Meine Selbstorganisation als neurodivergente Unternehmerin 2026

Meine Selbstorganisation als neurodivergente Unternehmerin 2026

Dr. Hanna Steffen
von Dr. Hanna Steffen
26. Januar 2026

2026 wird für mich ein Jahr, in dem ich meinen Alltag als Unternehmerin bewusster gestalte.

Nicht, weil ich plötzlich anders sein oder funktionieren muss, sondern weil ich gemerkt habe: An Ideen mangelt es nie; aber sie brauchen einen Rahmen, damit daraus auch etwas Reales wird und ich nicht irgendwann von ihrer Fülle erschlagen werde. So behalte ich den Überblick, wo ich anfangen soll und was jetzt gerade wirklich Sinn macht. Insofern bezieht sich diese Struktur auf das Backoffice: Planung, Konzeptentwicklung, Content, Nachbereitung, Organisation, Technik, Kommunikation,Finanzen – kurz: die unsichtbare Grundlage, damit meine Kernaufgabe und Berufung ihren Platz behält: Begabte und neurodivergente Menschen in ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben zu begleiten.

Und schätze einmal, wie viel Zeit dafür anteilig einkalkuliert werden muss: Die Auflösung verrate ich dir später!

2026: Klare Strukturen als Entlastung – damit aus vielen Möglichkeiten konkrete Schritte werden. Hier sind meine Entscheidungen für eine neurodivergenzfreundliche Selbstorganisation, die ich erproben und konsequenter leben werde.

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Die Fotos zum Auflockern dieses Blogartikels sind übrigens alle tagesaktuell: meine Mittagspause im Garten...

1) Weniger Eisen gleichzeitig im Feuer: klare Prioritäten statt Ideenstapel

Ich werde 2026 bewusster auswählen, was jetzt dran ist. Der Ideenreichtum darf natürlich bleiben – nur eben nicht alle zur selben Zeit vorne auf der Bühne.

Dafür arbeite ich mit einer einfachen Regel: maximal drei aktive Hauptthemen pro Zeitraum (zum Beispiel pro Monat oder Quartal). Alles andere kommt auf meine Schöpferliste (eine gepflegte Ideensammlung, die nichts verliert, und wo die Dinge im Hintergrund schon einmal weiter reifen dürfen).

Das ist keine Bremse, sondern eine Fokussierung auf das, was gerade wirklich entstehen soll.

2) Feste Zeitfenster am Tag – damit Kleinkram nicht zu Ablenkungsmanövern wird

Ich plane Aufgaben künftig stärker in möglichst festen Tages-Zeitfenstern, statt Tätigkeiten „irgendwo“ unterzubringen oder spontan zu erledigen. Das betrifft auch kleinere und eher ungeliebte organisatorische Aufgaben: Die werde ich noch konsequenter morgens als erste tun, weil ich sie dann nicht als latentes Unbehagen mit durch den ganzen Tag schleppe. Das ist erstaunlich entlastend.

Für Kommunikation setze ich zusätzlich auf gebündelte Kommunikationsfenster (Instagram, Linkedin, E-Mails/DMs zu klaren Zeiten statt verteilt über den Tag). Das schafft mehr Ruhe im Kopf und mehr Präsenz in der Arbeit.

Konzeptarbeit und Content-Erstellung bekommen längere feste Zeitfenster: je einen Block vormittags (90–150 Minuten). Und: Niht vergessen – zwischendurch aufstehen, in den verschneiten Garten schauen, kurz frische Luft schnappen oder einen Tee kochen. Wir haben auch noch einen Körper!

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Der Rosmarin trotzt noch der Kälte: ob er wohl bald wieder blüht?

3) Wiederkehrende Wochenblöcke – weniger Entscheidungsballast, mehr Verlässlichkeit

Zusätzlich bekommen bestimmte Tätigkeiten einen festen Platz in der Woche – zum Beispiel montags Blogartikel schreiben (ich kann den Zoom-Call am Montag um 10.00 Uhr immer kaum erwarten, denn dann gibt es in The Content Society mit Judith Peters den Themenvorschlag der Woche!); an einem Tag Termine mit Kund:innen/Calls; an einem weiteren Tag Konzeptarbeit; wenn nötig, dazugehörige Technik/Tools – und freitags nachmittags Nachbereitung und die Planung der kommenden Woche.

