

Die anderen Kinder waren dir manchmal zu laut. Du hast lieber alleine gespielt, nicht weil du niemanden mochtest, sondern weil du auch mal eine Pause gebraucht hast. In der Schule bist du irgendwann in deine Fantasiewelten abgedriftet, weil der Unterricht dich längst nicht mehr erreicht hat. Hausaufgaben haben keinen Sinn ergeben, weil du das entweder schon verstanden hattest oder manche Dinge dir wie böhmische Dörfer vorkamen, egal wie oft du es versucht hast.
Und im Laufe der Zeit, ohne dass jemand anderes es bemerkt hat, wurde aus der Summe dieser Momente die einsame Frage: Was stimmt mit mir nicht? Warum kann ich nicht einfach so sein wie die anderen?
Manche haben dieses Gefühl vielleicht zunächst auch spirituell eingeordnet: als Zeichen einer bestimmten Seelenqualität, einer besonderen inneren Tiefe, einer Verbindung zu Konzepten, die über das Alltägliche hinausweisen, oder noch ganz anders... Es gibt viele Perspektiven und Zugänge um zu versuchen, sich selbst zu verstehen.
Und dann kam vielleicht noch ein anderer Aspekt hinzu: ein Begriff, ein Halbsatz aus einem Gespräch aufgeschnappt, oder ein Artikel, der elektrisiert hat, und plötzlich hat sich etwas neu sortiert. Hochbegabung, Vielbegabung, Hochsensibilität, ADHS oder Autismus-Spektrum… Im Einzelfall sehr individuell geprägte Varianten dessen, was heute auch unter dem Begriff der Neurodivergenz zusammenfindet. Nicht als ein beliebiges Etikett, sondern wie ein Schlüssel, der endlich eine Tür öffnet, die vorher verschlossen war. Und dahinter liegt nicht nur eine Erklärung oder eine Diagnose, sondern ein Raum, in dem man zum ersten Mal das Gefühl hat: Hier erkenne ich mich wieder.
Ich rufe zu einer Blogparade auf und ich lade dich ein, auf deinem eigenen Blog über deinen Erkenntnisweg zu schreiben; ein authentischer Bericht darüber, welcher Begriff oder welche Erkenntnis bei dir den Schlüssel gedreht hat - und was sich seitdem in deinem Leben verändert hat.
Wenn du Lust hast, über deinen Weg zu berichten und einen eigenen Blog hast, bist du herzlich eingeladen, mitzuschreiben. Du verfasst deinen Artikel auf deiner eigenen Website und verlinkst in der Einleitung auf diesen Beitrag hier, den du gerade liest.
Davon profitieren wir alle: Du schreibst einen Beitrag, den deine Zielgruppe gerne liest. Mehr Menschen finden über deinen Artikel auch zu deinem Blog - und können von den Inhalten auf ihrem eigenen Weg profitieren. Und ich freue mich darauf zu sehen, wie unterschiedlich jede und jeder dieses Thema für sich interpretiert. Der Blogartikel über meinen eigenen Erkenntnisweg findest du hier.
Du hast (noch) keinen Blog? Macht nichts, dann schreibe gerne etwas in den Kommentaren über deinen Weg.
Ein paar Fragen zur Orientierung, falls du sie brauchst:
Du musst nicht offiziell diagnostiziert sein und keinen linearen Erkenntnisweg vorweisen. Du bist eingeladen, dein Erleben und deine Erfahrungen zu teilen, wenn du dich wiedererkannt und das Gefühl hast, mehr bei dir selbst angekommen zu sein.
Ich bin neugierig, welche Tür sich bei dir geöffnet hat und wie diese Einsichten dein Leben verändert haben. Schreib es in deinem eigenen Artikel und hinterlasse den Link in den Kommentaren.
Hashtag für Social Media: #SchluesselundSchloss
Laufzeit: 19. Juni bis 2. August 2026.
Dr. med. Hanna Steffen
Coaching und Mentoring
Bödekerstr. 1
30161Hannover
12 Kommentare
Liebe Leser:innen, hier noch einmal der Link des Beitrages von Andreas Stoya, der jetzt funktionieren sollte…
https://mentalio.de/ich-war-stolz-darauf-nicht-feinfuehlig-zu-sein/
vielen Dank für deine Blogparade und die schöne Einladung, den eigenen Erkenntnisweg einmal ganz persönlich zu betrachten. Mein Beitrag erzählt davon, warum ich lange stolz darauf war, nicht feinfühlig zu sein und welche Tür sich geöffnet hat, als ich begann, meine Wahrnehmung und meine inneren Muster anders zu verstehen.
Hier findest du meinen Artikel:
Ich war stolz darauf, nicht feinfühlig zu sein https://mentalio.de/ich-war-stolz-da…nfuehlig-zu-sein/
Herzliche Grüße
Andrea
vielen Dank für diesen persönlichen und gleichzeitig so differenzierten Beitrag. Besonders hervorheben möchte ich deine Unterscheidung zwischen der angeborenen Feinfühligkeit als Anlage und den inneren Mustern, die bestimmen, wie wir mit dieser Anlage umgehen. Genau diese Differenzierung fehlt in vielen Diskussionen.
