, sich für mich persönlich jedoch nicht stimmig anfühlen – weil sie den Menschen, die sich tatsächlich entwickeln möchten, nicht wirklich dienen und unnötig Zeit binden.

Authentizität ist dann kein Marketingbegriff, sondern gelebte Praxis: Ich wähle Sprache, Themen und Formate so, dass sie meinem Wesen und dem Interesse der Kund:innen entsprechen – auch dann, wenn das gelegentlich zunächst unbequem sein kann und nicht die Erwartungen im Mainstream erfüllt.

10) Aus dem Weg eine Genusspraxis machen

Eng mit meinem Jahresmotto verknüpft ist die Balance zwischen Tun und Sein. Ich möchte den Weg selbst als Praxis gestalten – nicht nur als Mittel zum Zweck.

Dazu gehört für mich auch: Vorfreude auf gewünschte Ergebnisse bewusst zu kultivieren. Wenn ich die Qualität dessen, was ich mir wünsche, schon im Körper spüren kann, wird es weniger erheblich, ob es exakt in dieser Form eintritt. Dadurch wird Entscheiden und Handeln oft freier und kreativer.

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Gar nicht so einfach: Ein Herz im Schnee zu kreieren fordert das Gleichgewicht. Möglichst nicht daneben treten!

11) Auf mein Einkommen achten – und die unsichtbare Zeit konsequent einpreisen

Ach ja, eine Antwort war ich dir noch schuldig: Für all das braucht es mindestens 50 %, in der Phase des Businessaufbaus sogar bis zu 90 % der gesamten Zeit!

Das machen sich viele zu Beginn nicht bewusst – und jemand in einem Angestelltenverhältnis kann sich das kaum vorstellen: Unabhängig von Urlaub oder Krankheit fließt dort das Gehalt weiter. 

In der Selbstständigkeit ist es anders: Die Zeit, für die später keine Rechnungen gestellt werden, muss in der Umsatzplanung mitgedacht werden; ebenso wie die Betriebskosten und 35-40% des Gewinns alleine für die Sozialversicherung.

Auch in anderen Dienstleistungsbereichen zeigen Benchmarks, dass ein großer Teil der Arbeitszeit nicht direkt „abrechenbar“ ist (Vertrieb, Organisation, interne Abstimmung, Dokumentation). Je nach Branche liegen typische Auslastungen deutlich unter 100 %. 

Wenn ich ein bedingungsloses Grundeinkommen bezöge, würde ich dasselbe tun wie jetzt. In dem Bewusstsein, dass ich neben aller Freude an meiner Tätigkeit auch die Verantwortung habe, mein Einkommen zu sichern und zu schützen, werde ich im Rahmen der Businessplan-Woche (schon in dieser Woche also!) meine Umsatzplanung noch einmal genau unter die Lupe nehmen und meine Preise neu kalkulieren.

12) Freudvolle Pausen als Gegenpol: Damit Wochen mit "zähen" Themen mich nicht auffressen

Damit die Motivation über den Tag stabil bleibt, plane ich bewusst Abwechslung ein: Auf eine eher zähe Aufgabe oder ein ungeliebtes Wochenthema folgt eine Tätigkeit, die mich inhaltlich trägt oder Freude macht. Dazu gehören bei mir ganz bewusst auch längere Regenerationsfenster. Nach einem Zahlenblock gehe ich zum Beispiel zum Buddeln (oder heute Schnee treten und Fotos machen) in den Garten oder musiziere, um den Kopf zu lüften: Ein Plan mit ein paar "Pralinen" für zwischendurch, ohne den Tag nur mit Dingen zu füllen, die ich am liebsten aufschieben würde.

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Vorfreude genießen: Auch schön so, und noch schöner im Sommer beim Grillen!

Schreib es gerne in die Kommentare: Was machst du 2026 anders – und welcher eine Hebel würde bei dir am meisten verändern? 

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Welche „Stellschraube“ macht bei dir im Alltag den größten Unterschied? Ich freue mich über deinen Kommentar. Und wenn du neue Impulse nicht verpassen möchtest: Trage dich gerne in meinen Newsletter ein!


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Fokus & Struktur bei Neurodivergenz: Meine To-want-Liste für das 1.Quartal 2026 https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/to-want-liste-2026-q1/ https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/to-want-liste-2026-q1/#comments Mon, 12 Jan 2026 00:00:00 +0000 Begabung im Flow Begabung & ND https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/to-want-liste-2026-q1/ Weiterlesen

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Ein wichtiger Leitstern für meine nächsten zwölf Wochen: meine To-Want-Liste.

Noch eine Liste? Muss das sein?

Keine Sorge. Ich schreibe schon lange nur noch To-Want-Listen – oder, wenn du so willst: Schöpferlisten – und keine To-do-Listen mehr.

Der entscheidende Unterschied liegt nicht im Papier, sondern in Absicht und Ausrichtung, mit der ich sie schreibe: Eine To-do-Liste klingelt mir in den Ohren wie ein weiteres Pflichtprogramm. Eine To-Want-Liste wirkt wie ein inspirierender Kompass – sie erinnert mich an meine freudvolle Orientierung, an den größeren Kontext meines Wirkens und unterstützt mich dabei, meinen inneren Kompass immer wieder fein nachzujustieren.

Ein Abdruck von Naturmaterial im Sand: Metapher für eine Blaupause

Eine To-Want-Liste kann wie eine Blaupause wirken: Mit der Niederschrift setze ich die Absicht – der Plan ist angelegt und entfaltet sich Schritt für Schritt.

To-do oder to want? Die etwas andere Perspektive

  • Pläne und Tätigkeiten müssen nicht automatisch schwer sein. Eine Liste kann auch ein Kreativraum sein: eine Art Werkbank, auf der Ideen liegen dürfen, bis ihre Zeit gekommen ist.
  • Ich stelle mir das so vor: Wenn ich die Liste notiere, beauftrage ich meinen inneren, neurodivergenten „Großrechner“ im Hintergrund. Der liebt viele offene Tabs gleichzeitig. Mein Alltagsbewusstsein hingegen muss dann nicht dauernd wie ein Browser-Wächter danebenstehen.
  • Dadurch entsteht bei mir nicht das Gefühl, mir noch mehr aufzuhalsen. Im Gegenteil: Sobald ich meine Vorhaben aufschreibe, müssen sie nicht mehr permanent in meinem Kopf kreisen. Sie sind an einem sicheren Ort abgelegt – das befreit und entlastet mich.
  • Der Großrechner läuft weiter: zuverlässig, ruhig, wach, kreativ vernetzt – und offen für Impulse und passende Gelegenheiten, die ich später aufgreifen kann.
  • Dazu ein paar kurze Fakten: 

- Der 1-10%-Mythos – die Idee, wir würden nur „1-10 %“ unseres Gehirns nutzen, gilt als widerlegt; Bildgebungsstudien zeigen Aktivität in vielen Arealen, je nach Aufgabe unterschiedlich verteilt.

- Das Default-Mode-Netzwerk – ein „Ruhemodus-Netzwerk“ des Gehirns: Es ist besonders aktiv, wenn wir nach innen gehen, tagträumen, uns erinnern oder reflektieren. Das passt ziemlich gut zu der Metapher mit dem Großrechner – und ist ein guter Grund, schöpferische Pausen ernst zu nehmen, um geistige Nahrung zu integrieren!

- Neuroplastizität – die Veränderbarkeit des Gehirns: Durch Erfahrung und Übung können sich Verbindungen stärken und klüger vernetzen. Der „innere Server“ wird also nutzungsabhängig mit der Zeit anders (und oft auch besser) konfiguriert.

Strukturmuster im feuchten Sand am Strand, mit wellenförmigen Linien und kleinen Vertiefungen

 Strukturmuster im Sand: Auch in unserem Gehirn ordnen, vernetzen und verändern sich Prozesse – und entfalten sich Schritt für Schritt.