Der Vorteil: Der Kopf muss weniger „neu entscheiden“, und die Umsetzung wird verlässlicher. Das ist mehr als ein Gefühl: Entscheidungen kosten Energie, und nach vielen kleinen Wahlhandlungen sinkt bei vielen Menschen die Qualität von Entscheidungen oder die Selbststeuerung wird anstrengender – dieser Effekt wird unter dem Begriff Decision Fatigue (Entscheidungsmüdigkeit) diskutiert. (PNAS)

Wie viele Entscheidungen treffen wir eigentlich pro Tag? Es gibt populäre Schätzungen (teilweise sehr hohe Zahlen), aber seriös messbar ist das kaum, weil schon die Definition einer „Entscheidung“ schwierig ist. In verwandten Bereichen wurden einzelne oft zitierte Entscheidungszahlen später als methodisch fragwürdig eingeordnet. Ich nehme daraus vor allem eins mit: Es lohnt sich, alltägliche Entscheidungsarbeit zu reduzieren – durch Routinen, Blöcke und klare Standards.

Dazu kommt ein zweiter Aspekt: Unterbrechungen sind teurer, als sie wirken. In Forschungsarbeiten zu Arbeitsunterbrechungen wird beschrieben, dass Menschen nach einer Unterbrechung im Schnitt deutlich Zeit brauchen, bis sie wieder „richtig drin“ sind – häufig nicht nur wenige Minuten, sondern eher im Bereich von rund 20 Minuten oder mehr (je nach Aufgabe und Unterbrechung). 

Das bedeutet für mich ganz praktisch: Wenn ich in einem Zeitblock konsequent thematisch arbeite, dann gilt auch: Handy aus. Nicht aus Prinzip, sondern als Schutzraum für Konzentration und Tiefe.

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Zauberhüte wie Zuckerwatte...

4) Themenwochen: Tieftauchen statt Flattern

Die Wochen bekommen einen klaren Schwerpunkt: Wenn ein Thema groß ist, bekommt es eine ganze Woche oder eventuell auch einen Monat. So kann ich mich einarbeiten, entscheiden, umsetzen – und danach sauber abschließen oder das Vorhaben in die nächste Phase überführen.

Beispiele, die ich im ersten Quartal 2026 konkret einplane:

  • Businessplan-Woche: Überarbeiten, vertiefen, nächste Schritte festlegen.
  • Vorbereitungswoche fürs Seminar im März auf Langeoog: Abstimmung mit dem Hauptreferenten zum Ablaufplan, Wünsche der Teilnehmer:innen sichten, Unterlagen vorbereiten.
  • Einarbeitungswoche Onlinekongress (im Sommer): Überblick, Aufgaben, Etappen definieren, Zeitplan erstellen, Brainstorming.
  • Chimpify-Woche: Chimpify (All-in-one-Plattform für Website, Blog, E-Mail und Automationen) strukturiert aufsetzen und Kenntnisse vertiefen. (Chimpify.de)
  • Content-Woche Blog und Social Media: Themen auswählen, schreiben, redigieren, veröffentlichen.
  • Konzept-Woche: Überarbeitung großer Begleitkurs (Neurodivergenz): Struktur, Module, Inhalte priorisieren.
  • Digitale-Büro-Woche: Auch das digitale Büro will aufgeräumt und neu strukturiert werden – gerade sieht es dort aus wie auf einem kreativen Schlachtfeld.
  • Steuer-Woche: Und dann noch die Steuer-Woche. Positive Ausrichtung bei ungeliebter Tätigkeit: Was, wenn endlich auch Investitionsgelder zurückfließen?

5) Wöchentlicher Review-Termin am Freitagnachmittag

Freitagnachmittag wird zum festen Anker:

  • Pufferzeit: Liegengebliebenes wird erledigt oder bekommt einen neuen Platz.
  • Review (Rückblick): 30–45 Minuten für Rückblick, Zahlen/Resonanz, Prioritäten und Wochenplanung.

So entsteht ein Abschlussgefühl – und die kommende Woche startet klarer.

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Im Winter imponieren die Misteln besonders...