Das begegnet mir in meiner Arbeit immer wieder: Menschen mit einer angeborenen Feinfühligkeit nehmen Spannungen, Stimmungen und Zwischentöne häufig sehr früh wahr. Wächst ein solcher Mensch in einem Umfeld auf, in dem viel Unsicherheit, Spannungen oder gar eine emotionale Unberechenbarkeit auftritt, ist es nicht verwunderlich, dass das Nervensystem noch wachsamer wird.
Dann verbinden sich eine feine Wahrnehmungsfähigkeit und frühe Schutzstrategien, und im Erwachsenenalter lässt sich oft kaum noch unterscheiden, was ursprünglich zur Persönlichkeit gehörte und was das Nervensystem zum Schutz dazugelernt hat.
Gerade deshalb trifft es dein Bild der Schutzmauer so gut. Sie war kein Fehler, sondern über lange Zeit eine sinnvolle Strategie. Und irgendwann durfte sie Stück für Stück durchlässiger werden, damit die ursprüngliche Feinfühligkeit wieder als Stärke erlebbar wurde.
Vielen Dank, dass du diese wichtige Perspektive so offen in diese Blogparade eingebracht hast. Ich bin sicher, dass sich viele Leserinnen und Leser darin wiederfinden werden.
Herzlich, Hanna
natürlich fühlte ich mich gleich angesprochen und habe dazu meinen Beitrag zu deiner Blogparade hier verfasst: https://susanneburzel.de/3-gamechanger-hochbegabte-frau/
Alles liebe,
Susanne
danke für diesen sehr persönlichen und mutigen Beitrag zu meiner Blogparade. Wie du den Schlüssel-Gedanken aufgenommen und zu einem ganzen Schlüsselbund weitergesponnen hast, zauberte ein Schmunzeln auf meine Lippen: erst der Bund, den man als Mutter zwischen Diagnostiken und Förderanträgen mit sich herumträgt, um endlich die Passung zwischen den richtigen Schlüsseln und Türen herzustellen. Dann der eine Schlüssel, der durch das Buch einen großen Raum geöffnet hat. Und schließlich der Test mit 53, der noch einmal eine ganz neue Etage in dir aufgeschlossen hat.
Dass du am Ende sagst, jeder trage einen Schlüsselbund mit sich, dem oft nur die passende Tür fehlt, bringt etwas auf den Punkt, worum es mir in dieser Blogparade ging.
Was wäre, wenn wir nicht nur ein Schlüsselbund, sondern ganz viele Schatzkisten oder gar ein großes Schloss mit noch mehr Räumen in uns tragen, welche wir Schritt für Schritt bewohnen dürfen?
Deine Geschichte zeigt sehr eindrücklich, wie spät erkannte Hochbegabung ganze Familienbiografien prägen kann und wie wertvoll deine unermüdliche Aufklärungsarbeit ist, um nachfolgenden Menschen den Weg zu erleichtern. Danke, dass du das so offen teilst.
Herzliche Grüße
Hanna
https://maschas-buch.blogspot.com/2026/07/hat-das-einen-namen-und-was-andert-sich.html
LG Mascha
danke für deinen Beitrag. Die Offenheit, mit der du schreibst – das Kind, das nicht grüßen konnte, weil die Leute immer andere Kleidung anhatten, die Schulzeit, die Diagnose mit 48, das Umfeld, das sie nicht annahm – das ist ungeschönt, klärt über das persönliche Erleben auf, löst gleichzeitig Betroffenheit aus und lädt zum Nachdenken ein. Deshalb ist das so wertvoll für die Blogparade.
Du gibst auf die Frage im Titel sehr klare Antworten. Nach außen ändert die Diagnose kaum etwas – das Umfeld akzeptiert sie nicht, bei Ärzten erwähnst du sie längst nicht mehr. Aber nach innen konntest du aufhören, dir Vorwürfe zu machen, dass du nicht schaffst, was andere schaffen. Das ist ein wichtiger Schritt, auch wenn er die Vergangenheit nicht ändert. Und es ist ehrlicher als jedes „Diagnose als Befreiung”-Narrativ.
Du arbeitest die Unterschiede zwischen Autismus und ADHS präziser heraus, als es viele Fachtexte tun: enge, lebenslang verfolgte Interessen oder schnelle Begeisterung und schnelles Fallenlassen. Vollständige Fokussierung vs. Ablenkbarkeit. Klare Regeln, an die man sich hält vs. große Herausforderungen mit einer Strukturbildung. Und die sozialen Fähigkeiten, die ADHSler einsetzen können. Das sind gegensätzliche Pole, keine Nuancen.