  • Ich habe festgestellt: „To-Dos“ lassen schnell ein Gefühl von Verpflichtung entstehen. Eine To-Want-Liste erinnert mich eher an eine freudvolle Ausrichtung und an das, was wachsen will.
  • To-Want-Liste / Schöpferliste – eine Wunsch-und-Wirk-Liste: Die Motivatoren im Hintergrund sind Dinge, die ich wirklich tun möchte. Und manches tue ich, weil es einem übergeordneten Zweck dient, der sich sinnstiftender anfühlt als das einzelne To-do.
  • Das macht einen kleinen, aber entscheidenden Unterschied: Reframing (Umdeutung):  ich gebe einer Sache eine Bedeutung, die mich in Bewegung bringt. Entweder ich gräme mich, weil noch zwei Steuererklärungen auf Halde liegen (ja, gerade tatsächlich). Oder ich nehme mir einen Moment Zeit und stelle mir genüsslich vor, was nach den Investitionen der Neugründungsphase möglich wird, wenn Rückerstattungen fließen.

Warum ausgerechnet ein Quartal?

Ein Jahr ist lang – manchmal zu lang, um es innerlich wirklich greifen zu können.

Ein Quartal dagegen ist wie eine überschaubare, gut begehbare Wegstrecke: Wie gestalte ich die kommenden zwölf Wochen? Das bringt Struktur, ohne die Lebendigkeit zu verlieren oder zu überfordern.

Ufer am Maschsee, Weg aus Holzbolen

Ähnlich der 1%-Methode: "Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein." Beppo der Straßenkehrer aus „Momo“ von Michael Ende

Wie ich diese Liste benutze

Ich schreibe sie nicht, um sie abzuhaken. Ich schreibe sie, um die spürbar sinnvolle Verbindung zwischen mir selbst und meinen Themen in der Balance zu halten :

- Was fühlt sich jetzt wirklich stimmig an?

- Was darf reifen, bis die Knospe fast von selbst aufspringt?

- Was lädt mich jetzt schon ein, den nächsten Schritt zu gehen – konkret und praktisch?

Manche Punkte werden schnell Wirklichkeit. Andere bleiben wie Samen im Umschlag: vorbereitet, beschriftet, bereit – und doch nicht ständig in meiner Hand oder wie weiteres Gepäck auf meinen Schultern.

Kirschblüte: üppige Vielfalt um ihrer selbst willen.

"Und es kam der Tag, da das Risiko, in der Knospe zu verharren, schmerzlicher wurde als das Risiko, zu blühen." Anais Nin Foto: Sarah Gewecke

Und nun endlich meine Schöpferliste für Q1/2026:

Business & Angebote

  • Konzept überarbeiten für das Seminar „Alles im Wandel!? Offen, kreativ und gelassen in herausfordernden Zeiten“.
  •  März-Reise nach Langeoog zur Seminarleitung (s. o.) – mit meinem Ehemann: Inselzeit als Paar bewusst mit einplanen und alles buchen.
Der Leuchtturm auf Langeoog

Vorfreude: Wiedersehen mit einem vertrauten Ort: 2023 habe ich dort Texte geschrieben, jetzt leite ich ein Seminar.

Website, Blog & Technik

  • Chimpify*-Funktionen im Selbststudium vertiefen – mit dem Selbstlernkurs von Inboundly (Plattform für Blog, Website, perspektivisch Online-Module).
  • Blog weiterentwickeln: Kategorien erweitern, weitere Artikel anlegen, Formatierungen verfeinern.
  • Businessplan überarbeiten und bei CoCo – Frauen gründen einreichen.
  • Steuererklärungen 2024/ und 2025 in einem Rutsch…um zu…(s.o.)
  • Launch-Sisters-Kurs gründlich durcharbeiten zur Erstellung eines professionellen Online-Kurses.
  • Begleitkurs „Neurodivergenz“ launchen (Gruppenformat + Online-Module) und die Module anhand der Feedbacks der Pilotgruppe bedarfsgerecht überarbeiten.
  • Motivierte Teilnehmende gewinnen: spätestens zum 01.04.2026 startet ein neuer Gruppenkurs!
  • Einstieg in den Kurs zur Vorbereitung des Online-Kongresses rund um das Thema Neurodivergenz im Juni 2026.

Körper, Rhythmus & Natur

  • Wieder auf den Golfplatz, sobald es passt. Ersatzprogramm: regelmäßig walken/ spazieren gehen, erste Gartenarbeiten im März.
  • Indoor-Bewegungsroutine für Schmuddelwetter etablieren: u.a. Übungen aus „Original Strength“ erkunden.
Zweig mit rosa Blüten: Wenn die Natur erwacht...

Wie bei den Frühblühern: was im Frühjahr gesät wird, können wir im Herbst ernten.

Privates, Musik, & Nahrung für den Geist

  • Geige oder Bratsche wieder regelmäßig spielen: den Körper durch den Klang spürbar in Resonanz bringen.
  • Den Frühsommer-Urlaub planen (Frankreich?) – und regelmäßig analog lesen, privat und fachlich.
  • Meinen Geburtstag gebührend feiern und Freundschaften pflegen.
  • Ein Knoten platzt!

Sollen oder Wollen: Wie hältst du es mit Listen? Ich freue mich über deinen Kommentar.

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Mein Motto 2026: Ich bin, die ich bin – irgendwann kommt es sowieso raus... https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/mein-motto-fuer-2026/ https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/mein-motto-fuer-2026/#comments Sat, 10 Jan 2026 23:39:00 +0000 Begabung im Flow Wesensfragen https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/mein-motto-fuer-2026/ Weiterlesen

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Dieses Foto zu meinem Jahresmotto ist vor längerer Zeit in einem Park entstanden: Ich habe mich dort ganz spontan von einem Magnolienbaum "verführen" lassen. Ein Ast wuchs so niedrig und war so weich geschwungen, fast wie eine kleine Wiege, so dass ich mich ganz spontan einfach mal so hineingelegt habe. Mein Mann hat in genau diesem Moment abgedrückt.

Und während ich dort lag und mich gefreut habe wie ein Kind, passierte etwas Überraschendes: Ich realisierte, dass in mir gefühlt ein anderes „Betriebssystem“ angesprungen war. Plötzlich war da nicht das übliche, ganz offensichtlich unbewusste Abwägen, kein inneres Scannen nach Erwartungen, kein „Was denken die anderen?“. Da war nur dieses schlichte, unangestrengte: So bin ich, wenn ich einfach bin, wie ich bin – unbekümmert, spielerisch, präsent.

Und es hatte auch noch einen Hauch von „verboten“ – oh je … Denn erst im Nachhinein haben wir gesehen, dass man sich dort eigentlich nicht in den Baum legen sollte – vermutlich, weil sich viele Menschen von dieser „Wiege“ ebenfalls eingeladen fühlen… Und das ist genau der Punkt: Manchmal erlaube ich mir Lebendigkeit erst dann ganz, wenn der bewusste oder unbewusste Verstand kurz aus dem Weg geht!

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Hier fühle ich mich wohl und ganz verbunden: getragen von einer alten Magnolie.

In dieser Situation wurde mir bewusst, wie häufig sonst ein innerer Anteil übernimmt, der wie ein Kontrolleur arbeitet: Er hält mich in Form, er prüft, ob es „passend“ ist, er lässt mich durch die Augen anderer schauen. Oft ist das ein Versuch, Schamgefühlen aus dem Weg zu gehen; genau genommen: nicht durch Urteile von Anderen beschämt zu werden. Und ist es nicht traurig, wenn wir versuchen, „anders“ zu sein, nur um ja nicht negativ beurteilt zu werden oder irgendwie dazuzugehören?

Einen etwas anderen Akzent hat Oskar Wilde in dieser berühmten Äußerung gesetzt: „Der Mensch ist am wenigsten er selbst, wenn er in eigener Person spricht. Gebt ihm eine Maske, und er wird euch die Wahrheit sagen.“ – In dem Kontext der vertrauten Art von sozialer Sichtbarkeit greifen in der Regel Erwartungsmanagement und Selbstkontrolle. Unter einer „Maske“ im Sinne von Anonymität hingegen fällt der Blick der anderen als Korrektiv teilweise weg – und dadurch wird Spontanität leichter zugänglich. Anonymität schafft dann einen Schutzraum: Der innere Kontrolleur kann sich entspannen, Spontanität wird zugänglicher, Wahrhaftigkeit darf erstmals „Probewohnen“. Und genau das ist mein nächster Schritt: Echtheit darf auch erst einmal Übungsraum brauchen, um in mir selbst einen sicheren Platz zu finden.

