

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade „Welches Buch hat dein Leben verändert?" von Melanie Hafner. Als ich den Aufruf las, hatte ich sofort ein Buch vor Augen, und es ist nicht unbedingt eines, das man von einer Ärztin und Coachin vielleicht erwarten würde.
Es gibt Bücher, die man einfach mal liest, und solche, die etwas Existenzielles berühren. Das Buch, von dem ich hier erzählen möchte, gehört für mich in die zweite Gruppe, und ich habe lange gebraucht, bis ich bereit war, es zu erwerben und aufzuschlagen.
Die Rede ist von Lola Jones und ihrem ersten Buch: "Alles läuft super, während ich weg bin." Lola Jones ist eine Coachin aus Texas, die eine Lebensphilosophie entwickelt hat, die sie „Divine Openings" nennt. Sie versteht diese jedoch weniger als einen spirituellen Weg denn als eine freudvolle und natürliche Art, emotional zu reifen, immer mehr in das eigene Potenzial hineinzuwachsen und sich im eigenen Leben bewusst auszurichten, um es erfüllt leben zu können.
Inhaltsverzeichnis
"Alles läuft super, während ich weg bin." Ich stand in einer Buchhandlung, hielt das Buch in der Hand, las den Klappentext und spürte sofort eine starke Anziehung. Doch im selben Moment vernahm ich eine leise, klare innere Stimme, die sagte: Nein. Jetzt noch nicht.
Ich habe auf diese Stimme gehört, auch wenn ich sie damals nicht erklären konnte. Ich war innerlich noch nicht an einem Punkt, an dem ich das, was in diesem Buch steckt, gut hätte aufnehmen und verarbeiten können.
Fünf Monate später, um meinen 50. Geburtstag herum, habe ich das Buch dann gekauft und begonnen, es zu lesen und den Inhalt sacken zu lassen. Die Wirkung war unmittelbar: Lola Jones hat Bilder in ihr Buch aufgenommen, die sie selbst gemalt hat, und die ihre Wirkung entfalten können, wenn man sie einfach anschaut. Die erste Erfahrung war nicht ein Gedanke oder eine Einsicht, sondern ein starkes Gefühl: Es wollte sich tiefe, alte Trauer durch mich hindurchbewegen. Sie durfte sich lösen, und ich ließ sie ziehen.
Die Schwelle zum sechsten Lebensjahrzehnt war eine Zeit, in der ohnehin vieles in Bewegung war, und rückblickend verstehe ich diese fünf Monate des Wartens als das, was innere Reifung im Kern ausmacht: Auch das Gespür dafür, dass alles seine Zeit hat, denn das Wesentliche im Leben lässt sich nicht erzwingen.
Aus seiner höheren Perspektive betrachtet: Meerblick schafft Raum und Weite. Skanlingsbanken, 2020
2. Was „während ich weg bin" wirklich bedeutet
Wenn ich beschreiben soll, worum es in diesem Buch im Kern geht, dann fällt mir zuerst ein Bild ein: Das Leben lebt sich leichter, wenn ich nicht unnötig daran ziehe. Der Titel selbst sagt es bereits: „Alles läuft super, während ich weg bin"; und dieses „weg" ist tatsächlich erklärungsbedürftig, weil es sonst leicht missverstanden werden kann.
Gemeint ist, dass der kontrollierende Verstand aus dem Weg tritt. Das bedeutet nicht, dass wir nichts mehr planen, uns aus unserem Leben zurückziehen, keine Position beziehen oder unsere Bedürfnisse übergehen sollen; und es gibt sehr wohl etwas, das wir mit Hilfe unseres Verstandes tun: Wir richten uns bewusst aus. Wir entscheiden immer wieder, worauf wir uns innerlich fokussieren, mit was und mit wem wir in Verbindung sein wollen. Oft geschieht unsere Ausrichtung im Alltag unbewusst durch die Signale, die wir aussenden, und die Kunst besteht darin, diese wieder bewusst anzusteuern.
Was sich hingegen nicht erzwingen lässt, ist, wie sich das, was wir mit unseren Absichten in Bewegung setzen, konkret ausgestaltet. Das geschieht idealerweise eher so nebenher, ohne dass wir allzu viel machen müssten oder auch nur könnten. Letztendlich geht es darum, die Balance zwischen dem Sin und unserem Tun herzustellen und unserem natürlichen inneren Rhythmus zu folgen.