6) Kapazitätsgrenzen sichtbar machen und eine „Definition of Done“ einführen

Ich setze mir eine einfache Wochenkapazität (z. B. X Stunden Kund:innenbegleitung) als Leitplanke für alle weiteren Zusagen. Das schützt mich vor dem Klassiker: zu viel versprechen, zu viel parallel, zu wenig Luft.

Und ich führe eine Definition of Done (klare Fertig-Kriterien) ein: für Blogartikel, Newsletter, Kursmodule. Damit weiß ich, wann etwas „fertig genug“ ist.

Gerade im neurodivergenten Arbeiten kann das ein wirksames Mittel gegen Perfektionismus-Schleifen sein: Wenn „fertig“ diffus bleibt, bleibt der Kopf im Endlos-Optimieren – und das kann Prokrastination verstärken. In der Forschung werden Zusammenhänge zwischen Perfektionismus und Aufschieben wiederholt beschrieben.

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Heute ist es still hier, sonst speist hier meistens der Buntspecht!

7) Leere Zeitfenster für Unvorhergesehenes – als echte Strategie

Ich plane bewusst freie Fenster ein. Nicht als „Luxus“, sondern als Realismus.

Warum? Weil Kalender ohne Puffer bei kleinsten Verschiebungen kippen. Und weil Übergänge Zeit brauchen: zum Runterfahren, Notieren, Sortieren, Einsteigen. Zusätzlich zeigen Erkenntnisse aus der Arbeitsforschung, dass Pausen zwischen Meetings dem Gehirn helfen, sich zu „resetten“, und Stress sich sonst aufschaukeln kann.

Eine praxistaugliche Faustregel, die ich 2026 ernster nehmen werde:

  • 10–15 Minuten Übergang zwischen Terminen, besonders wenn es um unterschiedliche Themen geht.
  • ein größeres Pufferfenster am Tag oder zumindest mehrere kleine, damit der Tag nicht zu einer Domino-Kette wird.

Das hat einen überraschenden Nebeneffekt: Wenn Puffer eingeplant ist, wird Planen realistischer – und genau das ist eine gute Medizin gegen die bekannte Planungsfalle: denn wir unterschätzen Zeitaufwand systematisch. 

8) Vorlagen und Checklisten pflegen – damit Qualität nicht jedes Mal neu erfunden wird

Wiederholbares wird standardisiert: Vorlagen für E-Mails, Onboarding, Angebotsseite, Launch-Ablauf, Seminar-Checkliste...

Der Vorteil: weniger Mikroentscheidungen, weniger Vergessen, mehr gleichbleibende Qualität – und mehr Kapazität für das, was wirklich Kreativität braucht. Checklisten sind nicht zufällig in sicherheitskritischen Bereichen so wirksam: Sie entlasten das Arbeitsgedächtnis und stabilisieren Abläufe. 

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Schon wieder leer: Das Meisenhäuschen.

9) Mein Jahresmotto wird zur Messlatte: 

„Ich bin wie ich bin. Irgendwann kommt es sowieso raus.“

Dieses Jahresmotto 2026 ist für mich mehr als ein schöner Satz. Es ist ein Kriterium für meine Authentizität und für Entscheidungen .

Ich möchte 2026 noch ernster nehmen, wie sich meine Worte, meine Angebote und meine Inhalte aus meiner Perspektive anfühlen – nicht nur, wie sie „ankommen könnten“. Das bedeutet auch: Ich formuliere noch klarer, wofür ich stehe. Und ich reduziere Dinge und Inhalte, die zwar an der Oberfläche zunächst „gut ankommen“, sich für mich persönlich jedoch nicht stimmig anfühlen – weil sie den Menschen, die sich tatsächlich entwickeln möchten, nicht wirklich dienen und unnötig Zeit binden.

Authentizität ist dann kein Marketingbegriff, sondern gelebte Praxis: Ich wähle Sprache, Themen und Formate so, dass sie meinem Wesen und dem Interesse der Kund:innen entsprechen – auch dann, wenn das gelegentlich zunächst unbequem sein kann und nicht die Erwartungen im Mainstream erfüllt.

10) Aus dem Weg eine Genusspraxis machen

Eng mit meinem Jahresmotto verknüpft ist die Balance zwischen Tun und Sein. Ich möchte den Weg selbst als Praxis gestalten – nicht nur als Mittel zum Zweck.