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Kurz in der Fotobox verschwinden, herzlich lachen, wieder auftauchen – und ich frage mich, warum ich das nicht öfter mache. 


Und jetzt mal ganz "in echt": Drei Schritte, die mein Motto im Alltag verankern. 

1. Sichtbar werden, wie es mir entspricht: Ausdruck statt Performance

Für viele neurodivergente Menschen ist „Masking“ (= sich bewusst oder unbewusst so anpassen, dass man möglichst „unauffällig“ oder „normotyp“ wirkt) ein täglicher Kraftakt – im Autismus-Spektrum ist es oft besonders ausgeprägt. Das kostet enorm viel Energie, weil permanent Selbstbeobachtung und „Korrektur“ mitlaufen. Dieses Motto ist für mich auch eine Einladung, diese Muster Schritt für Schritt abzulegen.

Die Fotos erinnern mich daran, dass ich die innere Instanz, welche einmal meinem Schutz diente, nicht bekämpfen muss, sondern dass ich jetzt wählen kann, ob ich ihr folge oder nicht.

Darum geht es für mich 2026 und weil es in dieser Form der zweiten Selbständigkeit so unausweichlich um authentische Sichtbarkeit geht:

Ich bin, die ich bin – irgendwann kommt es sowieso raus.


Ich mag diesen Satz, weil er mich gleichzeitig entlastet und aufrichtet. Er erinnert mich daran, dass Echtheit keine Leistung ist, die ich „hinbekommen“ muss. Diese zeigt sich – nein: ICH BIN. Punktum. In Gesprächen, in Entscheidungen, in dem, was ich ausstrahle, wenn ich nicht versuche, irgendetwas zu glätten oder zu verstecken. Ohne Anpassung, ohne Maske.

Mir dürfen auch mal die Mundwinkel entgleisen – tun sie ohnehin gelegentlich: Meine Tochter spiegelt mir immer wieder einmal, ich hätte eine lebendige Mimik. Und eine Schauspielerin hat mir vor Jahrzehnten zu meiner Überraschung einmal bescheinigt, ich hätte ein Theatergesicht … in echt, nicht auf der Bühne! Warum sollte ich das also verstecken?

Das Motto wirkt auf den ersten Blick leicht und humorvoll. Für mich hat es jedoch auch eine ernsthafte, klärende Seite: Er erinnert mich daran, dass ich auf Dauer nicht gegen mich selbst leben kann. Was ich wirklich bin, was mir entspricht, welche Werte mich leiten – all das findet jetzt seinen Weg nach außen.

Und genau darin liegt für mich die Kraft: 2026 darf ein Jahr der Selbstakzeptanz, der Echtheit und meiner inneren Wahrheit werden. Ein Motto ist wie ein Leitstern – es hilft mir, im Alltag schneller zu spüren, was wirklich passt, und welcher nächste Schritt stimmig ist.

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Der Schalk im Nacken darf erst einmal Probewohnen...


2. Verkörpern statt verhandeln: Ich übe „ICH BIN“

Und das möglichst einfach: Ich werde den Satz immer wieder laut aussprechen. Ja, laut. Tatsächlich: das kann sich im ersten Moment ein bisschen … eigenartig anhören. Genau deshalb wirkt es: Ein Satz, der nur gedacht wird, bleibt leicht im Kopf stecken. Laut gesprochen bekommt er Körper, Klang und Präsenz – und erzeugt durch die Schwingung ganz konkret eine spürbare Resonanz.

Dann halte ich kurz inne und spüre nach: Wie fühlt sich dieser Satz in meinem Körper an? Wird der Atem weiter? Entsteht mehr Raum? Meldet sich Widerstand – so ein inneres „Ja, aber …“? Oder ist irgendwo ein freudiges, aufgeregtes Kribbeln spürbar? Mit jeder Wiederholung entstehen neue Spuren im Nervensystem. Und es kann sich jedes Mal anders anfühlen – weil jeder Moment, in dem wir wirklich präsent sind, einzigartig ist. Leben ist immer nur JETZT. Auch wenn unser ewiges „ICH BIN“ niemals wieder exakt die gleiche Form annimmt.

Am Anfang ist die Resonanz vielleicht nur ein kleines Rinnsal – und wenn ich dranbleibe, kann daraus über Monate ein tragender Strom werden. Gleichzeitig dürfen alte Gewohnheiten und nicht mehr dienende Muster in ihrem bisherigen Flussbett nach und nach austrocknen.

Ich werde mir dafür weitere kleine, alltagstaugliche Erinnerungsbrücken bauen:

  • Ein Foto von mir (gern auch einmal vor dem Spiegel, mit diesem „So sehe ich aus, wenn ich ICH BIN“-Blick) aufhängen.
  • Das Motto aufschreiben und sichtbar machen – am Badezimmerspiegel, am Kühlschrank, irgendwo, wo ich es wirklich sehe.
  • Manchmal schreibe ich es mit der nicht-dominanten Hand oder rückwärts, einfach um das Gehirn aus der Routine zu holen – ein kleiner Gewohnheitsbruch.
  • Ich kann es auch körperlich ausdrücken: Wie steht „Ich bin, die ich bin“ gerade jetzt? Wie will es sich jetzt bewegen? Welche Haltung nimmt mein Körper ein, wenn ich ihn führen lasse?
  • Tanze dich selbst zu deiner Lieblingsmusik!
  • Malen oder Singen geht auch…

Unserer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt! Hauptsache, es fühlt sich so richtig gut an!

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Theatergesicht?


3. Meine Räume bewusst wählen: Resonanz statt Rechtfertigung

Das bedeutet insbesondere: ich wähle meine Räume bewusster. Ich merke schneller, wo ich mich innerlich zusammenziehe – und wo etwas in mir aufatmet. Je klarer ich mich ausrichte, desto weniger Energie geht in endlose innere Debatten, und desto mehr bleibt für das, was entstehen will. Das gilt für Beziehungen, für Projekte und auch für mein Business. Ich darf meine Wahrheit verkörpern, statt sie zu begründen. Und ich erlaube mir mein Engagement dort, wo Resonanz möglich ist.

Ein Jahresmotto ist für mich keine Dekoration, sondern ein innerer Kompass. Es bündelt Richtung, Haltung und Prioritäten – wie ein innerer Nordstern. Und wenn diese Ausrichtung wirklich stimmt, entsteht oft eine eigene Form von Sog: nicht durch Schaustellerei oder Lautstärke, sondern durch Klarheit, Wiedererkennbarkeit und innere Stimmigkeit: auf fachchinesisch auch „Kohärenz“ genannt.

Es hilft mir außerdem, Haltungen und Entscheidungen nicht jedes Mal neu abzuwägen und innerlich zu verhandeln. 2026 möchte ich nicht mit einer langen Vorsatzliste beginnen, sondern mit einem Satz, der mich durch das Jahr begleitet: Er erinnert mich im Gefecht des Alltags immer wieder daran: Was ist wirklich meines – und was ist nur Anpassung? Keep it simple! Das, was uns tagtäglich umgibt, ist doch schon kompliziert genug, oder etwa nicht?!

Wenn DEIN Motto wirklich zu dir passt, entstehen daraus oft fast unmerklich die nächsten sinnvollen Schritte:

Die klassische Vorsatzliste wirkt dann vielleicht plötzlich kleiner – oder sie sortiert sich von selbst.

Hast du schon ein Motto, das dich „in guten wie in herausfordernden Zeiten“ durch 2026 trägt? Hinterlasse es gerne in den Kommentaren: Das legt ein weiteres Zeugnis davon ab, dass du es ernst nimmst – wenngleich nicht schwer … „Traust“ du dich schon?

IMG 7527 tinifiedOhne Worte...Foto: Sarah Gewecke


Und jetzt du in echt? Was wäre, wenn du dir Woche für Woche einen kleinen Moment schenkst, in dem du wieder bei dir ankommst – bevor du dich zu lange im Außen verlierst?