Der Verstand tritt also nicht ab, weil er von geringem Wert wäre. Er bekommt nur teilweise eine andere Funktion, indem er das achtsame und wohlwollende Mitfühlen aufmerksam begleitet und für eine klare und bewusste innere Ausrichtung sorgt. Er hört auf, einen Prozess erzwingen oder kontrollieren zu wollen, der ohnehin nicht über sein Steuer läuft; er nimmt die Hände von einem Lenkrad, das mit dem Geschehen im Hintergrund ohnehin nie verbunden war. Do was ist, wenn er nicht zur Ruhe kommt oder abschalten mag? Es bedarf tatsächlich immer wieder der Übung, überhaupt bewusst wahrzunehmen, was wir den ganzen Tag denken und zu entscheiden, worauf wir unsere Aufmerksamkeit lenken wollen.
Ich schildere das so ausführlich, weil ich weiß, was diese Perspektive auslösen kann: Dem einen gerät er zum neuen Leistungsauftrag: richtig ausrichten, genug ausrichten, und wenn das Leben nicht trägt, habe ich mich wohl falsch ausgerichtet, und wieder stimmt etwas nicht mit mir... Dann ist die Ausrichtung nichts weiter als die alte Kontrolle in einem anderen Gewand. Der anderen klingt der Satz vom Verstand, der zurücktritt, nach Abwertung oder Kontrollverlust, und gerade kluge Menschen reagieren darauf mit gutem Grund empfindsam. Beide Lesarten verfehlen den Kern, und darum liegt mir an der Differenzierung so viel.
Urlaub in Heljsminde und ein bißchen Magie...
Lola Jones hat für das Setzen einer Absicht ein schönes Bild gefunden: so leicht wie der Flügelschlag einer Fruchtfliege. Nicht angestrengt, nicht verbissen, sondern ein Gedanke, leicht gesetzt und dann losgelassen, vielleicht auch nicht zu ernst gemeint oder gar vergessen.
Was für Möglichkeiten dann entstehen und wie sich das anfühlen kann, habe ich einmal im Urlaub in Dänemark erlebt. Wir saßen an einem späten Nachmittag unentschlossen auf unserer Terrasse, weil zwei Optionen im Raum standen: Der Ausflug in einen Skulpturenpark erschien uns fast ein wenig zu aufwändig, und so entschieden wir uns für die Eisdiele. Auf dem Tisch lag ein Buch mit dem Titel: "Wenn Fische fliegen können." Und wie schön wäre es doch, wir könnten uns das Eis einfach auf unsere Terrasse beamen...
Gesagt, getan: Wir standen bereits am Auto, als es plötzlich bimmelte und ein mobiler Eiswagen durch unser Wohnviertel fuhr. Ebenso amüsiert wie fasziniert kauften wir Eis gleich auf Vorrat, genossen es in aller Ruhe und brachen anschließend mit neuem Elan in den wunderschönen Skulpturenpark. Ich habe sogar noch Fotos von diesem Tag.
Ich erzähle das nicht, um zu behaupten, so bestelle man sich einen Eiswagen. Darum geht es nicht im Geringsten. Was mich an diesem kleinen Erlebnis bewegt hat, war die Leichtigkeit selbst, und dass gerade sie einen Raum öffnete, den mein planender Verstand zuvor verschlossen hatte. Das Entweder-oder, an dem wir hingen, dieses „Eis oder Ausflug, aber nicht beides, das ist zu viel", löste sich in dem Augenblick auf, in dem die Leichtigkeit die Regie übernahm. Am Ende hatten wir beides.
Ziegen im Naturpark Skamlingsbanken
„Innen reifen, außen wirken" ist mein eigener Claim, und er trifft für mich jenes Prinzip, das dieses Buch so nah an meine eigene Haltung rückt. Von innen nach außen zu leben bedeutet, dass unserer innerer Zustand einen bedeutsamen Einfluss darauf hat, was uns im Leben begegnet und wie wir mit den jeweiligen Möglichkeiten umgehen.
Wer gerade voller Schuldgefühle ist, vermag Leichtigkeit nicht zu manifestieren, weil Leichtigkeit voraussetzt, dass wir in der Schwingung von Liebe und Freiheit sind, um diese dann auch erfahren zu können. Wir können nach außen nur erleben, worin wir innerlich bereits schwingen. Das Innere kommt zuerst.
Wir Menschen versuchen es jedoch sehr häufig und beharrlich andersherum. Wir glauben, wir würden glücklich, sobald das Eis endlich auf dem Teller liege, sobald die äußeren Umstände stimmten. Und weil äußere Umstände nie dauerhaft stimmen, bleiben wir in unserer emotionalen Befindlichkeit von ihnen abhängig. Das Innere zuerst zu nehmen, kehrt diese Richtung um.