Dazu gehört für mich auch: Vorfreude auf gewünschte Ergebnisse bewusst zu kultivieren. Wenn ich die Qualität dessen, was ich mir wünsche, schon im Körper spüren kann, wird es weniger erheblich, ob es exakt in dieser Form eintritt. Dadurch wird Entscheiden und Handeln oft freier und kreativer.

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Gar nicht so einfach: Ein Herz im Schnee zu kreieren fordert das Gleichgewicht. Möglichst nicht daneben treten!

11) Auf mein Einkommen achten – und die unsichtbare Zeit konsequent einpreisen

Ach ja, eine Antwort war ich dir noch schuldig: Für all das braucht es mindestens 50 %, in der Phase des Businessaufbaus sogar bis zu 90 % der gesamten Zeit!

Das machen sich viele zu Beginn nicht bewusst – und jemand in einem Angestelltenverhältnis kann sich das kaum vorstellen: Unabhängig von Urlaub oder Krankheit fließt dort das Gehalt weiter. 

In der Selbstständigkeit ist es anders: Die Zeit, für die später keine Rechnungen gestellt werden, muss in der Umsatzplanung mitgedacht werden; ebenso wie die Betriebskosten und 35-40% des Gewinns alleine für die Sozialversicherung.

Auch in anderen Dienstleistungsbereichen zeigen Benchmarks, dass ein großer Teil der Arbeitszeit nicht direkt „abrechenbar“ ist (Vertrieb, Organisation, interne Abstimmung, Dokumentation). Je nach Branche liegen typische Auslastungen deutlich unter 100 %. 

Wenn ich ein bedingungsloses Grundeinkommen bezöge, würde ich dasselbe tun wie jetzt. In dem Bewusstsein, dass ich neben aller Freude an meiner Tätigkeit auch die Verantwortung habe, mein Einkommen zu sichern und zu schützen, werde ich im Rahmen der Businessplan-Woche (schon in dieser Woche also!) meine Umsatzplanung noch einmal genau unter die Lupe nehmen und meine Preise neu kalkulieren.

12) Freudvolle Pausen als Gegenpol: Damit Wochen mit "zähen" Themen mich nicht auffressen

Damit die Motivation über den Tag stabil bleibt, plane ich bewusst Abwechslung ein: Auf eine eher zähe Aufgabe oder ein ungeliebtes Wochenthema folgt eine Tätigkeit, die mich inhaltlich trägt oder Freude macht. Dazu gehören bei mir ganz bewusst auch längere Regenerationsfenster. Nach einem Zahlenblock gehe ich zum Beispiel zum Buddeln (oder heute Schnee treten und Fotos machen) in den Garten oder musiziere, um den Kopf zu lüften: Ein Plan mit ein paar "Pralinen" für zwischendurch, ohne den Tag nur mit Dingen zu füllen, die ich am liebsten aufschieben würde.

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Vorfreude genießen: Auch schön so, und noch schöner im Sommer beim Grillen!

Schreib es gerne in die Kommentare: Was machst du 2026 anders – und welcher eine Hebel würde bei dir am meisten verändern? 

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2 Kommentare

Lisa
Lisa
Liebe Hanna,
ich finde mich in dem Artikel sehr wieder und du nennst vieles, was ich dieses Jahr auch für mich umsetzen möchte. Ich bin auch mit der Planung fester Zeitfenster in das Jahr gestartet und werde da auch nochmal auf Pufferzeiten achten. Aktuell ist die Woche nämlich schon sehr voll. Reflexion am Freitag steht auch auf meinem Plan und dabei auch gleich das Setzen eines neuen Wochenfokusses zur Priorisierung. Außerdem starte ich meine Arbeitsblöcke jetzt bewusst: Handy weg, Musik an und los gehts. Das hilft mir sehr in den Flow zu kommen und das schnell denkende Gehirn auf Kurs zu halten.
Liebe Grüße
Lisa
Dr. Hanna Steffen
Dr. Hanna Steffen
Liebe Lisa,
danke für deinen ausführlichen, erfrischenden Kommentar! Selbständigkeit ist eben kein Sprint, sondern ein Marathon und darum ist es umso wichtiger, sich die Kräfte dementsprechend einzuteilen. Viel Erfolg und Freude bei deinen Vorhaben!

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