Wenn du solche Anker magst: In meinem Newsletter bekommst du Impulse, die dich dabei unterstützen, dein Motto nicht nur zu denken, sondern im Alltag zu verkörpern.

Ganz nach dem Motto: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ (Erich Kästner)

Möchtest du dir diese Impulse sichern und sie wirklich nutzen? Dann trage dich gerne hier ein. Du willst noch tiefer eintauchen? Dann melde dich gerne bei mir zu einem unverbindlichen Orientierungsgespräch. Ich bin gern an deiner Seite.





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Jahresrückblick 2025: Richtungswechsel, Neurodivergenz und Begabung im Flow https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/jahresrueckblick2025/ https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/jahresrueckblick2025/#comments Tue, 06 Jan 2026 17:52:00 +0000 Beseeltes, Inspirierendes und Persönliches https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/jahresrueckblick2025/ Weiterlesen

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1. Was passiert, wenn du ausgetretene Pfade verlässt?

Wahrscheinlich kennst du diesen Moment: ein Teil in dir weiß längst, dass eine Veränderung ansteht. Vielleicht nicht, weil alles in deinem Leben "schlecht" ist, sondern weil dein Inneres mehr Raum einfordert und du diesen inneren Ruf nicht mehr ignorieren kannst oder willst.

2025 war für mich ein Jahr, in dem ich diesem Impuls endlich gefolgt und die ersten Schritte gegangen bin. Ich habe neu gegründet und begonnen, „Begabung im Flow“ aufzubauen. Unterwegs habe ich erlebt, wie mein eigener Weg entsteht, wenn ich entschlossen vertraute Pfade verlasse und aufhöre, mich an fremden Maßstäben auszurichten, in der Hoffnung, doch noch irgendwie dazuzugehören.

Die letzten Jahre waren voller Übergänge: aus einer bisherigen beruflichen Rolle als fachärztliche Psychotherapeutin in ein neues Wirken als Coach und Mentorin; von „Wo soll ich anfangen? Ich habe so viele Ideen und Möglichkeiten...“ in Richtung: „Ich lege eine neue Spur und der Weg wird sich beim Gehen finden.“ 

Neurodivergenz verstehe ich in diesem Kontext nicht als Etikett, sondern als Landkarte: Hochbegabung, Vielbegabung, Hochsensibilität und andere neurodivergente Phänomene aus dem Spektrum von ADHS  (Aufmerksamkeit und Impulse werden anders gesteuert) und Phänomenen des Autismusspektrums (ASS:  Wahrnehmung und Reizverarbeitung sind anders organisiert).  Mich hat dabei vor allem eine Frage beschäftigt: Wie können Menschen mit diesen Merkmalen und ihrer Wesensart, mich selbst eingeschlossen, nicht nur „funktionieren“, sondern privat wie beruflich stimmig leben und arbeiten? Und wie kann ich eine gute Wegbegleiterin für andere sein? 

Es ging um Weite trotz Struktur, um Neuorientierung und Ausrichtung und um das Vertrauen, dass echte Resonanz nicht erzwungen werden muss.

Dieser Rückblick soll kein Hochglanzbericht sein, auch wenn ich dieses Jahr als sehr reich erlebt habe und viel Dankbarkeit spüre. Er ist ein Innehalten an Wegmarken: von Entscheidungen, die etwas in Bewegung gebracht haben, von Lektionen, die ich mir nicht ausgesucht hätte und von der Freude darüber, was möglich wird, wenn man der eigenen Richtung treu bleibt. 

Vielleicht findest du darin auch Stellen, an der dein eigener innerer Kompass sich meldet und dein Herz höher schlägt?

Ein ausgetretener Wanderpfad in Griechenland

Neue Wege erkunden – denn "jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ (Hermann Hesse)

1.1. Der innere Kompass: von der Anpassung an äußere Maßstäbe hin zu mehr Verbundenheit mit uns selbst

Wir leben in einer Zeit voller Erklärungsmodelle. Die Definition von Normen, psychologische Konzepte, Diagnosen, wissenschaftliche Studien, spirituelle Deutungen - und auch all die Systeme, die seit Jahrhunderten versuchen, menschliches Erleben zu ordnen. Das alles kann hilfreich sein. Es kann benennen, beruhigen, Verständnis schaffen. Es kann sogar Orientierung geben, wenn innen gerade alles unübersichtlich ist.

Und zugleich beginnt etwas Wesentliches dort, wo wir beginnen, den Blick wieder mehr nach innen zu wenden: zu den Botschaften unseres Körpers, zum eigenen Erleben und Empfinden sowie den feinen, oft subtilen Signalen jenseits der Gedanken. 

Will ich das wirklich? Fühlt sich das stimmig an? Passt das zu mir?

Ein inneres Koordinatensystem widerspricht äußeren Landkarten nicht. Es setzt nur einen anderen Schwerpunkt: Es ordnet sie ein. Es nutzt sie als Angebote - und macht sie nicht mehr zum obersten Maßstab. Nicht die aktuellste Studie entscheidet, was sich für mich und dich stimmig anfühlt. Nicht ein Test, ein Konzept oder eine Rolle diktiert, wie du reagieren „müsstest“. Du beginnst, dein eigenes „Ja“ und „Nein“ wieder zu erkennen - nicht als willkürlichen Impuls, sondern aus einer inneren, verkörperten Klarheit heraus.

Und diese Klarheit entsteht selten allein durch Denken. Sie wird über den Körper zugänglich: über bewusste Entschleunigung, den Atem als Anker, das Hineinspüren in Kontexte, Erdung, Leben in natürlichen Rhythmen - und über gelebte Erfahrung, in der du dich selbst wieder wahrnimmst, statt dich unbewusst mehr oder weniger wohlwollend zu bewerten.

1.2. Begabung im Flow

Ich habe 2025 wieder einmal realisiert, wie zwingend notwendig dieser Orientierungspunkt ist - gerade dann, wenn im Außen vieles gleichzeitig in Bewegung ist. Und ich habe erlebt, wie ich mich von mir selber entferne, wenn ich die subtilen inneren Signale im Lärm von Informationsfluten, To-do-Listen und gut gemeinten Tipps von anderen übergehe. 

Aus diesem Verständnis heraus ist „Begabung im Flow“ organisch gewachsen: als ein Entwicklungsraum, in dem äußere Landkarten ihren Platz haben dürfen - und zugleich die Rückverbindung mit dem inneren Kompass wieder gestärkt wird. Nicht als Methode allein „über den Kopf“ oder durch unzählige Tools, sondern als ein Weg, der Menschen über die Harmonisierung von Denken, Fühlen und Handeln mit ihrem inneren Koordinatensystem rückverbindet, damit Entscheidungen nicht nur vernünftig wirken, sondern sich auch stimmig anfühlen.

Gelebte Neurodivergenz: Begabung im Flow

Kein Flow ohne Wandel: "Man steigt nie zweimal in den gleichen Bach." Heraklit

2. Meine Themen und Highlights in 2025

2.1 Endlich wieder selbständig - und ein neues Verständnis von „Sicherheit“

Lange dachte ich, dass ein Kassensitz so etwas wie eine berufliche Lebensversicherung ist. Doch in der Realität kann dieses Gefühl von Sicherheit auch eine Illusion sein. Denn die letzten Jahre haben mich noch einmal gelehrt: Sicher ist eine berufliche Existenz nur dann, wenn ein System zur eigenen Person passt - nicht nur auf dem Papier, sondern im gelebten Alltag.

Ein Teil meiner Neugründung war deshalb nicht nur ein beruflicher Schritt, sondern ein innerer: basierend auf der Entscheidung, meinem eigenen Weg und Rhythmus zu folgen - dem, was mein Körper längst wusste und ich lange versucht hatte zu übergehen:  Es war eine zwingende Notwendigkeit geworden, weil meine Visionen, Werte, meine persönlichen Bedürfnisse und mein Arbeitsrhythmus nach einer anderen Form des Wirkens gerufen haben.