Dieses Muster kenne ich aus meiner Arbeit, und ich kenne es von innen. Viele der Menschen, die zu mir kommen, sind hochbegabt, hochsensibel oder auf andere Weise neurodivergent, und sie haben eines besonders gründlich gelernt, nämlich sich nach außen auszurichten. Als Kinder haben sie früh und fein gespürt, was von ihnen erwartet wurde, was in einem Raum stimmte und was nicht, und sie haben sich danach gerichtet, mitunter so weit, bis die Verbindung nach innen beinahe verloren ging. Kontrolle war dabei niemals ein Charakterfehler; sie war ein kluger, früher Schutz.
Bei hochbegabten Menschen tritt oft etwas hinzu, das mit der sogenannten asynchronen Entwicklung zu tun hat: Der Verstand eilt früh voraus, während das emotionale und das körperliche Erleben in ihrem eigenen Tempo nachkommen. So wird der Verstand zu jener Ebene, die sich am zuverlässigsten anfühlt, zum festen Boden, auf dem man steht, wenn vieles andere unübersichtlich bleibt. Zunächst ist das eine echte Ressource. Wird die Fixierung darauf jedoch sehr groß, kann dieselbe Ebene zum Hindernis werden, denn Loslassen hieße dann, ebendiesen sicheren Boden zu verlassen, und das ist wahrlich keine Kleinigkeit.
Das Loslassen, von dem Lola Jones schreibt, ist für solche Menschen deshalb alles andere als leicht. Wer gelernt hat, dass Sicherheit davon abhängt, alles im Blick zu behalten, kann nicht auf Kommando vertrauen. Und wer sein Glück lange an äußere Umstände geknüpft hat, erlebt sich verständlicherweise als von ihnen abhängig, zuweilen als deren Opfer. Auch das ist kein Vorwurf, sondern eine nachvollziehbare Folge. Die Umkehr von außen nach innen ist für diese Menschen weit mehr als eine spirituelle Übung; sie ist die Rückgabe der eigenen Handlungsfähigkeit an jemanden, der gelernt hatte, sie abzugeben. Genau hier setzt meine Begleitung an, behutsam, weil dieser Schritt ans Eingemachte rührt.
Nicht selten wird diese Sinnfrage gerade in der Lebensmitte lauter, wenn das bloße Funktionieren nicht mehr trägt. Darüber habe ich an anderer Stelle ausführlicher geschrieben, in meinem Beitrag über die Midlife-Crisis bei Hochbegabung und Neurodivergenz.
Lola Jones hat noch ein zweites Buch geschrieben, „Du bist so viel größer, als du denkst", und erst in diesem zweiten Band treten Manifestation und Struktur hinzu, jener Bereich, in dem ich auch in meiner eigenen Arbeit begleite. Rückblickend verstehe ich, warum die innere Stimme mich damals in der Buchhandlung hat warten lassen, ehe ich überhaupt zum ersten Band bereit war: Ohne dessen Fundament, die geduldige Arbeit an der inneren Ausrichtung, wäre alles Weitere bloße Technik geblieben.
Wenn ich all diese Fäden zusammenführe, die innere Ausrichtung, das Reifen von innen und das Herz als jene Instanz, die oft mehr weiß als der Verstand, dann weisen sie mich an einen Ort, an dem gerade vieles für mich zusammenkommt. Dass mir dieses Buch damals ohne mein Zutun zur rechten Zeit begegnete, ist übrigens kein Einzelfall in meinem Leben; über solche „Zufälle" und die Kraft der inneren Ausrichtung habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben.
Am Mittwoch, dem 19. August 2026, lade ich gemeinsam mit Jenny Sun um 19 Uhr zu einem Online-Praxisabend ein, der den Titel „Das Herz als Zugang zu unserer Wahrnehmung" trägt. Wir erkunden an diesem Abend, wie sich der eigene Herzraum als Zentrum der eigenen Präsenz wieder spüren lässt und wie über den Körper neues Vertrauen in die eigene feine Wahrnehmung entstehen kann. Es wird ein Abend zum Spüren und Erleben, nicht allein zum Zuhören.
Denn darum ging es ja, ganz am Anfang, in jener Buchhandlung: um eine leise innere Stimme, die früher wusste als mein Verstand, was mir entspricht. Diese Stimme zu hören und ihr wieder zu vertrauen, ist vielleicht das Wertvollste, was ich aus Lola Jones' Buch mitgenommen habe, und es begleitet mich bis heute.
Wenn du magst, bist du an diesem Abend herzlich willkommen. Den Link zur Anmeldung findest du in meiner Bio, und ich freue mich, wenn wir uns dort begegnen.
Und du? Welches Buch hat in dir etwas nachhaltig bewegt? Schreib es gerne in die Kommentare, ich bin gespannt!
Dr. med. Hanna Steffen
Coaching und Mentoring
Bödekerstr. 1
30161Hannover
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