Genau deshalb möchte ich einen Punkt ergänzen, der nicht gegen deine Darstellung steht, sondern aus ihr folgt: Es gibt Menschen, in denen beides vorliegt. Seit dem DSM-5 im Jahr 2013 ist die Doppeldiagnose überhaupt erst erlaubt – vorher schloss die eine die andere formal aus – und seither zeigt die Forschung, dass diese Kombination alles andere als selten ist: Die größte Metaanalyse dazu (Lai et al., Lancet Psychiatry 2019) kommt auf rund 28 Prozent, ADHS ist damit die häufigste Begleitdiagnose bei Autismus überhaupt. Kein Randphänomen also, aber eben auch nicht die Mehrheit.
Was diese Menschen kennzeichnet, ist nicht, dass sie „ein bisschen von beidem" wären. Sondern dass sie genau die Gegensätze, die du so klar benennst, in einer einzigen Person aushalten müssen: das Bedürfnis nach Struktur und den Impuls, sie zu sprengen. Den Sog des Spezialinteresses und die Unfähigkeit, dabei zu bleiben. Reizabschottung und Reizhunger gleichzeitig.
Dein Anliegen bleibt davon unberührt und richtig: Wenn Autismus im Sammelbegriff verschwindet, werden Autisten Dinge abverlangt, die sie nicht leisten können, und die nötigen Hilfen versagt. Das ist die Sorge, die ich teile.
Herzliche Grüße, Hanna
ich freue mich diesen Beitrag hier gefunden zu haben, denn tatsächlich hab ich gerade heute meinen ersten Blogartikel gepostet, passend zu diesem Thema :-)
https://www.linkedin.com/pulse/hochbegabt-wtf-anna-fricke-sa3de/?trackingId=PuuTQbvFSaO2kPriSTfdeA%3D%3D
hm, ich kann das hier nicht als Link hinterlegen im Kommentar, ich hoffe, es klappt trotzdem.
Liebe Grüße
Anna
Vielen Dank für deine Teilnahme an meiner Blogparade! Das freut mich sehr.
Unter anderem hat mich deine „Teammeeting-Szene" beim Lesen zum Nachdenken gebracht. Du bringst die Lösung in Lichtgeschwindigkeit, sie wird abgetan – und 50 Minuten später kommt genau dieser Vorschlag von einem Kollegen und wird beklatscht 😱
Ich habe mich beim Lesen gefragt, was da eigentlich passiert ist: War es so etwas wie Ideenklau? Oder waren die anderen einfach tatsächlich noch nicht so weit, brauchten diese 50 Minuten und all die verworfenen Zwischenschritte, um an dem Punkt anzukommen, an dem du längst warst? Vielleicht war es sogar von beidem etwas.
Ich neige zu der dritten Deutung: Wenn ein Gehirn in Sprüngen denkt, ist die Lösung oft schon fertig, bevor die anderen die einzelnen Schritte überhaupt gegangen sind – und dann fehlt der Weg, den andere brauchen, um sie annehmen zu können.
Aber – und das ist mir wichtig – diese Erklärung entschuldigt die Dynamik nicht. Es bleibt frustrierend und ärgerlich, wenn die eigene Idee erst dann zählt, wenn sie durch einen anderen Mund kommt – und dann auch noch von einem Mann. Beides ist gleichzeitig wahr: Man kann die Mechanik verstehen und dennoch frustriert sein, wenn man nicht gesehen wird.
Danke, dass du diese Szene so genau erzählst – ich glaube, viele werden sich darin wiederfinden.
Schön, dass du dabei bist!
https://www.dr-hanna-steffen.de/blog/warum-blinde-flecken-manchmal-verborgene-staerken-sind-mein-persoenlicher-erkenntnisweg-ueber-hochbegabung-vielbegabung-und-hochsensibilitaet/
Viel Freude beim Schökern!
https://www.karin-pfisterer.de/post/hochbegabt-vielbegabt-hochsensibel
was für ein berührender und kluger Beitrag. Vielen Dank, dass du deine Geschichte so offen geteilt hast.
Besonders das Bild der inneren Schere hat mich sehr angesprochen - und es passt ja auch zu einem deine Talente! Es beschreibt für mich gleich mehrere Spannungsfelder, die viele hochbegabte Menschen kennen.
Da ist zum einen der Weg aus einem bildungsferneren Umfeld, in dem es oft weder Worte noch Vorbilder für die eigene Begabung gibt. Und da ist dieser andere, ebenso schmerzhafte Konflikt, den du so treffend beschreibst: Traue ich mich überhaupt, mein Potenzial zu zeigen? Gerade in der Pubertät kann das bedeuten, als „Streberin“ abgestempelt zu werden oder soziale Zugehörigkeit zu riskieren. Viele lernen deshalb früh, sich kleiner zu machen, um dazuzugehören.
Dein Bild der inneren Schere bringt diese Zerrissenheit wunderbar auf den Punkt. Umso wertvoller ist dein Beitrag. Er macht Mut und schenkt anderen das Gefühl: Ich bin mit dieser Erfahrung nicht allein.
Herzlichen Dank für deinen persönlichen und wichtigen Beitrag zu meiner Blogparade.
Was denkst du?