2.2 Vom Mut zur Sichtbarkeit und einem Wettbewerb ohne Rückenwind

Im November lag auf einmal wie gerufen bei uns im Arbeitszimmer eine Zeitschrift, in der ein attraktiver  Gründungswettbewerb beworben wurde. Ich entschied mich kurzerhand für die Teilnahme - und reichte meine Bewerbung in den letzten Minuten am 6. Januar 2025 ein.

Leider gab es gleich zu Beginn eine erste Ernüchterung. Mit meinem umfangreichen und sorgfältig ausgearbeiteten Konzept zum Thema „Coaching und Mentoring für Hoch- und Vielbegabte und bei Hochsensibilität" schied ich bereits in der ersten Runde aus - und auch das angekündigte Feedback blieb am Ende wenig aussagekräftig: "Eigentlich fehlt nichts... vielleicht mehr Skalierung (aber das sei ja im Coachingbereich nicht so einfach) oder KI- Einsatz?"

Möglicherweise ist ein Aspekt der fehlenden Resonanz auch dem folgenden Umstand "geschuldet": In Deutschland wurde Hochbegabtenförderung lange mit ungerechter Bevorzugung assoziiert, und der Begriff "Elite" galt historisch als suspekt. Diese Prägung schwingt neben einigen anderen Vorurteilen im öffentlichen Umgang mit Hochbegabung bis heute mit - während die Debatte in anderen Ländern teils anders geführt wird und die Förderung der mit Gaben reich Gesegneten üppiger ausfällt. Und neben dem erheblichen persönlichen Leid, das eine unzureichende Förderung häufig mit sich bringt:  können wir es uns angesichts der hohen Komplexität unseres Lebens als Gesellschaft leisten, so viel Potenzial ungenutzt und brach liegen zu lassen?

Dennoch und gerade deshalb sollte mich das nicht davon abhalten, unbeirrbar zu bleiben: Das Pitchdeck, welches ich mit so viel Sorgfalt und Freude gestaltet hatte, wurde zu einem tragfähigen Fundament. Wenn ich heute auf die Roadmap von damals schaue, staune ich, wie klar die Meilensteine schon angelegt waren. Ich bin ihr treu geblieben - und genau daraus ist im Laufe der nächsten Monate „Begabung im Flow“ gewachsen. Und vieles von dem, was ich für die Realisierung des Ganzen benötige, hat sich unterwegs tatsächlich fast beiläufig vor mir aufgetan: Informationen, Kurse, Kontakte...

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"Wenn ein Mensch nicht weiß, welchen Hafen er ansteuert, ist kein Wind der richtige.“ (Seneca, Epistulae morales ad Lucilium, Brief 71,3)

Und vielleicht ist das die wichtigste Lernerfahrung, die ich daraus mitnehme: „Dem Gehenden schiebt sich der Boden unter die Füße.“ (Martin Walser). Der Weg entsteht erst im Gehen. Auch wenn die Vision und die innere Gewissheit, dass sie manifest wird, schon da ist, lässt sich der Verlauf nicht vollständig vorausdenken. Man kennt noch nicht die ganze Strecke, manchmal nicht einmal die nächste Kurve. Und doch zeigt sich mit jedem Schritt ein Stück mehr: ein Kontakt, eine Idee, eine Möglichkeit, die vorher noch gar nicht sichtbar war.

Wir haben Einfluss darauf, wie wir unsere Aufmerksamkeit lenken und welchen nächsten Schritt wir wählen. Wir können uns ausrichten, Prioritäten setzen, offen bleiben für Möglichkeiten  und für das, was sich stimmig anfühlt. Aber wie sich die Dinge dann tatsächlich fügen - welche Türen sich öffnen, welche Umwege nötig werden, welche Begegnungen tragen - das entzieht sich zu einem großen Teil unserer Kontrolle. Genau darin liegt für mich die Magie und die Bedeutung von Hingabe: nicht alles perfekt zu planen oder ängstlich zu warten, sondern weiterzugehen, damit der ganze Plan mit jeder Wegstrecke etwas weiter enthüllt wird.

2.3 Eine Teamcoachingausbildung? Wozu das?

Im Juni 2024 habe ich mich bei  dem Anbieter Certycoach für die Teamcoaching-Ausbildung (für ausgebildete Coaches/ Therapeuten oder in Teamarbeit Erfahrene) angemeldet - noch ohne ganz genau zu wissen, wofür. Erst mit dem Beginn im Herbst und nach dem ersten Präsenzwochenende wurde der Sinn dahinter langsam deutlicher: Diese Ausbildungsgruppe mit 24 TeilnehmerInnen war außergewöhnlich offen und inspirierend: geballte Berufs- und Führungserfahrung, eine hohe Motivation, bemerkenswerte Reflexionsfähigkeit - und eine echte Bereitschaft, Neues nicht nur zu besprechen, sondern praktisch zu erproben. 

Interessant ist in diesem Kontext: Im sog. Big-Five-Modell (Big Five = fünf zentrale Persönlichkeitsdimensionen) ist genau diese Offenheit für neue Erfahrungen die Dimension, in der hochbegabte Menschen in der Forschung signifikant höhere Ausprägungen zeigen!

Auch aus eigener Betroffenheit heraus wurde mir klar, wie gut es neurodivergenten Menschen, die sich oft nicht ganz zugehörig und „irgendwie anders“ fühlen, tut, in einer Gruppe von Gleichgesinnten zu wachsen: mit Resonanz, Spiegelung und einem Rahmen, der eine wohlwollende und authentische Entwicklung ermöglicht. Und dann war klar: die Arbeit mit und in Gruppen würde ein fester Bestandteil meiner künftigen Angebotspalette werden!

Heute sehe ich darin ein schönes Beispiel dafür, wie unser Inneres - unser Überbewusstsein und unsere Seele - den Weg oft schon kennen und uns entscheidende Informationen dank unseres Spürsinnes und unserer Intuition übermitteln, bevor der Verstand den größeren Sinnzusammenhang erfassen kann...

Ausblick über die Hotelterrasse im Lufthansahotel Seeheim-JugenheimPräsenzwochenenden im Hotel Seeheim: Ein weiter Horizont fördert Überblick und Klarheit im Prozess.

Und dann war da noch „Meta“ - eine kleine Hexe: viel mehr als nur ein Gag! Sie hat uns in den Lern- und Coachingprozessen freundlich und konsequent daran erinnert, immer wieder auf die Metaebene zu wechseln - wahrzunehmen, zu beobachten, zu reflektieren: Also möglichst gar nicht erst in den Autopilotmodus rutschen, sondern die Dynamiken im System sehen und bewusster und wirksamer in der Gruppe/ einem Team sein und begleiten!

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Nicht ohne Meta - damit zwischen Reiz und Reaktion ein Raum für Veränderung entsteht...

Supervision und Intervision zur Qualitätssicherung

Und nicht ohne die anderen "Rising Stars"!

Ein herzlicher Dank gilt in diesem Zusammenhang den "Rising Stars", meiner Teamcoaching-Peergroup, in der wir uns digital vernetzt von Rostock bis in die Südschweiz und nach Frankreich wöchentlich ausgetauscht und bei unseren Projekten gegenseitig beraten und unterstützt haben. Und wir tagen weiter, wenn auch in etwas größeren Abständen!„Nicht ohne Meta": damit aus unbewusstem Agieren wieder Wahlfreiheit im Handeln wird.

2.4 Im Mai wird "Begabung im Flow" lebendig: Die erste Gruppe am Start! 

Im Mai startete ich mit meiner ersten Pilotgruppe: sechs mutige Pionierinnen und zwei Pioniere machten sich auf den Weg, ihre innersten Werte und Visionen zu erkunden sowie ihre Kompetenzen in der Selbstführung und ihr Selbstwirksamkeitserleben zu stärken. Hochbegabung, Vielbegabung und Hochsensibilität bekamen den Raum, der ihnen gebührt - und auch Phänomene aus dem neurodivergenten Spektrum wie ADHS und ASS wurden in den Blick genommen.

Im Zentrum stand insbesondere die Gretchenfrage: Wie kann berufliches Leben wieder stimmig werden, wenn die bisherigen Formen nicht mehr passen? Und was braucht es, damit aus Funktionieren (oder nicht mehr funktionieren können) wieder lebendiges Arbeiten und Erschaffen wird? Manche waren müde aus Langeweile, andere erschöpft von Dauerstress bis hin zum Burnout, wieder andere rangen mit zermürbenden Konflikten, Frust, Überforderung, Zweifeln an Sinnhaftigkeit, oder ein ehemals erfolgreiches Business trug nicht mehr.

Wir arbeiteten in einem vielfältigen Format: Einzelgespräche, ein Workshoptag mit der Assistenz meiner Teamcoaching-Kollegin Katrin Schroeder, regelmäßige Gruppentreffen im Hybridformat, vernetzt von Rostock bis Hannover - in einem gemütlichen Raum, im Sommer sogar im Park. Hinzu kamen begleitende Module zur Selbstreflexion und Wissensvermittlung. 

Viele kreative Schreibstunden: Module, Posts...und ab 2026 auch Blogartikel!

Es wurde ausprobiert, sortiert, verworfen, neu entworfen - und manches alte Thema oder Muster wurde tief transformiert. Am Ende standen zahlreiche neue Perspektiven: eine veränderte Haltung im gleichen Beruf, manchmal ein klarer Neuanfang oder der erste Schritt in Richtung Selbstständigkeit.

Und es gab Aspekte, die ich vorher nicht hätte planen können: Ich habe in dieser Gruppe nicht nur gegeben. Neben vielen konstruktiven und positiven Rückmeldungen bekam ich etwas, das für mich von unschätzbarem Wert war: die Bestätigung, dass mein Konzept trägt - dass es aufgeht und funktioniert. Und darüber hinaus noch ein Geschenk, mit dem ich nicht gerechnet hatte...

2.5 Geben & Nehmen: Ein gemeinsamer Aufbruch ins CoCo- Frauen gründen -Programm

Eine Teilnehmerin meiner Pilotgruppe entdeckte das Programm CoCo- Frauen gründen und wir bewarben uns spontan zu viert. Wir wurden alle genommen. 

Ich liebe diese Dynamik: Wenn Menschen gemeinsam wachsen, entstehen Verbindungen und Möglichkeiten, die niemand alleine planen kann. Für mich war das ein Zeichen von stimmiger Resonanz - und zugleich eine sehr konkrete unerwartete Unterstützung auf meinem Weg: eingebunden in eine Gemeinschaft, mit gegenseitiger Ermutigung und dem Vertrauen, dass sich Schritte manchmal genau dann fügen, wenn die innere Ausrichtung stimmt, Offenheit für neue Erfahrungen da ist, und wir nicht verkrampft nach Lösungen suchen.

2.6 Sichtbarkeit & Lernen: Vom Konzept ins echte Leben

Über den Sommer und Herbst war ich intensiv beschäftigt: die Gruppe begleiten, Module weiter ausarbeiten, Erfahrungen sammeln - und gleichzeitig Sichtbarkeit aufbauen. Ich habe auf LinkedIn und Instagram und ferner auch bei Facebook Schritt für Schritt eine Community entstehen sehen.

Zeitweise fühlte es sich an wie ein Zweitstudium: so viele neue Dinge, so viele Ebenen - Inhalte, Technik, Struktur, Kommunikation und immer wieder nach innen gehen und die eigene Ausrichtung nachjustieren... 

Im Kontrast zu der Wettbewerbserfahrung habe ich seither etwas anderes erlebt: im Austausch über Hochbegabung, Vielbegabung sowie Leben und Arbeiten mit Neurodivergenz begegne ich fast durchweg Interesse, offenen Fragen und echter Resonanz. Eine vergleichbare Erfahrung wie dort ist mir seither nicht mehr begegnet.

Porträt von Dr. Hanna Steffen an Baum mit Kirschblüte. Foto: Sarah Gewerke

Sichtbarkeit? Oje...ich bin lieber hinter der Kamera als davor... dazu unten mehr! Foto: Sarah Gewecke

2.7 Co-working und Netzwerken: vor Ort, digital – und zwischendurch Natur

Ein weiterer wichtiger Faden in 2025 waren Netzwerke, die sich organisch entwickelt haben. Ich habe gemerkt, wie sehr es mich stärkt, nicht alles allein zu tragen, sondern mich mit Menschen zu verbinden, die ähnlich unterwegs sind - manchmal ganz praktisch in einem eigenen Gründungsprozess oder auf einer tieferen Ebene von Haltung und Verständnis.

Vor Ort in Hannover und dank der Aktivitäten von Hannoverimpuls sind neue Kontakte mit anderen GründerInnen und tragende Ideen entstanden, auch über Coworking und "zufällige" Begegnungen im Alltag. Gleichzeitig hat sich mein Netzwerk digital erweitert: über CoCo Frauengründen, über die Lounge Sisters und über Menschen, die an ähnlichen Themen arbeiten oder ähnliche Fragen bewegen, z. B. über LinkedIn oder Instagram. Bei den Lounge Sisters bekomme ich gerade eine sehr hilfreiche Anleitung, um einen Onlinekurs professionell aufzusetzen – Schritt für Schritt und mit einer guten Struktur.

Und bei all dem war für mich immer wieder die Natur ein nährender Ausgleich: weg vom Bildschirm, zurück in den Körper und raus an die frische Luft. Ich merke zunehmend: Mein produktivstes Denken, meine klarsten Entscheidungen und meine tragfähigsten Ideen formen sich, wenn Verbindung da ist - zu anderen Menschen und genauso in stillen Zeiten mit mir selbst.

Die Natur unterstützt uns dabei, vom Kopf in den Körper zu kommen.

Zwischen zwei Texten die Wintersonne genießen...

2.8 Der Weg ins World Wide Web

Ein eigenes Kapitel verdient die Entstehungsgeschichte der neuen Website. Wochenlang lag sie nach einer größeren Panne bei dem Versuch, sie auf Wordpress zu erstellen, von mir vorbereitet in Canva - gefühlt fast „fertig“, aber noch nicht wirklich geboren. Doch in dem Moment, in dem ich innerlich losließ, dass sie in diesem Jahr noch veröffentlicht wird, öffnete sich plötzlich und unerwartet endlich die entscheidende Tür.

Eine Woche vor Weihnachten migrierte die Seite in Siebenmeilenstiefeln noch geschwind vor dem Jahreswechsel in ihr neues Zuhause, bis es kurz darauf noch einmal einen echten Geburtsstillstand gab, weil die gesamte Plattform ausfiel. Ich konnte dennoch in gelassener Vorfreude spüren: Das Timing wird sich wunschgemäß sortieren. Das Leben vollzieht sich nun einmal im Wechsel zwischen Kontraktion und Expansion und lebt von Kontrasten. Diesen Kräften können wir nicht komplett entgehen!

Und tatsächlich: Am 21. Dezember um 17:00 Uhr, eine Stunde nach der Wintersonnenwende, war die Seite wieder erreichbar. Für mich war das noch einmal die Bestätigung einer bedeutenden Gesetzmäßigkeit: Nicht alles lässt sich erzwingen. Manches entsteht gerade dann, wenn durch einen Prozess des Loslassens bei einer weiterhin zuversichtlichen inneren Ausrichtung der Druck weicht...

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Und rechts im Bild? Die Erdkröte Leila, meine treue Begleiterin beim Empfangen und Erden von wichtigen Einsichten und kreativen Impulsen...

2.9. Rauhnachtsbegleitung: Ein Türchen, ein Begleitbuch, drei Begleitabende

Was passiert, wenn 24 motivierte Gründerinnen ihre Kompetenz in einem Adventskalender bündeln? Es entsteht etwas, das keine allein so kreieren könnte: ein Resonanzraum aus Vielfalt, Ermutigung und Unterstützung.

Der Impuls kam aus meinem Netzwerk bei CoCo - Frauen gründen. Eine "CoColina" hatte die Idee, einen gemeinsamen Adventskalender zu gestalten - 24 Gründerinnen, 24 Türchen- gebündelte Erfahrung, interessante Perspektiven und Praxistipps für fast alle Lebenslagen: von KI über Finanzanlagen für Frauen bis hin zu Tipps zur harmonischen Gestaltung des Festes aller Feste...

Mein Türchen war der 22. Dezember, nur einen Tag nach dem Website-Launch. Was für eine weitere wunderbare, ungeplante Fügung! Ich füllte es mit dem Rauhnächte-Begleitbüchlein - doch aus der Idee wurde noch mehr: der Wunsch, nicht nur ein PDF weiterzugeben, sondern einen Rahmen anzubieten, in dem sich das Erleben wirklich vertieft. So entstand die dreiteilige Rauhnachtsbegleitung: drei Online-Abende, die diese Lichtspur nach innen noch tiefer verfolgen - auch noch einmal am 11.1.26 um 19.30 Uhr.

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Die Rauhnächte: eine gute Zeit für eine innere Einkehr und Neuausrichtung

2.10 Noch mehr schöne und besondere Momente in 2025

Beim Durchsehen meiner Fotos aus 2025 habe ich etwas Unerwartetes gespürt: eine tiefe und körperlich intensiv spürbare Dankbarkeit. Erst in diesem stillen Rückblick konnte ich den Reichtum dieses Jahres noch einmal wirklich realisieren – nicht nur als einen Gedanken, sondern als reale Empfindung.

Für mich steckt darin auch eine wichtige Praxis: Das, was bereits da ist, zu würdigen – nicht nur das, was noch fehlt. Sonst rutscht der Blick schnell in einen Mangelmodus, selbst wenn im Außen vieles gelungen ist. Wertschätzung und echte Dankbarkeit verändern die innere „Schwingung“: Sie bringen Weite, machen präsent und lassen inneren Reichtum spürbar werden – auch dann, wenn im Außen noch nicht alles ganz "fertig" oder rund ist.

Vielleicht magst du die folgenden Bilder einfach auf dich wirken lassen – als kleine Sammlung von Momenten, die das Jahr für mich so reich und lebendig gemacht haben.

Ein Küstenabschnitt in Boltenhagen im Winter

Jahresbeginn: eine winterliche Wochenendreise nach Boltenhagen zur Vorbereitung einer Hochzeit

Dr. Hanna Steffen in der Hamburger Oper: Aufführung der Ballettinszenierung der Matthäus-Passion mit dem John Neumeier BallettKunst und Kultur: ein Ausflug nach Hamburg in die Oper zum John Neumeier-Ballett: nicht nur ein großer Künstler, sondern für mich persönlich auch ein Vorbild in seiner herzlichen und warmen Menschlichkeit

Ein abgesägter Baumstamm hält eine Postkarte des Miallion-Quartetts

Noch mehr Natur und Kultur ...

Ausblick über einen See im Allgäu

...auf einer Reise gen Süden zu Verwandten und einer Freundin ins Allgäu

Dr. Hanna Steffen am Strand

Wunderschöner Frühling auf der Halbinsel Sithonia, Nordgriechenland

Wanderung in den Bergen von Sithonia: ein Olivenhain

Und noch nicht zu heiß zum Wandern!

Portrait Dr. Hanna Steffen; Regeneration: den Blick im Sonnenuntergang über dem Golfplatz schweifen lassenSattes Grün im Sonnenuntergang über dem Golfplatz: hier kommt der Geist zur Ruhe.

Schatten von Menschen auf einem Golfplatz

Der Weg ist das Ziel: Eine gute mentale Ausrichtung und Vorbereitung ist die halbe Miete. Nach dem Platzreifekurs wurde das Üben zur liebsten Sonntagsbeschäftigung.

Genusspraxis: Die Sonne über dem Hafen von Stockholm, Spätnachmittag:

Ein echtes Highlight: Familienurlaub in Stockholm.

Gemeinschaft genießen: Mußezeit in der Herbstsonne auf einem BootsstegMußestunden auf einem Boot am Hafen.

Der Leuchtturm auf Wangerooge als Metapher für kompetente Leitung und FührungAlles im Wandel!? Seminarleitung auf Wangerooge als externe Referentin eines großen Fort- und Weiterbildungsinstitutes.

Dr. Hanna Steffen zu Besuch bei ihrer Mutter: Hochbegabung im Alter: auch ein hochbetagter Geist möchte noMeine Mutter und ich beim Texten für meine Webseite: auch ein hochbetagter Geist möchte noch gefordert werden...

Gelebte Hoch- und Vielbegabung: Dr. Hanna Steffen als Fotografin

Bei einer Vielbegabung und Neurodivergenz ist Abwechslung Trumpf: in eine andere Rolle schlüpfen...

Dr. Hanna Steffen: Freude am authentischen Selbstausdruck

...und hinterher Aufwärmen und Spaß haben beim Anschauen der Bilder.

Last but not least ein Foto vom Kaffeetrinken mit Freunden auf dem Marktplatz - etwas, das mittlerweile beinahe schon Tradition geworden ist:

Dienstagmittag im Zooviertel in Hannover, an der mobilen Ape Café Bar. Nicht spektakulär, und gerade deshalb umso kostbarer: Weil Alltag den größten Teil unseres Lebens ausmacht, ist es wertvoll, auch die kleinen schönen Momente bewusst zu würdigen und zu genießen: ein gutes Gespräch, ein vertrautes Lachen, ein kurzer Augenblick von Verbundenheit mitten im ganz normalen Tag. Für mich sind das Momente, die nähren - und dem Jahr auch noch im Rückblick seine Wärme geben.

Freundschaft zeigt sich oft nicht in großen Ereignissen, sondern in einer Tiefe ebenso wie in wiederkehrenden kleinen Momenten, die dennoch immer anders sind: Begegnungen, die frei werden, wenn sie nicht von Erwartungen überfrachtet sind. Ganz im Sinne von Camus:

"Now I know to ask less of them than they can give: a straightforward companionship." (Albert Camus)

Regeneration in Gesellschaft in der Mittagspause

Ein Ritual, das flexibel gehandhabt wird: immer wieder einmal dienstags...

3. 2025 im Rückblick:

3.1 Worauf bin ich 2025 "stolz"?

Auch wenn „stolz“ nicht mein erstes Wort ist: Ich bin sehr zufrieden mit  meinen Richtungswechsel - nicht als spontanen Impuls, sondern als konsequenten Schritt hin zu einem Arbeiten, das zu mir, meinen Werten und meinem inneren Ruf passt. 2025 hat mir gezeigt, dass Klarheit entsteht, wenn ich meinem inneren Kompass mehr Gewicht gebe als äußeren Erwartungen.

Und ich würdige, was daraus ganz praktisch geworden ist: die Begleitung einer Pilotgruppe, aus der heraus ein tragfähiges Konzept mit fundierten Inhalten entwickelt wurde - ein erprobtes Format - und die Erfahrung von Sinn stiftender Wirksamkeit. Ich habe Sichtbarkeit aufgebaut, trotz Hürden mittels Beharrlichkeit eine Website in die Welt gebracht und Netzwerke gefunden, die mich fachlich und menschlich stärken.

Kurz: 2025 war für mich ein Jahr, in dem aus meiner innerer Ausrichtung konkrete Schritte wurden.

3.2 Was waren die besten Entscheidungen, die ich 2025 getroffen habe?

Rückblickend waren es vor allem Entscheidungen, die ich ohne Hadern und Zweifel getroffen habe und welche viel bewegt haben:

  • Mich für meinen eigenen Rhythmus zu entscheiden - und nicht länger gegen meine Werte und Bedürfnisse zu arbeiten.
  • In die Kompetenz zur Leitung von Gruppen zu investieren (Teamcoaching-Ausbildung) - noch bevor mir der Sinn dahinter vollständig klar war.
  • Früh im Prozess mit einer Pilotgruppe zu starten, statt auf den „perfekten“ Zeitpunkt zu warten.
  • Sichtbarkeit als Lernweg anzunehmen: "try and error", mit realen Erfahrungen statt reiner Theorie.
  • Mich in Netzwerken zu verbinden (lokal und digital) - und dadurch Inspiration, Struktur und Rückenwind zu bekommen.
  • In sinnvolle Kurs investieren (Launch Sisters, Kurs zur Erstellung eines Online-Kongresses, The Content Society als Blog-Boost.
  • Das Adventskalender-Türchen zu gestalten und daraus die Rauhnachtsbegleitung entstehen zu lassen.

3.3 Über Lektionen und Lernkurven in 2025: Selbstwirksamkeit statt Ohnmacht

Eine der zielführendsten Fragen in diesem Jahr war u. a. diese: Wo bekomme ich Rückenwind – und wo verausgabe ich mich an dem, was sich kaum bewegen lässt?“

Mein wichtigstes Learning daran: Den Wind kann ich nicht ändern - aber ich kann die Segel anders setzen. Und ich kann lernen, mich konsequenter dorthin auszurichten, wo es echte Resonanz gibt und konstruktive Bewegung entsteht.


Viermal der gleiche Stein in einem anderen Licht: Wie gefällt er dir am besten? Du hast die Wahl!

Der gleiche Stein vier mal im anderen Licht 2 tinified

Ein Labradorith - einer meiner Lieblingssteine: die "Realität"? Alles eine Frage der Perspektive...

Gerade wenn Systeme starr und schwer beweglich sind, ist die Versuchung groß, viel Energie in das zu geben, was sich kaum verändern lässt. Ich kenne das gut - und ich sehe es auch bei vielen Menschen, die mit hoher Sensibilität, Tiefe und Anspruch unterwegs sind: Man merkt sehr genau, was nicht passt - und richtet sich innerlich gelegentlich darauf aus, dass sich die äußeren Umstände ändern müssten. Wenn das ausbleibt, entsteht leicht das Gefühl von Stillstand und Ohnmacht - und nicht selten kippt es äußerlich in einen resignierten Rückzug oder einen Kampf: in Erklären, Überzeugen wollen, ein kraftraubendes sich Reiben an Strukturen.

Dazu gehört für mich inzwischen auch, Menschen dort zu lassen, wo sie mit ihrem Bewusstsein noch sind und vielleicht auch sein wollen oder noch nicht anders können. Nicht als resignierter Rückzug, sondern aus einer Klarheit heraus. Seit ich das beherzige, gerate ich seltener in diese alte Schleife, mich zu erklären oder zu kämpfen - und damit in der Ohnmacht zu landen. Stattdessen richte ich mich auf die Räume aus, in denen Resonanz möglich ist und Entwicklung wirklich stattfindet.

Und diese Haltung hat auch noch einen tieferen Hintergrund: Wiederholte fehlende Resonanz, Abwertungen oder Zurückweisungen prägen oft unmerklich, wie wir uns ausrichten - und sie können deshalb einer subtilen Form von Traumatisierung entsprechen. Umso wichtiger werden Neuorientierung, bis hin zur Reorientierungsreaktion: damit alte Schleifen enden und wieder echte Wahlfreiheit und Selbstwirksamkeit möglich werden.

3.4 Was lasse ich in 2025 zurück?

Ich begrabe den Stolperstein, der mir immer wieder einmal einflüstert, „es“ genüge noch nicht - oder ich müsse mich beeilen: Da wirkt tatsächlich noch eine alte, vermutlich sogar anteilig transgenerationale Prägung, die sich gelegentlich wie ein kleiner innerer Dämon aufführt - er schreibt lange To-do-Listen, auf denen für den Spaßfaktor keine Zeile mehr frei ist. Wenn ich ihn erwische, ziehe ich (mehr oder weniger sanft) an seinem Zügel, atme gründlich durch und gehe weiter in meinem Rhythmus. Ich habe mir die Bedingungen so gestaltet, dass Entwicklung die Zeit bekommen darf, die sie braucht. Denn daraus entsteht die Qualität, die ich weitergeben will.

Neurodivergenz und die Kunst der Entschleunigung: eine Schnecke auf einer weißen Beere

Langsam ist schneller, weniger ist mehr...

3.5 Mein 2025 in Zahlen

Diesen Punkt halte ich bewusst kurz. Zahlen laden schnell zum Vergleichen ein – und gerade als Gründerin sagen sie oft wenig über Tiefe  und die Qualität der Entwicklung aus. Deshalb hier nur ein Fun Fact:

Ich bin 56 Jahre alt und meine Berufstätigkeit begann vor 28 Jahren – das markiert genau die Hälfte meiner Lebenszeit und zugleich den Abschluss meines "ersten" Berufslebens; jetzt schreibe ich ein neues Kapitel und ich bin gespannt, wohin es mich noch führt...

4. Mein Ausblick auf 2026

4.1 Was ich 2026 anders mache

Weniger ist mehr - und ich setze auf Tiefe: statt viele Posts zu produzieren, bündele ich meine Energie in hochwertige Blogartikel, die langfristig wirken und echten Mehrwert bieten. Instagram und LinkedIn bleiben ein Resonanzraum, doch mein Herz schlägt für Inhalte, die bleiben - hochwertig, differenziert und gut auffindbar.

4.2 So kannst du 2026 mit mir zusammenarbeiten:

2026 kannst du mit mir auf unterschiedliche Weise zusammenarbeiten - je nachdem, ob du dir einen klaren nächsten Schritt, einen intensiveren gemeinsamen Prozess oder einen tragenden Raum in einer Gruppe von Gleichgesinnten über mehrere Wochen oder Monate wünschst. 

Alle aktuellen Angebote (Einzelbegleitung oder Gruppenformate mit begleitenden Modulen zur Wissensvermittlung und Reflexion) findest du übersichtlich auf meiner Angebotsseite - dort kannst du direkt schauen, was dich anspricht und wie du vielleicht einsteigen möchtest.

4.3 Weitere Meilensteine für 2026:

  1. Ich werde einen Newsletter aufsetzen und Blogartikel schreiben.
  2. Außerdem kannst du dich auf einen Online-Kongress mit vielen Impulsen und Einsichten rund um die Themen Hochbegabung und Neurodivergenz freuen, der voraussichtlich im Juni stattfindet.
  3. Gegen Ende des Jahres oder Anfang 2027 plane ich eine Zusatzausbildung für Coaches, die ihre Kompetenzen in der traumasensiblen Begleitung von Neurodivergenz vertiefen möchten. Wenn dich das interessiert, melde dich gern - dann setze ich dich für weitere Informationen auf die Warteliste.
Meilensteine sind Orientierungspunkte

Meilensteine können wie Leuchttürme oder Anker wirken, an die wir uns in stürmischen Zeiten erinnern können. 

 Mein Motto für 2026?

Das will erst noch im Laufe dieser Woche "geboren" werden... Darüber mehr in meinen nächsten Blogartikel! Übrigens eine hervorragende Möglichkeit, sich zu Jahresbeginn klar auszurichten! Aber ein Satz kam mir schon einmal spontan:

„Die einzige Sicherheit im Leben ist Veränderung.“

2025 war Veränderung nicht nur ein Tagtraum, sondern wurde zu einer gelebten Realität: Neugründung, Ideen und neue Formate nahmen Gestalt an. Und manchmal kommt es anders als man denkt und sich wünscht. Auch Unvorhersehbares und Unbequemes wollte gemeistert werden - und unterwegs habe ich gelernt, dass Vertrauen und Loslassen manchmal Türen öffnet. 

Insbesondere eine gute emotionale Selbstfürsorge schafft in bewegten oder gar stürmischen Zeiten Vertrauen in den Fluss des Lebens. Diese Weisheit erinnert mich daran, flexibel zu bleiben wenn Pläne wackeln und mich an dem zu orientieren, was bleibt: an meinen Visionen, Werten und meiner eigenen Wahrheit.

Die Verbindung mit der Erde bringt unser Nervensystem zur Ruhe

Und nicht erst, wenn nichts mehr geht: auch einmal niederstrecken und loslassen... Mutter Erde trägt uns immer, auch wenn wir gerade nicht mehr wissen, wo uns der Kopf steht! Foto: Sarah Gewecke

Ich wünsche Dir ein wundervolles Jahr 2026!

Herzlich, Hanna

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